Mittwoch, November 18, 2009

Siesta

36 Grad im Schatten. Zu heiss zum Arbeiten. Schnell ins dunkle, kühle Lan-House geflüchtet. Die Siesta über sozusagen, bevor es wieder weiter geht. Wir sind gerade dabei, das Fundament für unseren Anbau auszuheben. Streifenfundament mit tieferen Bohrungen an einigen Stellen. Ewig harter Lehmboden, der morgens vom Tau nass Tonnenschwer an den Stiefeln kleben bleibt. Zentimeter für Zentimeter graben wir uns vorwärts. Irgendwann wird es schon werden. Der Ansporn steht schon im Schuppen: Kloschüssel, Waschbecken, Mosaik-Fliesen. Unser Bad. Es wird ein wenig grösser als die Hundeburg und es wird gemauert. Ich habe nachgegeben. Der Rest wird aus verputzten Bambuswänden bestehen. Ob die Pfosten oder Tragwerke auch aus Bambus sein werden, müssen wir noch entscheiden. Der von uns geerntete Bambus hat sich leider als untauglich heraus gestellt. Er ist schon jetzt, trotz langsamer Trocknung, an einigen Stellen aufgeplatzt. Auch der Broca, eine Art Holzwurm, hat sich an ein paar Stäben bereits eingenistet, obwohl wir den Bambus zum richtigen Zeitpunkt geschlagen und behandelt hatten. Ich hoffe, dass mir noch eine Lösung einfällt....


Achja, toll ist sie geworden die Hundeburg. Was für ein Leben: wir können den Vorderausgang unseres 12 Quadratmeterschlosses jetzt ungehindert benutzen. Müssen dabei nicht mehr über Hunde steigen und Zäune überwinden. Acht der neun kleinen Hundewelpen haben wir zudem bereits verschenken können. Fehlt noch eine kleine Hundedame. Für sie werden wir auch noch ein neues Zuhause finden. Wahrscheinlich bleiben lassen wir indes die Katzenbabies. Nach dem Motto: Wo 7 Katzen satt werden, werden es auch 12....

Montag, Oktober 05, 2009

Deutscher Papierkram

Jetzt muss ich erst einmal verschnaufen. Obwohl, so schlimm war es auch nicht.

Gestern ist die Windschutsscheibe vom Robocop gesprungen. Das ist ganz toll, weil es für ihn hier kaum Ersatzteile gibt. Der deutsche Autohersteller mit dem O am Anfang ist hier auch gar nicht bekannt. Sie nennen den Astra hier Chevrolet, weil General Motors das Vertriebsrecht von Opels in Brasilien hat. Egal. Für Astras aus dem Jahr 1995 sind die Ersatzteile dünn gesäht. Deshalb sitze ich nun im Lan-house, um nach Alteisenwarenhändler in der grossen Stadt Curitiba zu suchen. Ich hoffe, dass da irgendwo noch ein alter Astra rumrostet und ein paar Teilchen von ihm zu erwerben sind.

Das Verschnaufen hat aber mit der Polizei zu tun. In den gut fünf Jahren, in denen ich nun schon hier lebe, bin ich nur äusserst selten in eine Polizeikontrolle gekomme, so wie heute. Das war doof. Ich dachte mir, super, jetzt werden sie mir erzählen, dass ich mit einer geplatzten Windschutzscheibe nicht "zirkulieren" darf. Dann fiel mir ein, dass der Schnapper vom Sicherheitsgurt auch kaputt ist und mein Gurt deshalb im Schnapper vom Beifahrersitz steckt. Schnell habe ich mich deshalb erst einmal losgeschnallt, damit das Malheur dem Herrn Polizisten nicht auffällt. Dabei habe ich ganz vergessen, dass ich weder einen Gang eingelegt, noch die Handbremse gezogen hatte. Der Herr Polizist hat mich freundlich darauf hingewiesen. Hätte jetzt sagen können: "Uniformen machen mich nervös". Habe es lieber bleiben lassen. Es erschallte schliesslich schon das "Führerschein, Autopapiere".

Die Autopapiere gibt es hier einmal im Jahr per Post. So die Autosteuer auch bezahlt wurde. Ich hatte das Papier indes noch nicht. Es fehlt noch die Zahlung von der Pflichtversicherung und der Strassenbenutzungsgebühr. Dem Herrn Polizisten war das wohl bekannt. Die Zahlung ist im Oktober fällig, habe ich ihm erklärt. Es ist der 5. Oktober. Fällig am 23., sage ich und dann habe ich das Namensschild entdeckt. Hepp. Ein deutscher Name. Schon hat er auch meinen Führerschein als ausländisches Papier deklariert. Aus Deutschland, soso. Wie lange leben Sie denn schon hier in Brasilien? Auwei, gibt es eine Frist, in der ich den Führerschein umschreiben lassen muss? Das habe ich nicht gefragt. Stattdessen habe ich gelächelt und im schönsten Ausgangsdeutsch gefragt, ob er deutsche Vorfahren hat. Hat er. Da gab es ein kleines Geplauder über Grosseltern und ein wenig deutsch-Gespräch und schon war alles vergessen. In Ordnung und noch einen schönen Tag, hat er mir in deutsch gesagt. Und schwupp habe ich mich aus dem Staub gemacht, ins Internetcafe gerettet, um abzuwarten, bis die Strassensperre wieder aufgehoben ist und ich freie Fahrt habe. Schnauf....


Ach ja, die Hundeburg wächst.... Das Fundament steht schon. Sind gerade dabei, Pfosten aus Zement zu giessen, an denen dann der Zaun befestigt wird...

Samstag, September 19, 2009

Hundeburg und Regenloch

Das Wetter hat von ständigem Dauerregen auf zwischendurch Schüttregen umgestellt. Das hat den Vorteil, dass sich zwischen Sturm und Schütt ein wenig arbeiten lässt. Wir haben mit dem Bau eines Hundezwingers begonnen. Hässliches Wort, Zwinger. Es wird auch eher eine Burg. Die Burg wird aus einem kleinen Häuslein für die zwei Hundedamen Luma und Hanna bestehen. Davor ein vorerst nur betonierter Burghof, umgeben von einem hohen Zaun. Die Hundeburg ist notwendig, damit wir endlich mit dem Hausanbau anfangen können. Bisher dürfen die beiden ja im Haus und der eingezäunten Terrasse zwischen ihren Gassigängen weilen. Genau da soll aber der Anbau hin.

Es ist eng geworden im 12 Quadratmeter Hüttlein. Labradormischling Luma hat uns mit neun neuen Weslein beglückt. Neun Welplein, die inzwischen schon stolze zwei Wochen alt sind und langsam damit anfangen, ihre Umgebung zu erkunden. Behalten können wir leider keines. Das wäre momentan doch etwas zu viel an Hunden. Ein paar Menschlein haben schon Interesse an einem Welplein bekundet. So hoffe ich doch, dass wir sie nach und nach bei guten Menschen unterbringen können.

Ein wenig Luxus ist vorbei gekommen. Die Umweltbehörde hatte uns erlaubt, die Schlammpiste auszubessern. Kurz darauf kam in einer Regenpause die Maschine, um den Schlamm abzuziehen. In der nächsten Regenpause haben wir tagelang Steine per Schubkarren in den Fahrrillen verteilt.

Unsere Jetzt-Steinstrasse ist ein Segen. Die anschliessenden Regentage konnte ich ohne Schlammwaten auf ihr entlang laufen. Das Auto lässt sich jetzt ob Sonne oder Regen bis zum Grundstück fahren. Und gestern konnten wir sogar das Baumaterial für die Hundeburg bis zum Grundstück anliefern lassen. Was war das eine Freude. Keine Knochenschlepp und Karrarbeit, um ein wenig bauen zu können. Das erleichtert das Leben doch ungemein.

Bambus haben wir mittlerweile auch geerntet. Weniger als wir erhofft hatten. Ein Anfang lässt sich damit aber machen. Ob ich den Rest zukaufen oder durch Holz ersetzen werde, weiss ich noch nicht. In Curitiba (ca. 100 km entfernt) gibt es einen Laden, in dem sie behandelten Bambus (Moso) verkaufen. Werde mir mal eine Preisliste schicken lassen.

Jetzt muss ich wieder los. Wir wollen heute noch mit dem Fundament für die Hundeburg anfangen....

Hoffe bald wieder vorbei schauen zu können. Wo ich doch schon so gespannt bin, wie das Bloggerinnen-Treffen war.........

Donnerstag, August 06, 2009

Regenloch

irgendwo muss es ganz schön trocken sein. Drei Wochen lang hat es ohne Unterlass geschüttet. Mir drohten schon Kiemen zu wachsen. Drei Tage lang gab es jetzt Sonne, manchmal zwischen Wolken, aber immerhin keinen Regen. 16 T-Shirts gewaschen, 5 Hosen, 21 Unterhosen, tausende Socken. Getrocknet. Zum Glück.

Es ziehen schon wieder Wolken auf. Ab morgen soll es wieder regnen heisst es in der Wettervorhersage.

Jetzt heisst es also immer noch warten. So lange der Schlamm währt, können wir die Maschine nicht anheuern, die ihn beseitigen soll. Sagt zumindest der Mann vom Steinbruch. Ein paar Sonnentage vorher seien nötig, weil sonst die Maschine versumpfe. Also warten wir weiter.

Derweil gehe ich zum zweitausendsten Mal über die Pläne. Die Logistik ist immer noch nicht geklärt. Das Holzhäuschen soll in den Anbau integriert werden. Da werden wir auch wohnen bleiben, bis der Anbau fertig ist. Das Dach des Anbaus ist jedoch höher als das des Hüttleins. Die Bambusbalken dafür würden deshalb das Dach des Hüttleins durchbohren, setzte ich sie nicht davor. Setzen wir sie davor, verlieren wir Platz. Nein, das muss ich noch besser durchdenken. Ich kann es ja nicht einmal richtig beschreiben. Naja. Zum denken werde ich in den nächsten Tagen ja noch ein bisschen Zeit haben.... dank des kommenden regens....

Samstag, Juli 18, 2009

Sterne und Steine und Zukunftsmusik

eigentlich wollten wir heute Bambus schneiden. Marcia hat sie mir angeboten. Der Mond perfekt. Abnehmend. Das Sternzeichen perfekt. Ein Wärmetag. Der fällt allerdings etwas kühl aus. Es regnet. Gar nicht gut, um 30 Meter hohen Bambus zu schneiden. Dabei hatte ich schon alles vorbereitet. Hatte eine dicke Folie gekauft, mit der ich eine Art Trockenkammer bauen wollte. Hatte schon den Abzugskamin für die feuchte Luft aus einem alten Rohr gebastelt, ihn sogar mit Dächlein versehen, damit es nicht reinregnen kann. Hatte alles im Auto verstaut, samt 15 Meter dickem Seil, Sägen, Macheten und Ziegelsteinen, auf denen der Bambus lagern sollte. Wir wollten nach und nach die Bambusstangen mit bis über 30 Zentimeter Durchmessern (!) schneiden und gleich in Stücke zersägen und sie erst einmal bei Marcia lagern, um sie dann später zu uns liefern zu lassen. Später auch deshalb, weil die Strasse immer noch nicht befahrbar ist. Inzwischen hat aber ein paar Kilometer weiter ein Steinbruch eröffnet. Rätselhaft, wie er die Genehmigung von der Umweltbehörde dazu bekommen hat, einen ganzen Bergrücken der Regenwaldriesen zu berauben und nach den Sprengungen mit Dynamit dem Berg die Felsen zu rauben und ein Loch in der Gegend zu hinterlassen. Andererseits kommt der Steinbruch gelegen. Bisher haben sie hier rund um Antonina zum Strassen- und Wegebau Steine aus Bächen verwendet. Was aus ökologischer Sicht auch nicht gerade zu befürworten ist. Die Bäche graben sich weiter ein, die Kinderstube vieler Fische und Insekten (kiesiger Boden) wird zerstört. Mit dem Steinbruch wird das wohl jetzt ein wenig aufhören. Nur 30 R$ (ca. 12 Euro) soll ein Kubikmeter Steingemisch kosten. Wesentlich weniger als wir beim letzten mal gezahlt haben. Sollte es mal aufhören zu regnen, werden wir wohl ca. 10 Kubikmeter kaufen und die schlimmsten Löcher und Schlammstellen der Zufahrtsstrasse damit ausbessern. Dann so hoffen wir, kann auch ein Kleinlaster zu unserem Hüttlein gelangen. Dann können wir uns endlich Baumaterial und Bambus liefern lassen, ohne dass wir Zement, Sand und Co in Knochenarbeit Stück für Stück 500 Meter weit über Schlamm schleppen.

Nur werden wir dazu noch ein wenig warten müssen.

Morgen soll es leider auch noch regnen. Danach ist erst einmal ein Kälte- oder Wassertag. Beide nicht zur Bambusernte geeignet. Die Zeit rast. Der nächste abnehmende Mond ist schon der letzte, der sich für die Bambusernte eignet. Danach setzt die Frühjahrsregenzeit ein. Warum die Wetterpropheten wohl von Regenzeit im Frühjahr reden? Es regnet eigentlich ständig.

Naja zwischendurch gibt es auch Sonnentage. Dann sitzen wir morgens unter den Bäumen beim Frühstück oder unter dem Foliendach der Werkstatt, wenn sich der Nebel noch nicht gelichtet hat. Manchmal hüllt er unsere kleine Welt bis 9 Uhr ein.

Anders als ich es erwartet habe, finde ich den Winter hier in der Beinahe-Wildnis gar nicht so schlimm. Wir haben den Boden unseres Hüttleins mit leeren Milchtüten (Tetrapacks) isoliert und darüber eine Art Pressspan (aus wirklichen Holzresten) verlegt, so dass es drinnen relativ angenehm ist, auch wenn es vor der Tür nur an die 10 Grad hat.

Verändert hat sich aber auch unser Rhythmus. Wir sind Frühschläfer und Morgenstundnutzer geworden. Ohne Strom gibt es nachts nicht viel zu tun. Eine kleine Gaslampe spendet zwar ein wenig Licht, funzelt aber eben nur so vor sich hin, als dass sie den Raum wirklich erhellen würde. Zum Kochen und Ratschen reichts. Nur eben zum Lesen, Schreiben oder Planzeichnen nicht. So kommt es, dass wir gegen 21 Uhr meistens schon in der Hängematte oder auf dem Sofa dösen. Morgens gegen 6 oder 7 wecken uns dann schon die restlichen Hüttenbewohner. Katzen wollen Futter haben. Hunde wollen Gassilaufen. Und bald werden wohl auch noch die Bipperl um Könerl bitten. Denn aus den Resten des Bambus werden wir eine Hühnerburg bauen. Aber das ist auch noch ein wenig eine Zukunftsmusik....

Donnerstag, Juli 02, 2009

Ich lebe....

ich lebe !!!
mir geht es gut !!!
habe meine seltsame Buschkrankheit überstanden und bin wieder kerngesund und kugelrund!!!


Über sieben Monate sind es nun, dass wir am Rande des Regenwaldes leben. Es ist nach wie vor spannend. Mittlerweile haben wir einen eigenen Brunnen, einen kleinen Bauerngarten, eine neue Bananenpflanzung und einen kleinen Bambusschuppen.

Der Bambusschuppen sollte uns als Werkstatt dienen. Wir werden ihn, so wie es aussieht aber in unsere Hausanbaupläne einbeziehen. Es hat ein wenig gedauert, bis wir das Grundgestell aus Bambus aufgestellt hatten. Noch länger hat es gedauert, zwischen die Bambusstangen Wände einzuziehen. Unser Boden ist leider ziemlich Tonhaltig. Nach mehreren Tests habe ich die Idee der Lehmwände dehsalb aufgegeben. Stattdessen haben wir eine Art Betonwand mit Bambusarmierung ausprobiert. Dabei wird der Bambus aufgespalten und die so entstandenen Bambusbretter werden auf einen Holzrahmen genagelt. Weil die Innenseite des Bambus für Käfer und Termiten eine ziemliche Leckerei ist, haben wir diese mit Feuer verbrähmt, die Stärke verbrannt. Die glatte Seite des Bambus hat zudem eine Art Teeranstrich bekommen, auf den wir Sand geworfen haben, damit der Beton auch darauf hält.

Es gab jede Menge Nörgler und Besserwisser, die mir alle versichert haben, dass das so nicht funktioniert. Nächte habe ich damit verbracht, meine Aufzeichnungen und Bambusbücher zu studieren. Und dann habe ich einfach auf einen Versuch bestanden. Und: es hat funktioniert. Die Wände sind super geworden. Nachdem wir sie auch noch verputzt haben, sehen sie aus wie Ziegelwände und mindestens genauso stark.

Plötzlich sagen alle Nörgler, Besserwisser und Zweifler: "klar funktioniert das so - und stell dir vor, in so einem Haus kannst du sogar wohnen..."

Zwei Wände sind erst fertig. Aber jetzt kommt erst einmal eine Pause. Eine Pause in der wir Bambus ernten müssen. Eine Bekannte, etwa 12 Km weiter, hat einen kleinen Bambushain mit Reisenbambus (Dendrocalamus giganteus), etwa 30 - 40 Meter hoch, Durchmesser der Stangen etwa 20 - 30 Zentimeter. Jetzt im Winter ist die beste Schneidezeit.. so es denn endlich zu regnen aufhört, werden wir loslegen. Die grossen Bambusstangen werden uns dann als Säulen dienen. Kleinere Bambusstangen hat uns schon ein anderer Bekannter versprochen. Nach der Ernte kommt dann das Behandeln und Trocknen und dann das Sägen und Vorbereiten für den Bau und dann wird wohl hier schon der Sommer wieder anfangen.... Bis dahin hoffe ich aber, dass ich noch einmal ins Lan-House kommen werde. Bis dahin hofffe ich auch, dass die Umweltbehörde uns endlich den Stromanschluss genehmigen wird. Bis dahin werde ich hoffentlich auch wieder eine Kamera haben, um euch Bilder zeigen zu können (meine Digi hat leider ihren Geist aufgegeben und ich habe gerade keinen Geist, mir eine andere anzuschaffen...)

Gebt nicht auf, schaut ab und zu rein in meinen Blog. Ich werde versuchen, öfter mal ins Net zu kommen!!!

Sonntag, Januar 25, 2009

Regenzeit



Entschuldigung. Ohne Strom und Internet ist es gar nicht so leicht, das blog aufrecht zu erhalten. Um im Lanhouse zu posten muss ich ausserdem mein Paradies verlassen. Wo da doch so viel zu tun ist.

Den Umzug haben wir alle prima überstanden. Nach einer Woche und 5 Fahrten hatte ich alle Katzen eingefangen und zur neuen Heimat gebracht. Ein paar der acht waren ein wenig sauer über den Transport. Ein paar andere fanden die Wildnis alles andere als toll. Zumal da auch noch wilde Verwandte von ihnen leben.

An einem der ersten Tage hörten wir gleich ein lautes Fauchen, wie von einem Löwen im Käfig nebenan. Mit Machete und Stock sind wir zu der Richtung getigert, aus der das Fauchen kam. Gesehen haben wir nichts, ausser Grünzeug. Gehört haben wir hingegen das Liebesmiaue und -gefauche der Wildkatzen. Ein wenig angsteinflössend, wenn ich nicht wüsste, dass sie noch mehr Angst vor uns Menschen haben.


Inzwischen haben wir uns eingelebt, haben ein paar Bambus gepflanzt, das Hüttlein weiter ausgebaut, den Platz für Klo und Bad vorbereitet. Dann kam die Regenzeit und mit ihr die Pause. Die Strasse ist wieder zur Schlammpiste geworden. Und ich habe mir wahrscheinlich Malaria angelacht. Noch wollen sich die ärzte nicht äussern. Schliesslich steht Fasching vor der Tür, und Malaria ist eine Meldepflichtige Krankheit, die den Tourismus ein wenig dämpfen könnte. Ich bin indes auch schon ein wenig gedämpft. Alle 48 Stunden Schüttelfrost, Fieber, Schwitzanfälle, Knochenschmerzen. Seit 14 Minuten müsste ich eigentlich schon wieder Schüttelfrost haben. Was das anbelangt, ist die Malaria äusserst deutsch, pünktlich wie die Stechuhr. Vielleicht ist es endlich vorbei. Zwei Wochen reichen. Seit einer Woche trinke ich Tee von einer Pflanze, die schon die Indios zur Malariabekämpfung hergenommen haben. Es geht wieder bergauf. Jetzt sind es schon 17 Minuten. Ich glaube, es ist wirklich vorbei. Trotzdem werde ich jetzt noch ganz schnell die Fotos hochladen. Sollte nochmals ein Fieberschub einsetzen, bin ich dann dazu nämlich nicht mehr in der Lage....

Ich nehme mir fest vor, nächstes Wochenende wieder zu schreiben... Versprochen....

Samstag, November 29, 2008

Hüttenfest



Unser Hüttlein ist fast fertig. Das Dach aus Öko-Wellpappe ist drauf. Ein wenig teuer und umständlich war es zwar, aber das war es mir wert. Mittlerweile haben die Fenster auch schon Läden, sind die Türen drinnen und die meisten Ritzen sind mit Blenden verdeckt.

Es fehlt immer noch hinten und vorne. Der ständige Regen hat uns die Arbeit ein wenig erschwert und verzögert. Den Rest werden wir eben jetzt nachholen, wenn wir dort wohnen. Dann wird es auch leichter, weil die 1,5 Stunden Anfahrt und 1,5 Stunden Abfahrt entfallen.

Morgen ist es schon soweit. Wir werden unser Hab und Gut auf einen kleinen Laster packen und gen Antonina ziehen. Vor lauter Aufregung habe ich mal wieder Darmprobleme, ständigen Schluckauf und Magenschmerzen. Wir sind deshalb heute hier am Strand geblieben, um in aller Ruhe unseren Kram in Kisten zu verstauen und, um ein wenig zu entspannen. Denn Durchfall ohne Klo ist auch nicht lustig. Das Klo müssen wir noch bauen. Wird wohl das erste sein, was wir in Angriff nehmen werden...

Hanna und Luma haben das Hüttlein schon in Besitz genommen und Knochenvesper gehalten. Die Katzenbande ist morgen dran. Nein, nicht als Vesper. Wir werden sie morgen nach und nach zu ihrem neuen Haus bringen. Bin ja gespannt, wie das funktioniert. Zum Glück sind es ja nur 8 Katzen....

Wir haben unsichtbare Nachbarn. Neben dem Hüttlein steht ein Bäumlein, darauf leben ein paar Tierlein. Um sie zu sehen, müsst ihr ziemlich genau hinschauen:

Gut, hier ist noch eine Nahaufnahme. Ist die nicht toll, die Raupe? Der Stamm ist voll damit. Keine Ahnung, ob sie Rinde fressen. Jedenfalls sind sie kaum zu sehen. Ob aus ihnen einmal die riesigen blauen Falter werden, die bei uns herum schwirren? Ich werde das Ganze mal beobachten...

Sonntag, November 23, 2008

Bambuskinderstube

Von den 50 Samen die ich vor drei Wochen gekauft habe, sind nach zwei Wochen schon etliche aufgegangen. 22 zarte Pflänzlein von Guadua chacoensis, einer in Südbrasilien einheimischen Bambusart, die bis zu 25 Meter hoch wird und einen Durchmesser von etwa 12 bis 15 Zentimeter hat. Die Wände dieser Art sind sehr dick, so dass sich daraus eine Art Latten machen lässt und ein Laminat. Genutzt wird sie auch zum Bau von Häusern und Baugerüsten.

Bis wir die ersten Bambusstäbe von den Pflänzlein ernten können, dauert es aber noch mindestens drei Jahre.


Matschweg zu unserem Hüttlein...


Auf jeden Schritt muss geachtet werden. Nicht nur wegen der Gefahr auszurutschen. Alessandro wäre gestern beinahe auf eine Schlange getreten. Angesichts des schwarzen Etwas, das da auf sie zukam, hat sie vorher aber schnell noch das Weite gesucht.


Mit zwölf Jahren habe ich absolut nicht begriffen, für was Physik unterrichtet werden muss. Wir haben so tolle Versuche gemacht, wie die Oberflächenspannung von Wasser mit Spüli aufzulösen. Dass das funktioniert, hatten wir Kinder schon längst vorher selbst festgestellt. Bei unseren Versuchen am Bach mit dem Wasserschlauch hatten wir auch herausgefunden, dass das Wasser an beiden Enden immer gleich hoch sein wird, egal, wie du den Schlauch hältst. Warum sollte ich also das Ganze noch einmal in der Schule lernen, wo die doch dazu da sein sollte, mir neue Dinge beizubringen. Das hatte ich damals auch ganz entrüstet unserem Physiklehrer erklärt. Daran musste ich am Montag denken, als Alessandro und Renato die Höhen für die Lehre festgelegt haben. Mit einem Schlauch voll Wasser, einem Stift und ein paar eingeschlagenen Ästen.

Wäre der Sand nicht ausgegangen, hätte Renato noch am Montag die restlichen Punktfundamente gemauert. So musste er bis Dienstag warten und darauf, dass wir einen Teil des Sandes über die Schlammpiste zum Grundstück gebracht haben. Danach ging es ruck zuck. Grundgerüst ausgelotet und festgenagelt. Bretter für die Wände dran genagelt. Und schon sah das ganze nach Hüttlein aus:

Damit Renato wusste, wo er Lücken für die Fenster lassen soll, habe ich ihm schnell eine kleine Skizze gemalt. Auf eine leere Klopapierrolle. Ich hatte sonst gerade keinen anderen Zettel zur Hand.

Ein bisschen anders, als ich es wollte, ist es geworden, unser Hüttlein. Egal. Es funktioniert auch so und soll ja nur als Übergang dienen. Nach der Regenzeit, werden wir versuchen, bei ein paar Nachbarn Bambus zu ernten, zu behandeln und zu trocknen, um dann im brasilianischen Winter, in der Trockenzeit, ein richtiges Häuslein zu bauen. Das aus Bambus und Lehm. Bis dahin werden wir mit 12 Quadratmetern zurecht kommen.

Bisher habe ich immer sehr ausschweifend gelebt, was den Platz anbelangt. Haus oder grosse Wohnung mussten es sein. Ich weiss aber auch, mit wenig zurechtzukommen, wie ich vor vier Jahren festgestellt habe, als ich mich lediglich mit Rucksack und Koffer auf ein neues Leben eingelassen habe. Ich habe das damals weniger als Einschränkung, sondern mehr als Bereicherung empfunden. Es ist schon erstaunlich, wie wir Menschen uns an verschiedene Situationen anpassen können und wie das sogar Spass machen kann. Wir müssen uns nur darauf einlassen. Die nächste Herausforderung heisst deshalb, mit wenig Platz zurecht zukommen.
Neben dem Hüttlein wird es aber auch noch einen kleinen Stadel geben und jede Menge Freigelände und ein angenehmes Klima, bei dem wir nicht so auf das Drinnensein angewiesen sind, wie es in Deutschland der Fall ist. Es ist also halb so schlimm.

Das mit dem Wasser und Strom haben wir noch nicht wirklich gelöst. Wenn wir erst einmal in dem Hüttlein sind, werden wir auch das in Angriff nehmen. Bis wir eine Lösung gefunden haben, gibt es ein Gaslämplein, Trinkwasser aus dem Supermarkt und Duschen bei der Schwiegermutter, im 10 Kilometer entfernten Städtlein.

"Zurück zur Steinzeit", hat meine Ma unsere vorerst künftige Wohnform tituliert. Ich sehe es eher als ein "Vorwärts in die Moderne". Weg von den konventionellen Wegen, frei von Ballast, hin zu einem fast autonomen Leben und vor allem einem mehr umweltverträglicheren Leben.

Ich weiss, es ist ein Privileg, morgens von Vogelgezwitscher geweckt zu werden, das eigene Land bestellen zu dürfen, Tomaten, Kartoffeln, Salat für den eigenen Gebrauch anzubauen und nebenbei noch am eigenen Projekt zu basteln. Unserem Bambusprojekt.

"Lieber barfuss zum Strand, als mit dem Merzedes ins Büro", werde ich jetzt zwar nicht mehr sagen können. Dafür wird es heissen: "Lieber von Vogelgezwitscher geweckt, als vom Wecker erschreckt"....

Sonntag, November 16, 2008

Schläferstündchen

Schläferstündchen unterm "Lirio do Breijo"


Türwächterin Hanna


Ein Sommertag zwischen lauter Wassertagen. Eigentlich mehr ein "Hundstag", ein sehr heisser Tag. Da waren die beiden Damen vor allem damit beschäftigt, sich ein schattiges Plätzchen zu suchen. Ich auch. Ich gebe es zu. Der Schweiss lief mir nur so herunter.

Das Holz für das Hüttlein wurde geliefert. Kein einfaches Unterfangen. Die Strasse ist bisher nur zum Teil hergerichtet. Mir kam aber selbst dieser Teil nicht vertrauenswürdig vor. Paulo hat vor ein paar Wochen einfach Steinschutt auf den schlammigen Boden kippen lassen und behauptet, dass das "brettlhart" werden wird. Wurde es aber nicht. Nach ein paar Metern steckte der Laster fest. Alessandro war entsetzt. "Wir haben die Strasse ruiniert und du bist schuld", hat er mir entrüstet an den Kopf geworfen. Von wegen Schuld. Ich sage noch zum Lasterfahrer, dass die Strasse nicht taugt und er vor dem Tor abladen soll, da gibt er auch schon Gas. Ein wenig hat es gedauert, bis der Laster wieder frei war. Noch ein wenig länger hat es gedauert, bis ich die aufgerissenen Fahrrillen wieder mit den an den Rand gedrängten Steinen gefüllt hatte. Nur an einer Stelle muss ich noch ein bisschen arbeiten, da wo die grössten Pfützen entstanden sind und von Strasse keine Rede mehr sein kann.

Dass die Strasse nun teilweise ruiniert ist, finde ich hingegen gar nicht so schlimm. Von anfang an, habe ich gesagt, dass es nicht funktioniert, einfach Steine oder Split auf einen Tonboden zu schmeissen. Das Regenwasser fliesst munter durch die Steinschicht hindurch, sammelt sich auf dem verdichteten Tonboden und schwupps wird die Fahrrinne zur Schwimmrinne, die sich auch bei wenig Gewicht schon zur Seite schiebt. Mein Rat hatte deshalb von Anfang an gelautet, die etwa 10 Zentimeter dicke Tonschicht abzutragen oder alle paar Meter eine Entwässerungsrinne anzulegen, bevor eine Steinschüttung aufgebracht wird. Auf das, was Frauen sagen, wird hier aber noch weniger gehört als in Deutschland. Durch die Lasterepisode haben sie jetzt den Beweis, dass ihre Idee doch nicht so gut war. Doof ist nur, dass uns die Geschichte zwei Tage gekostet hat. Einen halben Tag war ich damit beschäftigt, das Malheur ein wenig zu beseitigen. Danach habe ich Alessandro geholfen, das Holz zum Stück für Stück zum Grundstück zu tragen.



Weil es frisches Holz ist, hat es einiges an Gewicht. So konnten wir zum Teil nur ein zwei Bretter oder Balken schultern. Die 500 Meter zum Grundstück kamen mir dabei wie etliche Kilomter vor. Ich glaube, wir haben mindestens zwei Marathone zurück gelegt. 86 Bretter, 20 Latten, 25 zum Teil vier Meter lange Balken, ungefähr 52 mal die Strecke hin und wieder zurück gelaufen. 982 Schritte hin, 1453 schwere Schritte zurück. Jetzt ist es fast geschafft. Das Holzlager ist eingerichtet. Das Bambuslager auch. Marcia hat uns schon ein wenig Bambus geschenkt. Der war leichter zum Tragen. Er ist zwar weder behandelt noch getrocknet. Zum Bau eines vorübergehenden Stadls reicht es aber.



Ab morgen wird es leichter. Nicht nur, weil der Schwertransport zu Fuss entfällt. Wir haben einen Helfer engagiert. Renato. Er wohnt in der Nähe, hat als Zimmermann gearbeitet und ist jetzt in Rente. Ein grossgewachsener Mensch mit breitem Rücken und kräftigen Armen. Nur kurz habe ich ihm erklärt, wie ich mir das Holzhüttlein so vorstelle und schon hat er zu planen angefangen, wann er was machen wird. Morgen in der Früh will er gleich anfangen, hat er gesagt und mich schon einmal zum Einkaufen geschickt. Der Sand, den wir gekauft hatten, wurde vom Regen der vergangenen Tage weggespült. Also muss neuer her, denn ohne Sand kein Beton, für die gemauerten Punktfundamente.