Sonntag, November 23, 2014

Blühende Kläranlage

Unsere Kläranlage blüht.

Helikonie der Mata Atlântica

Wie in vielen Städten Brasiliens gibt es auch in Antonina keine Kanalisation. Vor einem Jahr wurden zwar über eine Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um das System einzurichten, viel passiert ist seitdem aber nicht. Auch war keine Rede davon, eine Kläranlage zu bauen. Mit dem Geld sollten lediglich die Häuser des Stadtzentrums an die Kanalisation angeschlossen werden. Momentan geht das meiste Abwasser direkt ins Meer oder in die Bäche und Flüsse. 

Auf dem Land benutzen sie einfache Versatzgruben, durch die das Abwasser in den Boden versickert. Dabei bietet sich das subtropische Klima geradzu an für Pflanzenkläranlagen. Anders als in Deutschland sind keine fünf Quadratmeter pro Einwohnergleichwert notwendig. Es gibt keinen Winter und der Umsatz ist enorm. Trotzdem sind sie kaum verbreitet. Sie beschränken sich vor allem auf ein paar Vorzeigeprojekte und Privatanlagen.

Wir haben auch eine gebaut. Ihr vorgeschaltet sind zwei abgedichtete anaerobe Versatzgruben. Nach dem Durchlauf durch das Pflanzenbecken geht das Wasser zu unseren Bananenstauden, wo es versickert. 

Froschlöffel (Echinodorus)

Bestückt hatten wir unsere kleine Pflanzenkläranlage eigentlich mit fünf verschiedenen Pflanzenarten: einer Art Rohrdommeln, Helikonien, Zyperngras, einer Froschlöffelart (Echinodorus - Chapeu de coro) und Zimmercalla (Zantedeschia aethiopca - Copo de leite). Bis auf Zimmercalla und Zyperngras sind sie alle heimisch in Brasilien. Übrig geblieben sind jedoch lediglich die Helikonien und der Froschlöffel. Beide sind enorm gewachsen und haben in wenigen Monaten das Bett der Pflanzenkläranlage eingenommen. Die Helikonien wachsen bei uns wild im Wald, in Mulden oder feuchteren Stellen. Der Froschlöffel kann an Tümpeln und Gräben gefunden werden.

So hat unsere Pflanzenkläranlage Ende Februar ausgesehen.
Nach nur wenigen Monaten ist sie mit Helikonien
und Froschlöffel zugewachsen.
Der Aufwand für eine solche, wenige Quadratmeter umfassende aber effektive, Pflanzenkläranlage ist gering. Mit ein paar Ziegeln, ein wenig Zement, der mit einer Lösung zur Abdichtung angereichert ist, Sand, Kies und Split ist sie ruck zuck gebaut. Die Wirkung ist indes enorm. Vor dem Auslauf haben wir Aquarienfische eingesetzt, die uns durch ihren Gesundheitszustand die Wasserqualität anzeigen. Eine Bau- oder sonstige Genehmigung ist nicht notwendig.

Mittlerweile sieht sie wie ein Blumenbeet aus. Bisher haben wir nicht einmal irgendeinen Geruch festgestellt, wie ursprünglich befürchtet. Ich hoffe, dass sie irgendwann Nachahmer findet. Immerhin hat sich ein Mitarbeiter der Emater (Landwirtschaftliches Beratungsamt) bereits beeindruckt gezeigt.

Keine Kommentare: