Freitag, September 16, 2016

Erbe der Paralympics Rio 2016




Es mag darüber diskutiert werden, ob es sinnvoll ist, soviel Geld für einen Megasportevent auszugeben, während es gleichzeitig an allen Ecken mangelt und Finanzmittel beispielsweise für eine ausreichende Gesundheitsversorgung fehlen. Die Paralympics haben es zumindest aber geschafft, dass einige der Alltagsprobleme von Menschen mit Behinderung sichtbar geworden sind.

In einem Land, in dem noch so viele Hürden genommen werden müssen, um einen einigermaßen akzeptablen Lebensstandard zu bieten, steht das Thema der Zugänglichkeit nicht wirklich im vordersten Bereich der "Noch-Zu-Tun-Liste". Sie wird eher als Luxus angesehen, statt sie von Anfang an bei allen Planungen einfach zu integrieren.

Die Gesetze sind eindeutig. Hin und wieder werden sie auch eingehalten. Zumindest in den Zentren der Großstädte wie São Paulo und auch der Paralympics-Stadt Rio de Janeiro wird mittlerweile mehr darauf geachtet, dass alle Menschen öffentliche Plätze und Gebäude ohne große Probleme benutzen können. In Recife hat der Tourismus zur Integration beigetragen. Eine Nichtregierungsorganisation hat es geschafft, das Thema bewusst zu machen. Es gibt beispielsweise spezielle Rollstühle zum Bad im Meer und zum Strandspaziergang.
Mit Stühlen und Masten zugestellter Gehsteig
An den Flughäfen haben die paralympischen Spiele Rio 2016 Spuren hinterlassen. Terminals mit hörbaren Informationen und Führungshilfen für Blinde wurden installiert, Fahrstühle haben Blindenschrift erhalten, Personal wurde in der Gebärdensprache geschult und darin, Menschen mit Behinderungen zu unterstützen.

Die Sichtbarkeit der Schwierigkeiten von in ihrer Fortbewegung oder Wahrnehmung eingeschränk-ten Menschen, ist wohl das größte Legat von Rio 2016. Der hat auch bewusst gemacht, dass es nicht um Randgruppen geht. Es geht um uns alle, die wir irgendwann einmal vor scheinbar unüberwindbaren Hürden stehen können, sei es durch Krankheit, Unfall, die Geburt unserer speziellen Kinder oder Einschränkungen im Alter.
Gibt es abgesenkte Übergänge für Rollstuhl-
fahrer, sind diese oft mit Gras überwuchert.

In unserem Städtchen Antonina und vielen anderen Gemeinden Brasiliens ist das bisher noch nicht wirklich ins Bewußtsein gedrungen. Architekten und Bauausführer haben selten irgendeine Defizienz, die sie zum Nachdenken bringt. Und wenn sie dann doch die Vorschriften einhalten oder an die Zugänglichkeit denken, fällt die Ausführung nicht immer brauchbar aus oder gammelt danach einfach vor sich hin und wird in kürzester Zeit unbrauchbar.

Nach wie vor werden Strommasten, Schilder und selbst Verkehrszeichen einfach auf den Gehsteig gesetzt und machen Rollstuhlfahrern, Müttern mit Kinderwagen, Blinden und Menschen mit Bewegungseinschränkungen ein Durchkommen unmöglich. Von öffentlicher Seite wird gedankenlos für einen Hindernislauf höchsten Schwierigkeitsgrades gesorgt. Wichtig ist der Verkehrsfluss auf der Straße, während alles andere in den Hintergrund rückt oder schlichtweg vergessen wird. Bürgermeister und Stadträte sind in der Regel mit dem Auto unterwegs, wissen nicht wirklich, wie es sich auf Bürgersteigen geht.

Masten, Stromzähle und Schlaglöcher machen Gehsteige für
Menschen mit Einschränkungen unbenutzbar
So manche Bürgersteige sind angesichts ihrer Höhe von bis zu 20 Zentimetern unüberwindlich. Viele sind ein Netzwerk aus Schlaglöchern. Der eigentlich den Fußgängern vorbehaltene Bereich ist oft ebenso ein Flickenwerk von Garageneinfahrten. Die werden oft mit Fliesen besiegelt, die sich bei Regen zu gefährlichen Rutschbahnen verwandeln.

Ja, es gibt noch viel zu tun. Aber immerhin wird mittlerweile darüber geredet. Dank den Paralympics Rio 2016 ist das Thema zumindest endlich in die Sinne von Planer und Bewohner gerückt. Bleibt zu hoffen, dass das anhält und Auswirkungen zeigt.



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