Freitag, Juli 06, 2018

Unser Kaffee - angebaut im Regenwald

Sein Aroma umschmeichelt Gaumen und Rachen. Noch lange nach dem Hinunterschlucken ist es da. Ein wenig nussig, ein bißchen zimtig und ein Hauch von Schokolade sind zu spüren.

Unser eigener Kaffee. Drei Sträuchlein haben wir vor ein paar Jahren gepflanzt. Ich glaube, sie waren vom IAPAR, dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Paranás. An den Namen der Sorte erinnere ich mich nicht mehr. Vielleicht habe ich den auch nie gewusst. Ob es Arábica ist?

Arábica ist die Grundlage des Espresso. Ein wenig bitter. Dennoch wird vor allem er in Brasilien angebaut. Je nachdem wie das Klima ausfällt, werden in dem südamerikanischen Land jährlich etwa 50 Millionen "Sacas" Kaffee produziert. Davon sind 35 Millionen Sacas Kaffee Arábica und 15 Millionen Sacas Kaffee Conilon. Ein "Saca" ist ein Sack mit 60 Kilogramm. Die Ernte beträgt damit etwa 3 Millionen Tonnen Kaffee pro Jahr. 2016 waren es aber "nur" 43 Millionen sacas. Das Vorjahr war zu trocken, der Regen ist zur falschen Zeit gefallen.

Vielleicht ist unser Kaffee ja ein Conilon. Harmonisch, mit wenig Bitterstoffen und geringer Azides ist bei seiner Beschreibung zu lesen.

Kaffeebohnen mit Hülse zum Trocknen ausgelegt
Dieses Jahr war ein gutes Kaffeejahr. Die Äste unserer Sträuchlein waren übervoll mit Früchten. Jeden Tag habe ich sie inspiziert und nur die dunkelroten, die reifen Früchte abgezupft. Schwiegermutter hat geholfen, die Kerne vom Fruchtfleisch zu trennen.

Dann haben wir sie in Wasser gelegt, damit sie Fermentieren. 24 Stunden sind sie darin gelegen. Die klitschigen Bohnen habe ich mit einem Tuch abgetrocknet und in Körben in die Sonne zum Trocknen gestellt. Jeden Abend kamen sie wieder ins Haus, damit sie keinen Tau abbekommen.

Das Klima hat gut mitgespielt. Die sonnigen Tage des südbrasilianischen Herbstes haben ausreichend angehalten, um die Bohnen in ein bis zwei Wochen zu trocknen.

Jede Bohne ist noch einmal von einer dünnen Schale umgeben. Sind sie trocken genug, können die Bohnen in der Hand zerdrückt werden, um sie von den Hülsen zu befreien.  Die "Caboclos", die einheimische Landbevölkerung, benutzt dazu den "Pilão". Ein kniehoher Mörser aus Holz. In dem werden die Hülsen mit leichten Schlägen gebrochen. 

Daran schließt sich eine Kunst an. Der auf großen Tellersieben verteilte Inhalt des Mörsers wird im Freien mit Schwung nach oben geworfen und wieder aufgefangen. In der Luft kommt der Wind zur Hilfe. Er verweht die Hülsen. Was übrig bleibt und wieder aufgefangen wird, sind die Kaffeebohnen. 

Es sieht so tänzerisch und einfach aus, wie die Caboclos den Kaffee nach oben werfen und wieder auffangen. Bei mir sah es eher so aus, als würde ich Federball spielen und jeder einzelnen Bohne hinterher jagen, während der Rest unschön auf dem Boden gelandet ist. Mangels Fähigkeit habe ich die Bohnen dann doch handverlesen.

Juni und Juli sind in Südbrasilien kühle Monate. Die hohe Luftfeuchtigkeit bei uns an der Küste und im Wald lässt es noch kälter erscheinen. Beim Arbeiten tagsüber ist das kein Problem. Nachts werfe ich unseren Holzofen an. Auf dem habe ich die Bohnen vorgeröstet, ständig mit dem Holzlöffel hin und her gedreht, damit sie nicht anbrennen. Die restliche Röstung hat der Backofen bei niedriger Temperatur übernommen.

Unser selbst angebauter und verarbeiteter Kaffee.
Viel Arbeit, aber eine ausgesprochene Köstlichkeit.
Was war unser Häuschen mit dem Geruch des gerösteten Kaffees angefüllt. Kaum konnten wir es erwarten, unseren selbst angebauten Kaffee zu verköstigen. Das Abkühlen konnte nicht schnell genug gehen. Immer wieder habe ich die ölig-samtigen Bohnen durch die Finger rieseln lassen bevor sie in der hölzernen Handmühle und schließlich als Pulver in der Kaffeekanne gelandet sind. 

Noch unreife Früchte unseres Kaffeesträuchleins
Unser eigener Kaffee, ein einzigartiges Erlebnis. Etwa ein Pfund ist es geworden, wertvoller als Gold.

Jetzt werde ich Stecklinge machen und weitere Kaffeebäumlein auf einer Lichtung bei uns im Regenwald pflanzen, um irgendwann mehr dieser Köstlichkeit im Haus zu haben.

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