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Muskelkater

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Mir tut heute alles weh. O.k. nicht alles, aber so wichtige Anhängsel wie Arme und Beine.  Gestern haben wir noch die Betonpfosten durch den Wald geschleppt. 2,50 Meter hoch und zwölf mal zwölf Zentimeter breit und lang. Geschätzte 50 Kilogramm. Die hat Alessandro zuerst geschultert und alleine zur Nachbarsgrenze getragen. Irgendwie ging ihm dann aber die Luft aus. Logisch.  Ich großspurig: "Ich helfe dir."25 Kilogramm für mich und 25 Kilogramm für Alessandro waren mir dann aber doch zu viel. Wären es nur ein paar Meter gewesen, wäre es ja gegangen. Doch 250 Meter Waldgrundstück queren? Chancenlos.  Wir sind auf die glorreiche Idee gekommen, jeweils einen Pfosten auf ein Brett zu legen und dann auf den Schubkarren zu binden. Den habe ich geschoben und Alessandro hat den vorderen, überstehenden Teil des Pfostens mit Hilfe eines Seils hochgehalten, damit er nicht am Boden schrabbt, und gezogen. Der erste ging so lala. Nur der kürzere Weg durch den Wald war mit dem Schubkarr...

Besuch während Coronazeit

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 Wenn wir zur Zeit Besuch bekommen, sieht das so aus: Wir treffen uns im Freien, sind mit Masken bestückt und benutzen Gel-Alkohol.

Benzedeira und 21 Kräutersalbe gegen Hexenschuss

Es geht wieder. Das Schlimmste vom Hexenschuss ist überstanden. Ich kann wieder schmerzfrei sitzen und mich einigermaßen bewegen.  Am Samstag kamen die "Polacos", Polen. Ihre Groß- oder Urgroßeltern stammten aus Polen. Sie hatten sich mit anderen polnischen Einwanderern in der Umgebung von Curitiba angesiedelt, Land bestellt und gearbeitet. Heute ist die Region ein Stadtteil von Curitiba. Da wohnen auch "unsere" Polacos, ihre Tanten, Onkels, Cousins. Etwa 600 Meter von uns aus weiter in den Wald haben "unsere" Polacos eine Datscha gebaut. Die ganze Familie hat geholfen. Die Matriarchin ist leider im vergangenen Jahr gestorben. Aber Kinder, Enkel und Urenkel kommen hin und wieder, wie eben auch vergangenes Wochenende. Die "Kinder" sind in meinem Alter und auf einer ähnlichen Vibe wie wir. Die Freude ist deshalb immer groß, auch wenn wir dieses Mal Distanzen und Mundschutz dabei waren.  Luci hatte eine spezielle Salbe dabei. 21 Kräuter, darunter Ar...

Hexenschuss

 Alles, was ich wollte war ein Pinsel. Der sollte eigentlich in der Kiste mit meinen Bastelsachen liegen. Ich bin aber nicht dazu gekommen, ihn da rauszufischen. Beim Bücken kam der Hexenschuss.  In meiner alten Heimat wäre ich zum Arzt gegangen, hätte mir Massagen, Fangopackungen und Physiotherapie verschreiben lassen. Hier ist Fango etwas äußerst Exotisches. Massagen gibt es zum Luxuspreis. In ganz Antonina gibt es aber nur eine einzige Physiotherapeutin, die Massagen und Physiotherapie anbietet.  Zum Arzt gehen? Wenn das so einfach wäre. Um überhaupt einen Termin zu bekommen, musst du dich im Morgengrauen in die Warteschlange stellen. Mit etwas Glück erwischst du eine der wenigen Nummern. Mit der darfst du bis 8 oder 9 Uhr warten, bis du dann einen Arztbesuch vereinbaren kannst.  Dann wartest du wieder bis der Arzt aus Curitiba angefahren kommt. Mit Pech kommst du erst irgendwann am Nachmittag dran. Mit noch mehr Pech erwischst du einen der Ärzte, die über den Sch...

Von mobiler Grippeimpfung überrascht

Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, wie wir an die Grippeimpfung kommen. Die nächsten Postos de saúde (Gesundheitsposten) sind sechs bis acht Kilometer von uns entfernt. Ohne Auto und ohne Bus ist die Distanz gigantisch. Die Postos sind auch nicht ständig geöffnet. Der am Rio do Nunes funktioniert nur zwei Tage in der Woche. Der andere nur wenige Stunden am Tag. In Brasilien gibt es gerade eine Kampagne zur Grippeimpfung. Wegen dem Coronavirus wurde sie verstärkt, um einen zusätzlichen Druck auf die Krankenhäuser zu vermeiden. Heute morgen standen dann plötzlich zwei Krankenschwestern oben an unserem Eingang. Ob wir schon geimpft seien, wollten sie wissen. Schwupps zückten sie Dokumente und Spritze und wir hatten völlig unerwartet unsere Grippeimpfung bekommen. In Antonina hat  die Landbevölkerung bei der Gesundheitsversorgung bis vor wenigen Jahren eher ein vergessenes Dasein geführt. Die Gesundheitsposten haben nur teilweise funktioniert und wer in der Stadt behande...

Spinnenbiß

Meine Oberschenkel sind nicht gerade das, was ich als dünn bezeichnen würde. Als ich gestern morgen die Decke zurückgeschlagen habe, war aber selbst ich über die Größe meines linken Oberschenkels überrascht. Über Nacht hat er sich fast verdoppelt. Rund um eine dunkel markierte Bißstelle war er Luftballonmäßig angeschwollen. Spinnenbiß, hat Alessendro fachmännisch befunden. Wie er darauf kommt, weiß ich nicht. Aber mir fällt auch keine bessere Antwort ein. Die Auswirkungen von den Stichen der Mücken, Griebelmücken, Bremsen und selbst von Bienen sind jedenfalls anders. Der Unterschied ist die Mitte, die leicht nekrotisch ist. So ähnlich sah auch das Bein von Alessandros Tante aus, als sie vor Jahren von einer Armadeira, einer bißwütigen Spinne attackiert worden ist. Vorsichtshalber habe ich gleich einmal Antihistamine genommen und mir Aloe vera verabreicht. Schwellung und Röte sind daraufhin tatsächlich leichter geworden. Das war am Morgen. Am Nachmittag habe ich dann beinahe in ei...

Ansturm der Libellen

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Angezogen von den Fischteichen der Nachbarn und unserem Sumpf gibt es das ganze Jahr über Libellen. Jetzt im Frühjahr schwirren sie verstärkt herum. Das zweite Libellenhoch fällt auf dem Spätsommer. Dann geben andere Libellenarten den Ton an. Auch im Winter und Herbst umfliegen sie Feuchtstellen und Gewässer. Die Pinkfarbenen habe ich heute nicht gesehen. Auch Plattbauchähnliche, dunkle, schwarze Libellen waren nicht dabei.  Sie bevorzugen wohl eine andere Jahreszeit. Es ist mir noch nicht gelungen, sie zu bestimmen. Ich weiß auch gar nicht, ob es einen Schlüssel für die brasilianischen Libellen gibt. Mit Fotos alleine ist es nicht getan. Schlappe 1.200 verschiedene Libellenarten sollen in Brasilien vorkommen. Von den Einheimischen werden sie kaum beachtet. Manche nennen sie Hubschrauber, manche sagen Zick-Zack zu ihnen. Das war dann aber auch schon das höchste an Aufmerksamkeit, die sie den Flugkünstlern zukommen lassen. Ihre Larven fressen so ziemlich alles, was...

Giftige Coral an Kälte gestorben

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Giftige Schlange Coral trotz auffälliger Zeichnung relativ gut getarnt Eine nächtliche Temperatur von 8,7 Grad und eine Luftfeuchte von 76 Prozent waren selbst der Coral (Micurus corallinus) zu kalt. Da lag sie am Wegesrand und hat sich nicht bewegt. Zuerst dachten wir, sie ist nur steif vor Kälte. Normalerweise ringeln sich die Schlangen aber an irgendeinem geschützten Fleckchen unter Holz und Laub, in Astgabeln und in Hohlräumen von Steinaufschüttungen oder Bäumen ein. "Unsere" Coral lag einfach nur da, ausgestreckt und ungeschützt. Alessandro hat sie mit dem Stecken aufgehoben, um sie zu einem geschützten Ort zu bringen, weg vom Wegesrand, wo sie jemand finden und töten kann. Die meisten Menschen hier sehen bei Schlangen rot und töten sie erst einmal, auch wenn das nicht notwendig ist. Unsere Coral hat sich auch dann nicht bewegt, als Alessandro sie mit dem Stock hin und her bugsiert hat, damit er sie vorsichtig aufgabeln kann, ohne sie zu verletzen und sich einer ...

Dank Streik Brot aus Reismehl

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Weil es zu kalt ist, als dass ein Hefeteig wirklich gehen würde, habe ich mich heute beim Brotbacken auf eine andere Technik verlegt. Ja, ich backe Brot, weil immer noch gestreikt wird und es deshalb keine Busse gibt, mit denen ich in die Stadt zum Brotkaufen fahren könnte. Also backe ich. Cleia hatte mir vor ein paar Tagen aus Curitiba Reismehl mitgebracht und gleich ein Rezept für ein glutenfreies Brot dazu gelegt, in dessen Teig statt Hefe Bachpulver kommt. Der erste Versuch schmeckte allerdings eher wie ein mit irgendetwas gefülltes Brot. Beim zweiten Versuch habe ich das laut Rezept vorgesehene Glas Speiseöl einfach durch zwei Esslöffel Olivenöl ersetzt und den Teig zäher ausfallen lassen. Das Ergebnis ist ein nussig schmeckendes Brot, das leider so gut schmeckt, dass ich es beinahe schon ganz aufgegessen habe. Zum Glück ist es ohne Gluten und soll gesund sein. Es soll auch nur wenige Kalorien haben. Vielleicht macht es ja dann auch nicht ganz so dick, wenn ich statt ein paa...

Radlunterwäsche für meinen Rücken

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Gestern habe ich noch die Diaphragmen etlicher Bambusstangen durchstoßen, damit ich sie in die Boraxlösung einlegen kann. Das natürliche Boraxsalz soll verhindern, dass der Bambus von den Termiten oder den "broca", kleinen Käfern, befallen wird. Heute kann ich mich nicht mehr bewegen, d.h. heute Vormittag war ich noch völlig beweglich, bis sich plötzlich mitten unter meinen Gymnastikübungen ein Krampf am Rücken ausgebreitet hat. Die Muskeln am Schulterblatt. Meine Schwachstelle. Alessandro hat mich zum Haus geführt, zum Bett. Da lag ich dann, wie ein toter Käfer auf dem Rücken und habe gewartet, bis der Krampf nachlässt. Jetzt sitze ich hier mit der Wärmeflasche, am Schaffell angelehnt, mit Muttis wärmender Radlunterwäsche, Windweste und der dicken Leinenwolljacke, um meinen Rücken warm zu halten. Da siehst du mal, wie gefährlich Gymnastik ist, sagt Alessandro und erinnert mich daran, dass ich keine 20 mehr bin. Aber selbst mit 25 hatte ich schon am gleichen Schulter...

Hausgemachtes Mückenschutzmittel

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Ob es bei uns Mücken gibt? Und wie. Was ich dagegen tue? Fliegengitter an Fenster und Türen aufspannen und mich vor allem in den Übergangsstunden mit Mückenschutzmittel einreiben - das natürlich nur dann, wenn ich draussen bin. Nein, ich nehme dazu längst keine "Repelente" mehr her, Weil ich Erstens deren synthetischen Geruch nicht mag und mir da Zweitens viel zu viel Chemie drinnen ist. Genau wie Ursel machen auch wir unser Mückenschutzmittel selbst, mit Nelken und Alkohol. Das Rezept ist einfach: Ihr braucht: 50 g Nelken 500 ml Alkohol 46° einen Büschel Zitronengras 50 ml Öl (Mandelöl, Babyöl etc.) Schneidet das Zitronengras in kleine Schnipsel und gebt es zusammen mit den Nelken zum Alkohol. Schüttelt das Ganze kräftig und lasst es 48 Stunden ziehen. Zwischendurch immer mal wieder schütteln. Dann Nelken und Zitronengras abseihen und 50 ml Öl nach dazugeben. Das Öl bindet den Duft. Ohne es würde der Effekt zu schnell verfliegen. Unser "Garten...

Nächtlicher Schlangenbiß

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Eine etwa einen Meter lange Jararaca. Eine giftige Viper an der Hausseite, die wir zum betonieren des Umgangs vorbereitet haben. Alessandro ist kaum zur Tür raus, um Wasser aus dem Brunnen zu holen, als er "iihhhhhhhhhhhh, Gabriela" ruft. "Hol die Katzen", befiehlt er. Mehr muss er gar nicht sagen. Ich weiß sofort Bescheid, nehme das Futter und rufe die Katzen. Alle kommen, bis auf Bolinha. Sie sitzt wackelig vor dem Haus. Wie angewurzelt steht Alessandro an der Hausecke und starrt in die Dunkelheit. 21 Uhr und Regen. Irgendwo in der Dunkelheit muß die Schlange sein. Ich sehe nichts. Alessandro gibt Anweisungen, wo ich hinsehen soll. Erst als sich die Jararaca bewegt, sehe ich sie, wie sie versucht, an der Hauswand ein Versteck zu finden. Alessandro hat gesehen, wie Katze und Viper vor ihm vom Baum gefallen sind, der neben dem Haus steht. Obwohl ich weiß, dass die Jararacas nachtaktiv sind und auch auf Bäume klettern, um dort Vogelnester auszurauben, bin i...