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Abgeschieden vom weltweiten Web

Unsere Internetverbindung funktioniert nur noch im Windböensystem. Mal ja, mal nein, mal noch langsamer als ohnehin schon, dann ist wieder überhaupt kein Empfang, das heißt, die meiste Zeit haben wir eigentlich keinen Empfang. Da freue ich mich dann sogar über ein so langsames Netz, das selbst von Schnecken überholt wird. Als ich vor Jahren wegen eines Artikels den Bürgermeister von Freising befragen wollte, habe ich von seinem Pressesprecher die Antwort bekommen, dass er mal sehen werde, ob er ein Zeitfenster finde. Jetzt sind es Verbindungsfenster, auf die ich warte. Ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt, dass wir uns hier am Rande des Regenwaldes via eines Rural-Telefons  einwählen. Das funktioniert so ähnlich wie in Deutschland vor 20 Jahren mit dem Dial-up. Das Telefon hat ein eingebautes Modem und ist via Kabel mit dem Computer verbunden. Nein, es ist kein Festnetz-Telefon. In sein Inneres wird wie beim Handy ein Handychip eingelegt. Eine Antenne fängt das Hand...

Zeit der Schlangen: Little Big Jo in Aktion

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Sie sieht aus wie eine Jararaca, eine der giftigsten Vipern der Welt. Sie ist allerdings völlig wehrlos und hat keine Giftdrüsen. "Dormideira" wird sie von den Einheimischen genannt, die Schlafende. Anders als ihre nachgeahmten Verwandten aus dem Reich der Serpenten reagiert sie selbst bei einer Bedrohung wie ein Buddha: mit ungeahnter Ruhe und Gelassenheit. Als ich sie mit dem Besen aufgable, um sie in den Eimer zu schubsen, versucht sie nur langsam davon zu schlängeln. Kater Little Big Jo hat sie aufgestöbert. Am Tisch sitzend habe ich ihn durch das Fenster gesehen, wie er gebannt in eine Richtung am Boden starrt, eine der Pfoten erhoben. Wie eine Statue stand er da und hat sich nicht bewegt. Inzwischen weiß ich diese Haltung der Katzen zu deuten. Haben sie eine Schlange erspäht, verharren sie erst einmal, um den besten Moment für eine Atacke abzuwarten. Dazu will ich es nicht kommen lassen. Zum Einen, weil der Angriff daneben gehen und mit einem Schlangenbiß enden ...

Die Mondphasen des Phylodendron und der Besen Hans

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Besen aus Cipó des Philodendron ssp. Frage ich jemanden nach den Mondphasen, kommt immer die gleiche Antwort: bei abnehmenden Mond. Bei abnehmenden Mond wird gewaschen, werden Haare geschnitten, wird gepflanzt und wird der Bambus geschnitten. Nur der Cipó, der soll bei Vollmond geerntet werden. João Vassoura lacht erst einmal, als ich ihn darauf anspreche. Dann schiebt er seinen Helm etwas höher und zeigt auf den Wald. Bei Vollmond sei der Tag halt etwas länger, weil er nachts für mehr Licht sorge, sagt er, schaut schelmisch und macht dann mit der Hand eine wegwischende Bewegung. "Alles Schmarrn", so João Vassoura. Völlig egal, ob abnehmender, zunehmender Mond, ob Voll- oder Neumond, die Technik, der Krafteinsatz und das Ergebnis seien immer das Gleiche verrät er. Den ganzen Namen von João kenne ich nicht. Wir nennen ihn João Vassoura. Auf bayerisch wäre das der "Besen Hans". Den Besen hat er von uns als Nachnamen bekommen, weil er eben Besen macht. Einen so...

Ostern ohne Eier

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Ostern - und keine Eier. Marylu will nicht, ist pünktlich zum Herbstanfang in den Streik getreten. Ludmilla hat gar nicht erst mit dem Legen angefangen. Wahrscheinlich wartet sie bis der Winter vorbei ist. Das ist so im Oktober der Fall. Da feiert sie dann auch schon ihren ersten Geburtstag. Ja und unsere Anita. Aus der ist zu unserem Erstaunen ein Anton geworden. Er hat den Herbstanfang mit seinem ersten, gelungenen Kikerikie gekrönt. Seitdem kräht er morgens täglich, zum Beispiel dann, wenn er aus seinem Schloß gelassen werden will, um mit seinen Damen den Tag im Garten zwischen Palmen, Katzen und Hund zu verbringen. Die drei Hübschen hat uns Cida im Dezember verkauft. Wir wollten uns den Traum vom täglich frischen Ei erfüllen und Cida hat Geld gebraucht. So ganz ist die Rechnung nun aber doch nicht aufgegangen - zumindest was die Hühnerzahl und den Eiertraum anbelangt. Jetzt sitzen wir da und warten darauf, dass die Mädels uns doch irgendwann mit Eiern beglücken. Derweil be...

Wintervorbereitung

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Ausschneiden der zu schnell  gewachsenen Bäume, Palmen  und des Bambus Als wir unser Häuschen auf eine schon vorhandene kleine Lichtung im Wald gebaut haben, waren wir zuerst begeistert von dem Platz und dann ganz schnell entnervt. Zumindest ich war es. Die steil am Himmel stehende, subtropische Sonne hat mir den Garaus gemacht und unser Schlösschen im Sommer in einen Brutkasten verwandelt. Also haben wir gepflanzt. Einen Bambus hinter den Hundezwinger, fünf Palmen vor die vordere Veranda und dazu noch ein paar in Südbrasilien heimische Obstbäume, Kaffeebäumchen, Agave, Elefantenohre, Rosa-Pfeffer-Bäume und was wir sonst noch so aufgetrieben haben. Nach nur wenigen Jahren steht unser Häuschen jetzt im dunklen, kühlenden Schatten. Vor lauter Blätterdach ist es auf den Satellitenbildern gar nicht mehr zu sehen. Der Nachteil: das einst sonnige Haus ist jetzt zwar kühler, aber dunkel. Da kam der heutige Sonntag mit seinem Regen gerade recht. Sonntagsnachmittagsprogram...

Vertikaler Bambus-Garten

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Unser vertikaler Garten aus Bambus Vertikale Gärten haben viele Vorteile. Abgesehen davon, dass sie platzsparend sind, schonen sie den Rücken.  Ich bin ganz verliebt in unseren. Den ersten Salat daraus haben wir mittlerweile schon verspeist. Gebaut habe ich ihn aus Bambusresten. Dieses Mal habe ich die Bambusstangen nicht in Borax eingelegt, um sie so vor einem Käferbefall zu schützen. Stattdessen hat der Bunsenbrenner hergehalten. Durch Flamme und Hitze verändert sich die im Bambus enthaltene Stärke. Der Käfer (hier nennen sie ihn "Broca") mag das nicht so und lässt die Stangen eine zeitlang in Ruhe. Zum Schutz vor Regen und unserer stets zu hohen Luftfeuchte gab es eine Lacklasur drüber. Nur die bepflanzten Rohre, die sind nicht behandelt und nicht lackiert. Sie werden dementsprechend schneller verrotten. Das ist kein Problem. Durch die Verrottung gibt es zusätzliche Nährstoffe für Salatpflanzen und Kräuter. Wird das Pflanzrohr zu zerbrechlich, wird es einfach ausg...

Unser Kaffee - angebaut im Regenwald

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Sein Aroma umschmeichelt Gaumen und Rachen. Noch lange nach dem Hinunterschlucken ist es da. Ein wenig nussig, ein bißchen zimtig und ein Hauch von Schokolade sind zu spüren. Unser eigener Kaffee. Drei Sträuchlein haben wir vor ein paar Jahren gepflanzt. Ich glaube, sie waren vom IAPAR, dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Paranás. An den Namen der Sorte erinnere ich mich nicht mehr. Vielleicht habe ich den auch nie gewusst. Ob es Arábica ist? Arábica ist die Grundlage des Espresso. Ein wenig bitter. Dennoch wird vor allem er in Brasilien angebaut. Je nachdem wie das Klima ausfällt, werden in dem südamerikanischen Land jährlich etwa 50 Millionen "Sacas" Kaffee produziert. Davon sind 35 Millionen Sacas Kaffee Arábica und 15 Millionen Sacas Kaffee Conilon. Ein "Saca" ist ein Sack mit 60 Kilogramm. Die Ernte beträgt damit etwa 3 Millionen Tonnen Kaffee pro Jahr. 2016 waren es aber "nur" 43 Millionen sacas. Das Vorjahr war zu trocken, der Regen ...