Posts

Für die Wahl zählt jede Nummer

Bild
Ihre Haare sind geflochten und zu einem Kranz gebunden, so als würde sie gleich als Marketenderin bei einem Trachtenumzug mitwirken. Dort würde sie allerdings genauso auffallen, wie sie es auch hier tut. Hier, das ist im Süden Brasiliens, in dem, anders als in den restlichen Bundesstaaten, die Mehrheit der Bevölkerung eine weisse Hautfarbe hat und von Polen, Italienern, Ukrainern, Deutschen und anderen Europäern abstammt. Ihre Haut hingegen hat die Farbe von Waldhonig, ihre Haare sind blondiert und sie ist ein Kind von mehreren Kontinenten. Sie fällt auf. Genau das will sie. Nicht um ihretwillen, sondern um Lauro zu unterstützen. Lauro ist einer der 15.365 Kandidaten, die am 5. Oktober zum Bürgermeister gewählt werden wollen. In den meisten der 5.565 brasilianischen Municípios kämpfen drei oder mehr Kandidaten mit Fernsehspots, Plakaten, Handwurfzettel und ständiger Beschallung um die Gunst des Wählers. Ein Município entspricht in etwa einer Gemeinde oder einer Stadt, kann allerdings ...

Schluss mit der Auszeit

Ich weiß. Nachlässig geworden. Bloggernachlässig. Irgendein Virus tobte in meinem Körper und hat mich ein wenig geschwächt. Und das, obwohl ich ständig irgendwelche tollen Früchte schlemme. Wahrscheinlich ist mein Körper schon immun gegen all die guten Gaben, Vitamine, Spurenelemente. Obwohl, vielleicht wäre es ohne ja wirklich schlimm gekommen. Egal. Jetzt geht es wieder besser. Einen Virus hatte sich auch unser Computer eingefangen. Beinahe hat das bei mir zu einer Nervenkrise geführt. Seit Wochen bastle ich schon an einer Homepage mit Datenbank herum. Nein, nicht meine Homepage. Für einen Bekannten. Sie ist fast fertig. Gestern ging plötzlich allerdings nichts mehr. Der PC hat sich sofort nach dem Hochfahren wieder selbständig ausgeschaltet. Ewig haben wir herum probiert, bis wir über den Safe-Modus reingekommen sind und auch gleich eine Viruswarnung aufgetischt bekamen. Schon vor ein paar Wochen habe ich ihn mit einem Programm für Fotogalerien heruntergeladaen. Ein freeware Program...

Allerlei

Bild
Das ist eine "Morgote". Eine Kreuzung zwischen verschiedenen Mandarinen oder Tangerinen, was auf das Gleiche herauskommt. So um die 900 Sorten und Arten soll es geben. Darunter auch die Bergamotte, die aber wegen ihres sauren Geschmackes fast ausschliesslich für die Aromaindustrie angebaut wird. Die Morgote jedenfalls riecht ein wenig nach Bergamotte, schmeckt allerdings superlecker und ewig süss. Eben eine Kreuzung, die mehrere Eigenarten beherbergt. In Europa werdet ihr sie wahrscheinlich kaum zu kaufen bekommen. Sie hat sehr viele Samen, was wahrscheinlich gegen irgendeine EU-Verordnung verstossen dürfte. Ein paar Samen habe ich schon zum Trocknen gelegt, um sie später selbst anzubauen und auch um ein paar der Ursel zu schicken. Ich weiss nur nicht, ob die Kreuzung stabil ist und tatsächlich ein Morgoten-Bäumchen daraus hervorgehen wird. Oft kommen bei den Samen von Kreuzungen nämlich irgendwelche Vorfahren dieser wieder hervor. Weshalb Kreuzungen meist über Okulation ode...

Weltbewegend

So, jetzt habe ich es mal wieder zu hören bekommen. Nein, sagte er, das verstehe er nicht, dass ausgerechnet ich ein "ultraüberholtes" Haus bauen möchte. Wo ich es doch besser wissen sollte. Wo ich doch aus der "ersten Welt" kommen würde. Bambus und Lehm seien Baustoffe aus dem vorvorigen Jahrhundert, wurde ich belehrt. Im Hinterland vielleicht, dort wo die Caboclos hausten, da würden vielleicht noch ein paar Nichtsbesserwissende ihr Hütten aus Lehm bauen. Viecher, Termiten und Ameisen würden solche Häuser anziehen. Ausschauen würden "die" Hütten wie frisch aus der Favela. Ich hätte gerne etwas dazu gesagt. Zum Beispiel, dass er ein Depp ist und von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Das mit dem Depp habe ich mir geschenkt. Für das Tuten und Blasen fiel mir auf die Schnelle keine passende Übersetzung ein. Kelvin hat mir noch "Nervensäge" zugeflüstert. Das Wort habe ich ihm neulich beigebracht. Voller Stolz, dass er es sich merken konnte, wendet e...

Bambusgeflüster

Bild
"Uhh", zischelt es. "Es kriecht die Wärme in uns hinein. Lasst sie verdunsten die Wassergeister. Lasst uns ablegen die Schwere. Sie vertauschen gegen die Leichtigkeit. Leicht werden wir sein. Leicht, wie ein Grashalm im Wind. Gelb werden wir sein. Gelb wie der Honig. Glitzern werden wir. Glitzern wie der Bernstein in der Sonne. Uhh", zischelt es, "wie die Wärme uns gut tut, wie sie uns wohl tut, uns verschönert, Glanz gibt und neuen Zweck." Er zischelt wirklich, der Bambus. Wir alle, die wir das Feuer umzingelt haben, haben es gehört. Auch die Nachbarin war dabei. Sie hatte das Feuer gemacht. Ein alter, von den Termiten zerfressener Holzschrank hatte ihr im Weg gestanden. Ab damit ins Feuer, hat sie gesagt. Das Feuer habe ich genutzt, um über dessen Glut ein paar Bambusstangen zu trocknen. Bei 90 % Luftfeuchte geht das sonst nur äusserst langsam voran. Ein Holzbock links. Ein Holzbock rechts. Und darauf die "Grashalme". Sie haben geschwitzt, was ...

Eclipsepipse II

Bild
Wir zwei vor der Frau Mond mit ihrer Eclipse. Ich finde, ich sehe auf dem Foto der Mona Lisa nicht unähnlich. Weil die Belichtungszeit so lang war und ich meinen Mund nicht halten konnte, sieht es aus, als hätte ich zwei Münder.... Da ist das Schattenspiel schon ein wenig mehr erkennbar. Bei Schatten fällt mir der Alessandro ein. Als ich ihn heute von seiner Siesta geweckt habe, sagte er "Ich habe ihn gar nicht gehört, den Schatten". Später hat er noch hinzugefügt, dass er mit ihm reden werde, ihm, dem Schatten. Dem Schatten der Erde? Wie laut der wohl spricht? Das wird einmal ein Laden, in dem nichts ausser Feuerwerkskörper verkauft werden. Der Inhaber ist einer unser Nachbarn. Jedes Jahr sorgt er für ein richtiges Spektakel am Silvesterhimmel. Heute war er indes am Himmelspektakel nicht ganz so stark beteiligt. Falls ihr euch jetzt fragt, was das für eine Dachbemalung ist, hier vorweg schon die Antwort. Das soll die Fahne von Brasilien sein...

Eclipsepipse

Bild
Da freu ich mich jedes Mal drauf. Wir haben hier schon ein paar gesehen und fotografiert und bestaunt und bewundert. Heute morgen dachte ich noch, das wird nix mit dem Bestaunen. Zuerst scheinte die Sonne, dann zog es zu, blieb grau, regnete, wurde kalt. Heute nachmittag riss plötzlich die Wolkendecke auf. Jetzt scheint die Sonne und wärmt immer noch angenehm, ob wohl es schon fast halb sechs ist und um sechs hier die dunkle Nacht anfängt. Das Foto hat der Alessandro aus dem fahrenden Auto heraus vom Juli-Vollmond gemacht. Die Eclipsenfotos sind auf irgendeiner CD. Anstatt in Schachteln suche ich im digitalen Zeitalter nun auf CDs herum. Obwohl. Ich glaube, ich lass das mit dem Suchen und gehe an den Strand, um neue Fotos zu machen...