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Karneval am Horziont des Regenwaldes

Nachts laufe ich durch den dunklen, stillen Regenwald vor zur Straße. Die Hunde haben nicht aufgehört zu bellen. Irgendetwas muss los sein.  Ob einem der Nachbarn etwas passiert ist, Einbrecher unterwegs sind, sich der Nachbarshund verletzt hat? Ich muss sowieso mit den Hunden eine Gassirunde drehen und mich etwas bewegen. Also gehe ich los. Drei einsame Sterne sind zwischen den Wolken zu sehen. Durch die Bäume hindurch erkenne ich in der Ferne einen orangefarbenen Streifen am Horizont, der von hellen Lichtern durchzuckt wird: die Reflexe des Karnevals in Antonina, einer der besten Straßenkarnevals Südbrasiliens. Wahrscheinlich sind gerade die Sambaschulen mit ihren Tänzern und phantasievollen Wagen die Avenida Gomes entlang gezogen, begeistert angefeuert von einem Publikum, das oft doppelt oder dreimal so groß ist, wie die Stadt Einwohner zählt. Vielleicht ist die Parade auch schon vorbei und wurde der öffentliche "Baile" eröffnet, Tanz. Dann gibt es Live-Musik von einer m...

Tödlicher Vipernbesuch

Irgendwie ist mir seltsam. Mir hat es nie etwas ausgemacht, alleine zu sein. Jetzt gerade wünschte ich mir aber, ich wäre es nicht. Unser kleiners Häuschen kommt mir plötzlich riesig vor, riesig und unsicher. Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, außer dass sich meinem Gefühl nach irgendetwas anbahnt.  Draußen regnet es. Immerhin haben Donner und Blitze aber eine Pause eingelegt. Das Telefon hat dennoch keinen Empfang. Vielleicht sollte ich mir etwas zu Essen machen. Warum faucht Katze Binha so unaufhörlich? Kater Nelson Mandela und Maxi sind doch auf der anderen Seite des Hauses. Die drei verstehen sich nicht so gut. Ein Blick durch die Gitternetztür macht mich noch unruhiger. Zwei der drei Katzenbabys stehen hinter Binha mit aufgestellten Haaren und Angriffsbuckel. Binha faucht, macht drei vorsichtige Schritte nach vorne zum Tisch und zuckt schnell wieder zurück. Die Jararaca ist wieder da. Ich sehe sie nicht. Binhas Verhalten ist aber ein eindeutiges Zeichen. Schnell schlüp...

Mückenregen

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Wenn sie nur nicht dieses die Nerven zerbohrende Geräusch von sich geben würden, würde ich sie ohne Weiteres unbehelligt lassen. Obwohl das ganz schön dumm wäre. Es ist ja nicht ihr sirenenartiger Ton, der Mücken zum Feind des Menschen macht. Zika, Chikungunya, Dengue, Malaria und Gelbfieber sind nur einige der vielen unter Umständen tödlich verlaufenden Krankheiten, die sie übertragen können. Mücken sollen vor allem bei Vollmond sehr aktiv sein, sagen Dona Dora und Tio Zeco. Sie berufen sich dabei auf altes Volkswissen, wie sie betonen.  Jetzt ist der Neumond gerade vorbei. Nach ihrer Theorie soll es rund um diesen kaum Mücken geben. Das scheinen die im Verlauf der Jahre nur vergessen zu haben. Sie schwirren in Schwärmen mit Myriaden von Mitgliedern, bei Vollmond, bei Neumond, bei Halb- und sonstigem Mond. Vielleicht ist es ja auch gerade andersherum und die Stechtiere bevorzugen den Neumond, um ihr Larvendasein zu beenden und einen Neuanfang im Erwachsenenstad...

Zerstörende Säuberungswut

 Der Nachbar ist beim "carpinando", am bewaldeten Hang. Den Unterwuchs, Büsche, Kletterpflanzen, darunter Heilpflanzen wie Guaco und auch Vanille-Orchideen, hat er nach seinem Beschluß, ein Haus zu bauen, als erstes entfernen lassen. Gut zwei Hektar hat er nach seinen Vorstellungen gesäubert. Hat die Nistplätze von Hummeln, Spechten und Eulen umsäbeln lassen, weil es Totholz ist. Was für eine d ämliche Bezeichnung , Totholz, in dem oft mehr Leben steckt, als in einem im Saft stehenden Baum. Auch dünnere Nachwuchsbäumchen sind seiner Säuberungswut zum Opfer gefallen. Gut zwei Hektar Wald hat er in eine Wüste mit Galeriebäumen verwandelt und den Lebensraum von Chamäleon, Gürteltier und anderen Vertretern der reichen Flora und Fauna des Atlantischen Regenwaldes zerstört. Nein, es braucht längst keinen Kahlschlag, um das zu bewerkstelligen. Weil er den Unterwuchs beseitigt hat, gelangt mehr Sonne und Wärme zum Boden, der trockener wird und aus dem Gleichgewicht kommt. Die Fol...

Stillstand im Regenwald

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Die Hitze hüllt selbst die sonst so unermüdlichen Grillen und Zikaden in ein dumpfes Nichtstun ein. Keinen Mucks geben sie von sich. Während die Sonne im Zenit steht, schreit mich in dem sonst Tag und Nacht mit allerlei Geräuschen gef üllten Regenwald eine unheimliche Stille an. Kein Vogel bringt die Kraft für einen Pieps auf. Keine Äste knacksen, keine Blätter wedeln und in mir ruft alles nach irgendeinem Zeichen, dass sich die Welt noch dreht. “Hollerreiduljöh gugu. Leben wo bist du?”, rufe ich in die alles umschlingende Stille hinein. Ich höre, was ich rufe. Die Zeit-Raum-Kombination muss wider dem Anschein doch noch existieren. Während sich Hund und Katz und alles Getier irgendwo an einem schattigen Plätzchen in dieser stillen Welt der Siesta hingeben, flüchte ich vor der sengenden Sonne ins Haus. Automatisch lande ich vor dem Regal mit den Musik-CDs. Bei gerade einmal 35 Quadratmetern Wohnfläche keine große Kunst. Ich könnte die unbewegte Luft mit ein wenig Musik anreiche...

Invasion der Büffel

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Ich habe mich an Gürteltiere gewöhnt, an Pacas (kleine Wildschweine) und selbst an Vipern und Pumas. Die Besucher von heute haben mich jedoch nervös gemacht. Plötzlich stand ein Dutzend schwarzgrauer Büffel vor mir und den Hunden. Schäferhündin Hanna war genauso verdutzt wie ich. Zum Glück wusste sie nicht recht, ob sie angreifen oder einen Rückzieher machen soll. Dank ihrer Denkpause konnte ich sie am Kravattl packen, bevor sie sich für einen Angriff entschieden hat. Was machen diese Riesenhufer hier im Regenwald? Und vor allem, woher kommen sie? Nach einem Bad in Nachbars Fischteich, haben sie das Anwesen des nächsten Nachbarns gestürmt. Dann kamen wir an die Reihe.  Da waren Hanna und Luma schon sicher in ihrem Zwinger verwahrt. Die Katzen nicht. Mit riesigen Sätzen und weit aufgerissenen Augen sind sie vor den Hufen der riesigen Tiere Richtung Haus geflohen. Da saßen sie auf der Veranda, die Blicke auf die Büffel gerichtet, und ich mitten unter den Katzen. Mir sind diverse...

Superman-Spinne fängt Moskitos

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Ich mag sie eigentlich nicht, die Spinnentiere, zumindest nicht im Haus oder in meiner Nähe. Aber die hier finde ich schon faszinierend. Sie hat neben dem Bambusbrunnen zwischen den Blättern einer Bromelie und eines Glücksbambus mit ihren klebrigen Fäden eine Falle gebaut. Jetzt hängt sie mit ihrem braunen Superman-Umhang regungslos dazwischen und wartet geduldig darauf, dass sich Futter darin verfängt. Ich hoffe, es werden Moskitos sein, die versuchen in den vergänglichen Pfützchen am Brunnenfuß ihre Eier abzulegen. Keine Angst, in den Pfützchen wachsen keine Mückenlarven heran. Bei 35 Grad trocknen sie ruckzuck weg.