Samstag, Oktober 27, 2007

Strandgut

In Ermangelung eines Grundstückes, auf dem wir jetzt eigentlich unser Häuschen bauen würden, verbringen wir die Tage mit so zeitfüllenden Dingen wie Strandspaziergängen, lesen von Texten und Büchern über Bambuskonstruktionen, verschicken von Bewerbungen und der Suche nach Geldquellen. Letzteres ist etwas schwierig, der Rest hingegen pures Vergnügen.


Majestätisch streckt der "Men of war" seinen Schwellkörper auch dann noch in die Höhe, wenn er schon dem Tod geweiht ist. Diese Quallenart ist mir schon in Miami begegnet. Mit ihren Tentakeln können sie bei Surfern und Schwimmern Verbrennungen ähnliche Verletzungen hervorrufen. Die meisten Quallen, die sonst hier so angetrieben werden, sind eher farblos, rund wie Ufos und weniger gefährlich. Die Nachbarskinder haben neulich so eine heimgeschleppt, weil sie das "Gelee" so toll fanden. "Ist wie slimy", haben sie erklärt und mit ihren Fingern darauf herumgedrückt.

Jetzt, im Frühling, gibt es jede Menge dieser kleinen Muscheln. Sie eignen sich hervorragend, um aus ihnen Vorhänge zu basteln - und zum Essen. Sie zu fangen, ist allerdings gar nicht so leicht. Das, was bei der kleinen Muschel vorne rechts etwas schleimig aussieht, ist ihr Innenleben. Erinnert schwer an eine durchsichtige Schnecke. Gekocht erinnert zum Glück nichts mehr an das schleimige Wesen. Gekocht ist es gelb und ziemlich lecker. Ungekocht versucht das Muscheltier seine Haug zu retten, wenn Menschen und Möwen auf die Idee kommen, es als Essen zu verwenden. Wird es von einer Welle freigespült, streckt es schwupps seinen Weichkörper heraus und versucht sich in Windeseile wieder in den Sand einzugraben. Wir haben es trotzdem geschafft, ein paar von ihnen einzusammeln und später gewaschen und gekocht mit Reis und Gemüse zu verspeisen.


Den Namen von dem Fisch habe ich schon wieder vergessen. Bei Gefahr bläst er sich auf, um gefährlicher zu wirken. Auch er lässt sich theoretisch verspeisen. Es ist aber eine Kunst, ihn auseinanderzunehmen und zu säubern. Werden dabei seine Gefässe verletzt, setzt er ein Gift frei, das den Konsumenten selbst im gekochten Zustand, ins Jenseits befördern kann. Nein, wir haben ihn nicht eingepackt und mitgenommen. Alessandro hat versucht, das gestrandete Tier zu retten, hat es weiter hinausgetragen und dann wieder in seiner Heimat, dem Meer ausgesetzt.

Der hatte weniger Glück. Ich glaube, es ist der Kadaver eines Seelöwen. Pinguine werden hin und wieder angetrieben. Auch Wale. Seelöwen sind hingegen selbst für die Einheimischen eine Sensation. Ich frage mich, ob bei all dem seltsamen Strandgut, das momentan hier so landet, die Klimaerwärmung eine Rolle spielt. An der Ostküste Deutschlands sollen sogar schon Delphine gesichtet worden sein. Ein Hinweis darauf, dass sich das Meer erwärmt, habe ich gelesen.

Die Panzer von Schildkröten finden wir immer wieder. Eher selten ist es hingegen lebende Vertreter dieser Panzertiere zu Gesicht zu bekommen. Das liegt zum Einen daran, dass sie nur nachts ans Ufer kommen, um im Sand ihre Eier abzulegen. Zum anderen aber auch daran, dass es immer weniger von ihnen gibt. Im vergangenen Jahr wurden gleich zwei Riesenschildkröten dabei beobachtet, wie sie hier in der Nähe ihre Eier im Sand vergraben haben. Umweltschützer hatten daraufhin die Ablagestellen markiert und eingezäunt, damit die Nachkommen in Ruhe heranreifen können, ohne von Badegästen gestört zu werden. In eins der Gehege sind trotzdem Vandalen eingedrungen. Sie hatten es zwar nicht geschafft, die Eier zu rauben, geschlüpft sind aber dennoch keine Schildkröten - obwohl nach dem Vorfall eine ständige Wache organisiert worden war. Einige Wissenschaftler vermuten, dass es an der notwendigen Wärme gefehlt hat. Denn der vergangene Winter war hier an der Küste zeitweise so kalt wie schon lange nicht mehr.

Kommentare:

der Gauzibauz hat gesagt…

Hi Gabriele,
wenn du DIE GeldQUELLE gefunden hast, sagst du mir Bescheid?

Die blaue Qualle hab ich erst für ein Plastikschwimmtier gehalten. Die Fotos sind sehr gut und aufschlussreich, lehrreich und interessant.
Liebe Grüsse

Ursel hat gesagt…

Huhu !

Sag' mal, Gabriela, ist das vielleicht ein BAIÀCU, der Fisch, der sich aufbläst ? Hab' noch nie einen gesehen, aber als wir uns in Bahia kennenlernten, waren wir einige Male in einem sehr romantischen Örtchen mit demselben Namen (den man ja bloss nicht falsch betonen darf, grins ).

Super Fotos !!
Ich käm' soo gern an den Strand zu Euch, aber wir sind noch sehr mit Bauen beschäftigt (gemein, gell !!).

Ganz liebe Grüsse
Ursel

Gabriela hat gesagt…

Hallo ihr Zwei,
die Quallen sehen wirklich wie Plastiktüten aus, nur dass sie faszinierend schön sind im Gegensatz zu den Plastiktüten...
So heisst er! Baiácu! Danke. Vielleicht merke ich ihn mir jetzt endlich einmal, den Namen. Beim nochmaligen Durchlesen fiel mir auf, dass ich die Konsumenten im gekochten Zustand ins Jenseits befördere... eieiei...
wenn ich die Geldqualle äh quelle gefunden habe, sage ich euch bescheid, aber nur dann, wenn ich vorher auch endlich zum Bauen anfangen kann....
liebe Grüsse
Gabriela

Gabriela hat gesagt…

Hallo Ursel,
toll das mit der Inhame! Sie wächst wirklich überall. Wir hatten sie an der Kanalböschung angebaut. Im Sand! Als sie riesig gross war und die Ernte bevor stand, kam der Laster der Prefeitura und hat sie samt Sand eingeheimst, weil sie für irgendwas Sand gebraucht hatten und den klaut hier selbst die Gemeinde...
Unser Lieblingsrezept: Inhame-Brotaufstrich mit Agrião (Brunnenkresse): Inhame schälen, und mit wenig Wasser und ganzen Knoblauchzehen kochen. Pürrieren, abkühlen lassen und nochmal aufkochen. Wenn sie kocht dann gehackte Kresse rein und eine Minute lang unter Rühren kochen. Lässt sich theoretisch in Einmachgläsern im Kühlschrank aufbewahren.Praktisch ist sie gleich weggessen...
liebe Grüsse
Gabriela

Ursel hat gesagt…

Hmm,. lecker !

Das hört sich gut an, nur,
wo gibt's hier Brunnenkresse ?
Ist das vielleicht agrião ?
Ich habe ihn vorgestern nach dem Kochen püriert und mit pesto angemacht. Das habe ich João zum Geburtstag geschenkt. Gibt's hier als Importware. Das Ergebnis war sicher ähnlich, aber ich bin nicht auf die Idee mit dem Brotaufstrich gekommen. Danke !

LG ursel