Dienstag, Dezember 26, 2017

Stromloses und regenverstürmtes Weihnachten


Nein, es war kein besinnliches Weihnachten. Kaum war der Tisch mit dem Festschmaus aus Riesenhuhn, Reis mit Weintrauben, Farofa mit Bananen, Kartoffelsalat und allerlei gedeckt, war der Strom weg. Zumindest hat das Timing gestimmt. Die Kerzen für die Weihnachtsstimmung waren bereits angezündet.

Noch hatte das Oh-Du-Fröhliche die Oberhand, auch wenn draussen ein Regensturm wütete und die von uns angelegten Gräben in reißende Bäche verwandelte. Immerhin saßen wir bei einem nächtlichen Weihnachts-Candlelight-Diner im Trockenen.

Ganz so besinnlich ging es aber nicht weiter. Plötzlich haben sich von der Decke die Wand hinunter kleine Rinnsale gebildet. Die haben wir aber erst entdeckt, als wir uns unter prasselndem Regen gemütlich ins Bett verziehen wollten. Im stromlosen Dunkel aufs Bett gelegt, kam der Aufschrei. Das Bett ist naß. Die Decke ist naß, das Laken ist naß und auch die Matratze.

Die Taschenlampe angeknippst zeigte die Antwort auf die Frage des Warum. Die Steckdose an der Holzwand war zur Stromschnelle geworden. Dort haben sich die Tropfen der Wandrinnsale gesammelt, um fröhlich in einer Miniaturausgabe eines Wasserfalls auf Bettdecke, Laken und Matraze zu plätschern - und das in einem 2,3 mal 2,6 Meter kleinem Zimmerl, in dem jeder Quadratzentimeter als Stauraum ausgenutzt wird.

Das Resultat war eine Möbelumrückaktion im Strahl der Taschenlampe. Nach der standen wir mitten in der Nacht und mittlerweile hundemüde erst einmal da, beschäftigt mit der Frage, wie Wandrinnsale aufgehalten werden können. Das Ergebnis war keine Ingenieursleistung. Mit Engelsgeduld und Reißzwecken habe ich an der Deckenkante einen Bindfaden als Wassersammel- und Leitstelle befestigt. Weil die Tropfen aber immer noch zu Wandnah abgingen, musste noch ein Reservoir entwickelt werden. Das einzige was mir zur Stunde des Morgengrauens dazu einfiel war ein Reservoir aus einer Plastiktüte, von der aus letztlich die Tropfen in den darunter aufgestellten Eimer fielen. Im Takt der Tropfen habe ich die Tüte an die Wand getackert. Tropf, Tack, Zack, Mist, Mist und Doppelmist. Warum muss so etwas eigentlich an Weihnachten, mitten in der Nacht und ohne Strom passieren?

Die Ruhelosigkeit hat auch den ersten Weihnachtsfeiertag geprägt. Alessandro hat die Decke aufgerissen, nach und nach die Isolierschicht beseitigt, um zu sehen, wo der Regen Eingang in unser Gemach findet. Zwei mutmaßliche Stellen haben wir entdeckt, dort wo die eine Dachplatte zur nächsten übergeht. Wir haben sie abgedichtet, mit Silikon. Jetzt müssen wir nur noch den nächsten Starkregen abwarten, um zu sehen, ob das alles war und die Dichtung auch hält, was ihr Name verspricht. Bis dahin blicke ich vor dem Einschlafen auf die über mir vom Dach herunter hängenden Isolierfolienfetzen und die Unterseite der Dachplatten.

In wenigen Stunden sind in der Weihnachtsnacht 125 mm Niederschlag auf uns herunter getost. So viel regnet es sonst in einem ganzen Monat. Mein Weihnachtswunsch für nächstes Jahr steht deshalb jetzt schon fest: tagsüber Sonne und nachts trockenes Wetter und eine funktionierende Stromversorgung.

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