Donnerstag, März 31, 2011

Chaos

Als Japan von einem Erdbeben und einer Tsunami getroffen wurde, war an der Küste Paranás (einem Bundesstaat im Süden Brasiliens) Land unter. Wochen hatte es schon geregnet. In der Nacht vom 10. auf den 11. März ergossen sich jedoch ungeahnte Wassermassen auf die Küste und seine Bewohner. Die ganze Nacht hindurch schüttete es ohne Unterlass. Alessandro und ich haben im Regen noch schnell Abflussgräben erweitert und Barrieren gebaut, damit unser Häuslein nicht überflutet wird. Am Morgen danach sah alles ganz friedlich aus. Wir waren im Trockenen geblieben. Es bestand keinerlei Gefahr für uns. Was die Kraft des Wassers in unserer unmittelbaren Nachbarschaft angerichtet hatte, sah ich erst, als ich mit den Hunden Gassi ging. An der Verbindungsstrasse nach Antonina waren alle paar Meter Muren abgegangen. Schlamm, Erde, Steine und Bäume verdeckten die Strasse. Dort wo vorher Bäche oder Gräben die Strasse begleiteten oder sie in Unterführungen passierten, waren nun riesiger Löcher, Krater und Abründe. Später hörten wir im Radio, dass die Küste vom Rest Brasiliens abgeschnitten ist, weil auch die Zufahrtsstrasen und Schnellstrassen, die vom Gebirge hinab zur Küste führen betroffen waren. Gegen Mittag kam unser Nachbar, Feuerwehrmann. Er war die Nacht hindurch ununterbrochen im Einsatz und wollte nur wissen, ob uns auch nichts passiert ist. Schnell berichtete er noch von weggerissenen Häusern, zwei Menschen, die unter Erde und Schlamm begraben wurden. Seit dieser Nacht herrscht das Chaos. Bauarbeitertrupps versuchen, die Strassen freizuräumen. Der ständige Regen erschwert ihre Arbeit, sorgt für stetiges Nachrutschen der Hänge. Die Trinkwasserversorgung konnte immer noch nicht stabilisiert werden, ebenso nicht das Telefonnetz. Allein in Antonina sind noch 2000 Menschen obdachlos. Darüber hinaus haben viele zwar ihr Haus behalten, aber ihr Hab und Gut im Wasser verloren. Hilfsaktionen laufen auf Hochtouren. Es wir gespendet: Kleider, Nahrung, Trinkwasser, Matratzen, Töpfe, Öfen. Die materiellen Nöte sind so weitgehend abgedeckt. Was bleibt ist bei vielen die Angst vor weiteren Erdrutschen, Überflutungen der Häuser....


Wir sind von der Katastrophe jedoch kaum betroffen. Strom hatten wir nie. Wasser haben wir im Brunnen zur genüge. Nur die Verbindung zur Stadt ist schwierig. Busse fahren nur hin und wieder und mit dem Radl ist es manchmal gar nicht so einfach, die Schlammpiste zu bewältigen. Noch haben wir aber Vorräte und unser Nachbar der Feuerwehrmann hat gestern noch einmal für Nachschub gesorgt, Reis und Bohnen vorbei gebracht, Kekse, Salz und Zucker, Eier und Milch....

1 Kommentar:

mondin hat gesagt…

Und was macht Alessandro's Rippe ?

Liebe Grüsse

Ursel