Donnerstag, August 11, 2005

Mütter dieser Erde

Mütter dieser Erde,
wacht auf, rüttelt an den Pforten der Kleinen und der Mächtigen,
nehmt eure Söhne, eure Männer, eure Väter und Brüder ins Gebet.

Seht nicht weiter zu, wie sie die Wälder, die Hüter unseres Klimas, die Bäume umsägen, die uns Schatten, Nahrung und Sauerstoff spenden, die uns als einzige vor dem weiteren Wachsen des Ozonlochs schützen könnten.

Seht nicht weiter zu, wie unsere Brüder, Schwestern, Söhne und Töchter uns unsere Lebensgrundlage entziehen, wie sie dort, wo einst die Bäume in den Himmel ragten, Soja anbauen und Siedlungen hochziehen.

Seht nicht weiter zu, wie sie tausenden von Tieren, Pflanzen und Menschen ihr zu Hause rauben, um mit dem Verkauf des Holzes allein für sich Paläste zu bauen, um mit dem Anbau von Soja, Rinder zu mästen, deren Fleisch einigen Reichen reserviert ist.

Seht nicht weiter zu, wie der Rauch des Feuers den Himmel verdustert, die Seelen der Façendeiros, Holzfäller und Siedler mit schwarzer Verlockung umgarnt, um auch sie und ihre Kinder in ein paar Jahren zu verschlingen.

Seht nicht weiter zu, wie sie mit dem Abholzen des Waldes aus dem einst fruchtbarsten Flecken der Erde in nur wenigen Jahren eine öde Steppe machen, auf deren Boden kein Baum mehr wachsen kann, in deren Krume kein Sojahalm mehr Halt findet, kein Käfer und kein Wurm mehr leben kann.

Mütter dieser Erde,
wacht auf, rüttelt an den Pforten eurer Söhne, Männer, Väter und Brüder, gebietet ihnen Einhalt,
fragt sie, was sie ihren Kindern und Enkeln erzählen werden, wenn diese sie zur Rechenschaft ziehen.

Fragt sie, was sie sagen werden, wenn ihre Söhne vor ihnen sterben werden, weil der Hautkrebs sie aufgezehrt hat, nur weil ihre Väter dem Ozonloch, der Natur keine Achtung geschenkt haben, weil sie glaubten "macht euch die Erde Untertan" bedeutet, sie auszurauben, sie zu zerstören.

Fragt sie, was sie sagen werden, wenn Flutwellen und Orkane die Häuser ihrer Töchter zerstören, ihre Enkel ertrinken werden, weil ihre Vorväter glaubten, eine Sojabohne sei mehr Wert als hunderte von Jahre alte Bäume, weil sie nicht sehen wollten, dass der Wald uns vor Stürmen und einem noch schnelleren Klimawandel schützt.

Fragt sie, was sie essen werden, wenn der Boden ihnen, ihren Söhnen und Enkeln keine Nahrung mehr spenden wird, wenn jeder Regentropfen den Boden aufreißen und mit tiefen Furchen versehen wird, weil sie dem Boden den Wald geraubt haben, der ihn über Jahrtausende vor all dem bewahrt hat.

Fragt sie, wie sich ihre Nachkommen vor der Hitze schützen sollen und was sie ihnen sagen werden, wenn die Kinder die Häuser nicht mehr verlassen können, weil die Sonne zu stark ist und sie den Wald zerstört haben, der einst mit seinen Blättern für ein ausgeglichenes Klima für Kühle und für Sauerstoff gesorgt hat.

Fragt sie, was sie mitnehmen werden, wenn sie sterben werden, ob es der zehnte Anzug, die Rolex am Arm, das Gold im Safe oder der Wagen in der Garage ist, oder ob es die Schuld ist, die sie auf sich laden, wenn sie weiterhin achtlos unserer aller Lebensgrundlage, die Natur, zerstören, die Flüsse vergiften, die Luft verpesten, die Wälder abholzen.

Mütter dieser Erde, Schwestern und Töchter,
allein könnt ihr nur wenig bewirken,
wenn aber jede einzelne von uns an den Pforten der Kleinen und der Mächtigen rüttelt, können wir gemeinsam, wie die Vielzahl tausender Regentropfen ein Rinnsal in einen Fluss verwandeln, können wir die Welt verändern, so dass auch unsere Kindeskinder noch auf unserer "terra verde", der grünen Erde in Frieden und Freiheit leben können.

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

gostei, você tinha que publicar em português também :))
abraços
Ursel

Agnes hat gesagt…

Agnes:
Du hast mal wieder mein Thema getroffen, was werden wir unseren Kindern hinterlassen, wenn wir nicht für den Erhalt unseres Lebensraumes kämpfen. Danke für den Text!