Mittwoch, September 28, 2016

Dem Saci-Pererê seine Bambusorchidee

Unser Bambus mit einer Mini-Orchidee, die ich
bisher nur auf Guaven-Bäumen gefunden habe
Im Bambushorst da lebt der Saci-Pererê, ein kleiner Kobold, der mit Mensch und Tier seine Späße treibt. Damit haben wir auf "unserem" Grundstück für eine kleine Saci-Pererê-Population gesorgt, weil wir an verschiedenen Ecken und Enden Bambus gepflanzt haben.

Ein besonders schönes Heim hat er hinter dem Hundezwinger. Da wächst der Bambusa vulgaris prächtigst vor sich hin. Seine Stangen sind am Fuß mit Moos bewachsen und bieten dem kleinen Kobold einen grünen Samt-Teppich. An einem der Kolme hat der Saci-Pererê jetzt sogar eine Balkonblume bekommen, eine kleine Orchidee mit winzigen gelben Blüten. Die habe ich bisher nur auf den Goiaba-Bäumen (Guaven) gefunden. Wer weiß, vielleicht war ja das kleine Männchen selbst am Werk und hat dafür gesorgt, dass sie in seinem Heim wächst.

Der Saci-Pererê ist eine Folklorefigur Brasiliens, die auf eine Legende der Indios Südbrasiliens, der Tupi, zurückgeht. Im Laufe der Kolonialisierung des Landes ist sie dann mit anderen Kulturen vermischt worden. War er zunächst ein "curumim" mit zwei Beinen, dunkler Hautfarbe und einem Schwanz und eine eher furchterregende Gestalt, ist er durch den Einfluss der afrikanischen Mythologie zum einbeinigen, schwaryen Männlein geworden. Eins seiner Beine hat er beim Capoeira-Kampf verloren, so die neue Legende. Von der europäischen Mythologie hat er zudem ein rotes Käppchen geerbt.

Mitten im Bambushorst soll der Saci zur Welt kommen, genauer gesagt in den Sprossen und inmitten einer Windrose. Da lebt er sieben Jahre lang, um dann noch einmal 77 Jahre lang seine Scherze mit Mensch und Tier zu treiben, die Bohnen anbrennen lässt, Schlüssel versteckt und die Mähnen der Pferde zusammenbindet. Dann stirbt er und verwandelt sich in einen giftigen Pilz oder einen Baumpilz, wie erzählt wird. Schade, dass ich die 77 plus 7 Jahre wohl nicht erleben werde, um zu sehen, ob dann am Bambus auch tatsächlich ein Schwammerl wächst. Dann wäre ich nämlich 121 Jahre alt. Aber wer weiß, vielleicht schaffe ich das ja doch irgendwie...

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