Mittwoch, Juni 08, 2016

Giftige Coral an Kälte gestorben

Giftige Schlange Coral trotz auffälliger
Zeichnung relativ gut getarnt
Eine nächtliche Temperatur von 8,7 Grad und eine Luftfeuchte von 76 Prozent waren selbst der Coral (Micurus corallinus) zu kalt. Da lag sie am Wegesrand und hat sich nicht bewegt. Zuerst dachten wir, sie ist nur steif vor Kälte. Normalerweise ringeln sich die Schlangen aber an irgendeinem geschützten Fleckchen unter Holz und Laub, in Astgabeln und in Hohlräumen von Steinaufschüttungen oder Bäumen ein.

"Unsere" Coral lag einfach nur da, ausgestreckt und ungeschützt. Alessandro hat sie mit dem Stecken aufgehoben, um sie zu einem geschützten Ort zu bringen, weg vom Wegesrand, wo sie jemand finden und töten kann. Die meisten Menschen hier sehen bei Schlangen rot und töten sie erst einmal, auch wenn das nicht notwendig ist.

Unsere Coral hat sich auch dann nicht bewegt, als Alessandro sie mit dem Stock hin und her bugsiert hat, damit er sie vorsichtig aufgabeln kann, ohne sie zu verletzen und sich einer Gefahr auszusetzen. Sie blieb einfach steif und ohne Bewegung. Es hat ein wenig gedauert, bis wir festgestellt haben, dass sie schon tot ist.

Verletzungen waren indes nicht zu sehen. Ihr Körper wies keinerlei Bisse, Quetschungen oder Spuren von einem Kampf auf. Wie sie wohl gestorben ist?

Ausgestreckt ist sie über einen Meter lang. Nur selten bekommen wir eine so schöne und vor allem so große Coral zu sehen. Die meisten haben gerade einmal eine Länge von 50 bis 60 oder 80 Zentimeter. Sie muß also sehr alt gewesen sein.

Die echte Coral ist eine der giftigsten Schlangen Brasiliens. Eine sehr große Gefahr stellt sie für den Menschen in der Regel dennoch nicht dar. Anders als ihre Verwandten kann sie ihr Kiefer nicht aushängen, wodurch die Möglichkeit eines Bisses in größere Dinge, wie es Beine wären, eingeschränkt ist. In der Regel ist sie nicht aggressiv. Wenn jemand auf sie tritt oder ihr eine Hand zu Nahe kommt, wird sie natürlich dennoch versuchen, zuzubeißen. Dann bleibt den Menschen nur wenig Zeit, um mit einem Serum die Auswirkungen ihres zerstörerischen Giftes im Körper aufzuhalten. Die Krankenhäuser hier auf dem Land sind zum Glück mit dem Serum ausgestattet.

Der Atlantische Regenwald ist ihre Heimat. Dort ist sie auch trotz ihrer auffälligen Farbe nur schwer zu sehen. Es ist erstaunlich, wie sich dort selbst die eigentlich auffällig rot-weiß-schwarze Coral zwischen all dem Grün tarnt. Wie die Viper Jararaca ist auch die Coral nachtaktiv. Anders als bei anderen giftigen Schlangen gleicht ihr Kopf jedoch nicht einem Dreieck, sondern ist rundlich und setzt sich vom Körper kaum ab.

Es gibt verschiedene Corals, auch eine "Coral falsa", falsche Coral, die kein Gift besitzt. Sie imitiert die echte ziemlich gut, allerdings sind ihre Ringe nicht durchgehend und die Farben nicht so klar von einander getrennt.

Ihr denkt jetzt, dass wir hier auf unserem Sítio täglich auf Schlangen treffen. Nein, das ist nicht der Fall. Die "Zusammentreffen" sind eher selten und finden vor allem in den Übgergangszeiten Frühjahr und Herbst statt, auch wenn das Gesundheitsministerium den Sommer als Hoch-Zeit angibt.

In Paraná sind 2015 laut brasilianischem Gesundheitsministerium 725 Menschen von Giftschlangen gebissen worden, im ganzen Land waren es 24.467 Menschen. Die meisten Fälle werden im Norden (Amazonasregion) und Nordosten verzeichnet. Aber auch im Bundesstaat São Paulo und Minas Gerais waren die Zahlen mit 1.627 und 2.530 Fällen hoch. An den Folgen der Schlangenbisse gestorben sind im vergangenen Jahr in Brasilien 107 Menschen, in Paraná waren es 3.

Dem gegenüber stehen Zahlen anderer Erkrankungen, wie die der Grippe H1N1, die dieses Jahr bereits 764 Todesopfer gefordert hat. Bei den Denguefällen sieht es noch drastischer aus. 2015 wurden in Brasilien über 1,6 Millionen Dengue-Erkrankungen gemeldet, 843 Menschen sind daran gestorben. Übertragen wird Dengue von der Tigermücke (Aedes aegypti), die auch Chikungunya und Zika überträgt.

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