Sonntag, Mai 28, 2006

Fischerwerk

Zuerst wird das Netz vorbereitet, am Strand ausgelegt, nochmal überprüft und dann wie eine Ziehharmonika Lage für Lage zusammen gerafft.

Dann schnappt einer der Fischer das eine Ende des Netzes und ein anderer, das andere Ende. Der mit dem anderen Ende muss wasserfest sein, denn er darf ins Meer. Einer im Meer, einer am Strand, ziehen die Fischer das Netz Stück für Stück oft kilometerweit im seichten Uferwasser den Strand entlang. Manchmal erwischen sie dabei einige Fische, manchmal gehen sie aber auch leer aus. Der Ausgang häng von vielen Faktoren ab, nicht nur von der Jahreszeit, der Tageszeit, dem Mondstand und dem Geschick der Fischer, sondern oft auch vom Glück.


So sie Glück haben, landen die Fische hier, in "Rubens Peixaria" oder in einer anderen Fischerei oder in der heimischen Bratpfanne. Gefischt wird natürlich noch mit anderen Methoden, mit Netzen, die mit dem Boot rausgefahren und mit Bojen markiert werden, mit Netzwürfen und leider auch mit Schleppnetzen. Die Schleppnetze werden in der Regel von den größeren, überregionalen Fischereien verwendet, mit größeren Booten. Die kleineren Peixarias, von denen es hier noch etliche gibt, haben dabei das Nachsehen. Mit den Schleppnetzen wird alles eingefangen, ob für den Verkauf brauchbar oder nicht, auch die Brut. Was nicht "gebraucht" wird, wird meistens zwar wieder ins Meer geworfen, ist zum Großteil aber schon tot, erstickt oder an den Verletzungen gestorben oder hat keine Kraft mehr, sich zu erholen. Danach ist der Meeresabschnitt so ziemlich leergeräumt. Die großen stört's nicht, sie ziehen weiter und bis sie wieder kommen, gibt es schon wieder ein paar Fische. Die kleinen aber, sind immer da und leergeräumte Abschnitte ohne Brut machen ihnen zu schaffen, können sie in die absolute Armut stürzen - ganz abgesehen von den Schäden, die diese Art der Schleppfischerei anrichtet, sowohl kurz- als auch langfristig. Ins Netz gehen dabei übrigens auch Delphine, die von den kleinen Fischereien unbehelligt bleiben. Deshalb: Nur Fische kaufen, die das Siegel haben, dass keine Schleppnetze verwendet wurden!

Achja, hier ist noch der Gegenpol zum idyllischen Fischerhüttlein von oben:

nur ein kleiner Schwenk nach rechts und schon zeigt sich die Realität...




Und dann noch ein Foto für Ursel: Du siehst, auch die Fischer haben das sonnige Wetter zum Waschen der Wäsche benutzt....

Kommentare:

sternstunden hat gesagt…

liebe Gabriela,
vielen Dank für deine wunderschönen Berichte und Bilder aus diesem mir so fremden und geheimnisvoll doch bekannten Land.Ich hab großes Fernweh und hoffe sehr ,dass ich den Sprung mal schaffe.
Momentan ist mein Vater noch nicht so fit -aber ist ja noch ne Weile bis November!!!
Liebe Grüße,Stela

Ursel hat gesagt…

Liebe Gabriela,
danke für's Foto !

Dann leidet Ihr an der Küste wenigstens nicht so an der Trockenheit wie wir hier im Landesinneren. Dankë ach für Deine ausführlichen Berichte ! Klasse!
Nur, wo findet man in Deutschland oder hier dieses Siegel, dass nicht mit dem Schleppnetz gefischt wurde ?
In Salinas, wo ich vor 10 Jahren ein Jahr gelebt habe, hatten die Fischer auch so eine spezielle, aber gefährliche Art (wegen der Strömung), mit dem Netz zu fischen. Ich weiss aber nicht, ob das "Schleppnetz " heisst. Wenn ich mich an das portugiesische Wort erinnere, schreib ich' s Dir mal.
Liebe Grüsse
Ursel

gabriela hat gesagt…

Danke, ihr zwei...
das Siegel ist ein blauer, durchgestrichener Kreis mit einem Delphin drinnen. Hast du sicher schon einmal auf den Thunfischdosen gesehen. Theoretisch sollten alle anderen Fischarten, auch die, die nicht in Dosen landen, und nicht mit Schleppnetz gefischt wurden, auch damit ausgezeichnet werden. In der Praxis ist es wohl besser, eher bei den kleinen Fischereien einzukaufen und zu fragen, wie sie fischen. Allerdings weiß ich als Küstenmensch gar nicht, wie das mit denen so im Landesinneren ist... ;)
Liebe Grüsse
Gabriela