Montag, Januar 16, 2012

Meine Berge und ich


Ich bin in und mit den Bergen aufgewachsen. Berge in der Nähe zu haben geben mir ein heimeliges Gefühl. Oder besser gesagt: ich brauche sie. Als wir ein Grundstück gesucht haben, war das auch mit entscheidend für den Kauf, dass Berge in der Nähe waren. Packt mich jetzt die Sehnsucht, laufe ich vor zur Teerstrasse, schaue nach links und schon sehe ich eine Bergkette. Das ist zwar nicht die Foto aber eine ebenso imposante und schöne. Die Bergkette vom Foto kann ich auf dem Heimweg sehen, wenn der Bus zu unserer Einfahrt runter saust.


Bei uns daheim....

(von links: Alessandro, dona Dora, ich, Edgar und Lita)

Rechts beginnt unser Grundstück. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr, dass meine Hibiskushecke langsam wächst.



Im Hintergrund des Bildes, dort wo die grösseren Bäume zu sehen sind, ist der Steinweg vom oberen Foto. Wenn frisch gemäht ist, sieht unsere Wildnis eigentlich ganz ordentlich aus. Jetzt im Sommer ist das allerdings ein schwieriges Unterfangen. Alessandro ist alle 7 bis 10 Tage am Mähen. Schweinsarbeit, noch dazu, weil es entweder alle daumlang regnet oder so heiss ist, dass er aufpassen muss, dass sich der Mäher nicht so stark erhitzt und der Motor den Geist aufgibt. Aber bald ist ja wieder Winter...


Beinahe hätte ich es vergessen. Weil ich so viel Zeit übrig habe (haha) und so oft ins Internet komme (hahaha) habe ich noch einen blog angelegt: http://sitio-verde.blogspot.com
Der ist zwar in portugiesischer Sprache, aber dort stelle ich ab und zu mal Fotos rein von den Sachen, die wir hier so produzieren...

Sonntag, Dezember 25, 2011

weihnachtsregen

endlich, endlich regnet es. Fast zwei Wochen lang sog die Hitze der Sonne alles Wasser, riss Erde auf, verdorrte Gurken und Inhame. Zum ersten Mal seit sieben Jahren habe ich wieder eine Luftfeuchte von weniger als 70 Prozent erlebt. 40 waren es. 40 war es auch, was das Thermometer anzeigte. Manchmal waren es auch 43 Grad im Schatten. Jetzt hat uns das Weihnachten eine Abfrischung beschert. Regen und angenehme 28 Grad. Danke.

Euch allen ein schönes Weihnachtsfest und viel Freude und Vergnügen im Neuen Jahr

Donnerstag, Juli 28, 2011

ein traum, ein tropfen, die hoffnung

Es ist ein Traum, etwas Sinnvolles zu schaffen. Auch wir träumen von einem grünen Zentrum. Ein bisschen anders und doch ähnlich dem, was im Film über John Hardy und seiner "grünen Schule" zu sehen ist. Ein Projekt in Bali und mit Bambus.

Es ist nur ein Tropfen auf dem heissen Stein, was John Hardy, seine Familie und seine Freunde leisten, was ich leisten könnte. Im Falle John Hardys ein Tropfen, der hunderten Kindern eine Zukunft gibt. Ein Tropfen, der hunderte Familien anspornt. Ein Tropfen, ohne dem die Welt für viele anders aussähe. Und ein Tropfen, der sich irgendwann wie die Flocken eines Schnees mit anderen zu einem Schneeball vereinigt, eine Lawine loslöst. Eine grüne Lawine mit sozialem Gewissen, bei der Mensch und Natur gleich wichtig sind und vor allem wichtiger als der monetäre Gewinn.

Es gibt Hoffnung. Als ich den Film gesehen habe - ich bin zufällig beim Stöbern über Bambusa tuldoides auf ihn gestossen - war ich zuerst beeindruckt. Dann breitete sich Mut und Zuversicht aus. Wir haben kein Vermögen, wie es Herr Hardy vielleicht hatte, aber wir haben Kreativität, Gesundheit und Ideen. Und wer weiss, vielleicht schaffen wir es ja eines Tages auch unser Sítio Verde in ein grünes Zentrum zu verwandeln. Der Film gibt aber auch Hoffnung, dass sich Vieles ganz plötzlich ändern kann. Bei John Hardy war es der Film von Al Gore, der den Wandel hin zum grünen Vorreiter ausgelöst hat. Bei anderen mögen es vielleicht Bücher von Al Gore sein oder einfach ein Erlebnis. Auch kleine Dinge können grosse Wandel auslösen.

Genug. Schaut selbst. Lasst euch selbst beeindrucken:




Für diejenigen, die lieber Lesen als Filme schauen oder die einfach nur mehr über das Projekt Green School auf Bali wissen wollen:

http://www.greenschool.org/

Dienstag, Juli 12, 2011

Uffa

mitten in der Nacht machte es seltsame Geräusche. Ich war gerade beim Spülen, Alessandro am Brunnen, wasser holen. Da trampelte es, machte es wisch und wumm und matsch. Seltsam, dachte ich mir, wir haben doch gar keine Pferde. Aber von wo kommt denn dann das Pferd her? Und was macht es hier? Und wo ist es hin gelaufen? Es ist am Haus vorbei gestürmt. Das habe ich gemerkt. Und dann?

Mit der Taschenlampe in der Hand stürme ich aus dem Haus, hin zur vermeintlichen Pferstelle. Die Katzen sind auseinader gestoben, haben Bäume und Dach erklimmt, sich in Sicherheit gebracht. Alessandro steht schon da, neben dem Schuppen. "Gabriela,, das Auto", sagt er. Das Auto steht da oben, neben der Strasse, auf seinem Stellplatz, träumt vor sich hin. Was soll mit ihm sein? Werfe trotzdem das Licht der Taschenlampe in Richtung Stellplatz. Statt Autop, steht da nichts. Wo ist es hin? Mir dümpelt es. Es war kein einzelnes Pferd, das da den Hang hinunter rauschte. Es waren 70 oder 100 Pferdestärken. Pferde in Form unseres Opel Astra, unseres Robocops.

Da stand er nun, an ein Bäumchen angelehnt. Rechts und links lugten unter ihm ein paar zerquetschte Blätter eines Baumfarnes hervor. Alessandro den Tränen nahe. Ich belustigt über die surreale Szene unseres Robocops inmitten der Pflanzen. Alles in Ordnung. Es ist nichts passiert. Nur die Stossstange und der hintere Scheinwerfer sind eingedetscht. Katze wurde keine überrannt, das Haus steht noch und uns geht es gut. Kein Grund zur Panik, hatte sich doch nur die Handbremse gelöst.

Wie wir das Auto da wieder rausbekommen werden, war mir zu dem Zeitpunkt noch unklar. Es hatte ein Blumenbeet überquert, eine vom Regen aufgenässte Mulde ebenso und stand nun äusserst ungut an einen Baum angelehnt, zwischen Baumfarnen, im Matsch und etwa 30 Meter von der Strasse entfernt. Von mir aus können wir es auch da lassen. Obwohl es sich da unten sicherlich schwerer verkaufen lässt, als fahrbereit neben der Strasse. Ich kann es momentan ja sowieso nicht nutzen. Habe es noch nicht geschafft, meinen Führerschein umzuschreiben. Das Problem: wir haben keinen Strom. Ohne Strom keine Rechnung. Ohne Rechnung keinen Wohnortnachweis. Sind gerade dabei nach alternativen Wohnortsnachweisen zu suchen, die von der Verkehrsbehörde auch anerkannt werden.

Am nächsten Morgen stand Alessandro früh auf, seinen Robocop retten. Gemeinsam bockten wir ihn auf, um die Baumfarne unter ihm auszugraben. Auf denen hatte er aufgesessen. Dann besorgen wir uns Schubkarrenweise grosse Steine, um eine Fahrspur anzulegen. Zentimeter für Zentimeter bewegten wir das Auto nach vorne. Dann kam ein Nachbar. Sah das Dilemma und dreht um. Ging nach Hause, um mit Seil und Auto wieder zu kommen. Drei Seile habewn wir aneinander gebunden, um 30 Meter Hang zu überwinden. Es klappte. Nach und nach kroch unser Robocop nach oben, den Hang hinauf.

Montag, Juni 13, 2011

Our house - in the middle of the woods...

Ist es nicht schön, unser Häusle...




und da mittendrinnen im Rohbau steht unser improvisierter Holzherd. Mit ordinären Ziegelsteinen gebaut und mit weissem Lehm verschmiert. Funktioniert super. Habe sogar schon Brot da drinnen gebacken. Leckere Sache. Das "Chapa" (Eisen) hat uns ein bekannter beim Alteisenhändler besorgt. Und die mittelalterlichen Fackeln rund herum sind Marke Eigenbau....



So lange es Winter ist, wird nachts jetzt eingeheizt und morgens Holz geklaubt. 10 Grad bei einer Luftfeuchte von nahezu hundert Prozent sind einfach zu kalt. Da beisst die Maus keinen Faden ab.


Jetzt werden zuerst Leerrohre für Kabel verlegt (falls mal Strom zu uns kommen sollte, ist dann schon alles vorbereitet...). Alessandro muss noch die restlichen Löcher zwischen Dachstuhl und Mauerwerk flicken. Dann wird aussen verputzt und innen verputzt und dann alles vorbereitet, um den Boden zu betonieren. Erst dann wird der provisorische Ofen abgebaut. Wer weiss, vieleicht ist es bis dahin ja schon wieder ein wenig wärmer...


Schorschi war so begeistert von den Baufortschritten und unserem Ofen, dass er uns gestern eine riesige Überraschung vorbei gebracht hat: einen selbst gezimmerten Holztisch und zwei Holzbänke dazu. Tolle Sache. Schorschi wohnt ca. 20 Kilometer noch weiter in der Pampa. Ich habe ihn bei einem Lehmkurs kennen und schätzen gelernt. Seitdem sind er, seine Mama (Dona Dora) und wir Freunde - richtige Freunde, auf die wir uns verlassen können!

Donnerstag, März 31, 2011

Chaos

Als Japan von einem Erdbeben und einer Tsunami getroffen wurde, war an der Küste Paranás (einem Bundesstaat im Süden Brasiliens) Land unter. Wochen hatte es schon geregnet. In der Nacht vom 10. auf den 11. März ergossen sich jedoch ungeahnte Wassermassen auf die Küste und seine Bewohner. Die ganze Nacht hindurch schüttete es ohne Unterlass. Alessandro und ich haben im Regen noch schnell Abflussgräben erweitert und Barrieren gebaut, damit unser Häuslein nicht überflutet wird. Am Morgen danach sah alles ganz friedlich aus. Wir waren im Trockenen geblieben. Es bestand keinerlei Gefahr für uns. Was die Kraft des Wassers in unserer unmittelbaren Nachbarschaft angerichtet hatte, sah ich erst, als ich mit den Hunden Gassi ging. An der Verbindungsstrasse nach Antonina waren alle paar Meter Muren abgegangen. Schlamm, Erde, Steine und Bäume verdeckten die Strasse. Dort wo vorher Bäche oder Gräben die Strasse begleiteten oder sie in Unterführungen passierten, waren nun riesiger Löcher, Krater und Abründe. Später hörten wir im Radio, dass die Küste vom Rest Brasiliens abgeschnitten ist, weil auch die Zufahrtsstrasen und Schnellstrassen, die vom Gebirge hinab zur Küste führen betroffen waren. Gegen Mittag kam unser Nachbar, Feuerwehrmann. Er war die Nacht hindurch ununterbrochen im Einsatz und wollte nur wissen, ob uns auch nichts passiert ist. Schnell berichtete er noch von weggerissenen Häusern, zwei Menschen, die unter Erde und Schlamm begraben wurden. Seit dieser Nacht herrscht das Chaos. Bauarbeitertrupps versuchen, die Strassen freizuräumen. Der ständige Regen erschwert ihre Arbeit, sorgt für stetiges Nachrutschen der Hänge. Die Trinkwasserversorgung konnte immer noch nicht stabilisiert werden, ebenso nicht das Telefonnetz. Allein in Antonina sind noch 2000 Menschen obdachlos. Darüber hinaus haben viele zwar ihr Haus behalten, aber ihr Hab und Gut im Wasser verloren. Hilfsaktionen laufen auf Hochtouren. Es wir gespendet: Kleider, Nahrung, Trinkwasser, Matratzen, Töpfe, Öfen. Die materiellen Nöte sind so weitgehend abgedeckt. Was bleibt ist bei vielen die Angst vor weiteren Erdrutschen, Überflutungen der Häuser....


Wir sind von der Katastrophe jedoch kaum betroffen. Strom hatten wir nie. Wasser haben wir im Brunnen zur genüge. Nur die Verbindung zur Stadt ist schwierig. Busse fahren nur hin und wieder und mit dem Radl ist es manchmal gar nicht so einfach, die Schlammpiste zu bewältigen. Noch haben wir aber Vorräte und unser Nachbar der Feuerwehrmann hat gestern noch einmal für Nachschub gesorgt, Reis und Bohnen vorbei gebracht, Kekse, Salz und Zucker, Eier und Milch....

Montag, Februar 28, 2011

Viecherei - mit allem Respekt

Ein Grashupfer bewacht meine "Toiaba"

Toiaba ist zu meinem Lieblingsgemüse geworden. Zum Einen, weil es eins der wenigen Gemüse ist, das trotz unseres schlechten Bodens hervorragend wächst. Zum anderen, weil die Blätter angedünstet mit Zwiebeln fast so wie Spinat schmecken - und einmal abgeschnitten wachsen sie rasend schnell wieder nach


Wanze mit Pumphose



Star Wars lässt grüssen-



Donnerstag, Februar 24, 2011

Versatzgrube Teil eins



Der erste Teil der Versatzgrube ist fertig.
Es war gar nicht so einfach, den selbstgebauten Betonring in die Grube einzulassen. Drei kräftige Männer, ein wenig Bambus und ein paar ratgebende Frauen waren nötig. Nach etwa einer Stunde sass das Ding endlich in der Grube.

Die Rohre zur Toilette haben wir schon angeschlossen. Nebendran haben wir zudem bereits eine weitere Grube ausgehoben. Ein wenig kleiner. Dort soll das Grauwasser, Wasser von Duschen und Spüle gesammelt und in einem Steinfilter schon vorbehandelt werden. Danach geht es zum Wetland, wo Rohrkolben und andere Pflanzen die restliche Klärung übernehmen werden. Bin schon dabei Zyperngras zu ziehen. Habe von einem Bekannten ein paar Stecklinge bekommen.

Nebenbei bereiten wir immer noch den Dachstuhl vor. Das heisst wir sind bei den Vorarbeiten dazu. Die tragenden Säulen sollen nämlich aus Bambus werden. Der meiste ist schon behandelt, muss aber noch gewaschen, gestrichen und auf die richtige Länge gesägt werden...

Mittwoch, Februar 02, 2011

Mitten in der Wildnis


Gleich hinter dem Hüttlein hat Alessandro einen Weg in den Busch geschlagen. Der führt zu unserem Bach. Naja, der Bach gleicht eher einem verwilderten Graben. Ziemlich zugewachsen und verschlammt. Wir haben ein paar Bambusstangen hineingeworfen und Bretter darauf gelegt. Unsere Brücke zum anderen Teil des Grundstückes. Das war bisher Terra Incognito. Seit Kurzem gibt es aber auch da ein paar Wege. Schliesslich wollen wir dort im Schatten der Bäume noch ein paar weitere Bambusarten pflanzen...
Momentan sind wir allerdings mit den Vorbereitungen zum Bau unseres Dachstuhls beschäftigt. Während ich hier tippe, pinselt der Alessandro die Dachlatten an....

Dienstag, Januar 25, 2011

bambussianas

Ja, sucht nur. Ihr werdet ihn nicht finden, den Bambus. Auf dem Foto jedenfalls nicht. Das habe ich gemacht, mit einem der Bambus im Rücken. Ein eher dünner Bambus, dessen Halme einmal 6 bis 8 Zentimeter Durchmesser haben werden, wenn er ausgewachsen ist. Statt Bambus seht ihr unser Sítio. Ganz im Hintergrund unser Hüttlein samt An-Rohbau. In der Mitte "meine" Baumfarne und vorne links eine Reihe mit Königspalmen und noch weiter links davon der Beginn meiner Hibiskushecke...

Unser Bambus wächst. Selbst der Guadua chacoensis hat schon ein paar Meter hohe Halme in den Himmel gestreckt. Der Dendrocalamus asper treibt zum zweiten Mal in diesem Jahr aus. In zwei bis drei Jahren werden wir wohl endlich ein wenig unseres eigenen Bambus ernten können. Bis dahin klopfe ich überall dort an, wo ich verwertbaren Bambus sehe. Der meiste, den ich bisher benutze, ist von der Marcia. Sie hat einen Dendrocalamus asper. Eigentlich eine leckere Art Speisebambus. Das wissen auch die Tierchen. Ich behandle ihn deshalb ausgiebig mit Borax. Leider ist er auch noch sehr spröde, das heisst, er reisst leicht, oder spaltet sich. Bei einigen Sachen lassen sich diese Risse aber auch ästhetisch nutzen, wie bei den Klopapierdosen zu sehen.... Super ist er, um aus ihn Lampen zu machen. Weil er eben grösser ist, als es die meisten Bambus sind. Die Lampen, die ihr unten auf den Fotos seht haben einen Durchmesser von 12 bis 15 Zentimetern und sind (ausser die mit der Schildkrote) etwa Kniehoch.




Felicidade - Glück euch allen




Tulpen und Schildkröte



In die Bambusdosen passen genau zwei Rollen Klopapier (á 90 Blatt) hinein. Der rechte Bambus hatte sich bei der momentanen Hitze angeschickt zu spalten. Jetzt ist er "genäht"...