Freitag, Mai 27, 2016

Tag des Atlantischen Regenwaldes


Heute ist unser Tag, der Tag der Mata Atlântica, des Atlantischen Regenwaldes. Er ist unsere Heimat, ist Unesco Weltnaturerbe, einer der artenreichsten Wälder der Welt und einer der am stärksten bedrohten. Etwa 70 Prozent der Brasilianer leben dort, wo er eigentlich stehen sollte. Nur noch 12 Prozent sind von ihm übrig, wenn alle Rest- und Inselflächen zusammen gezählt werden.

Er steht unter Schutz und wird dennoch weiter gerodet. Über 18.000 Hektar sind zwischen 2014 und 2015 zerstört worden. Die Erhebung stammt von der Stiftung SOS Mata Atlântica und dem Raumforschungsinstitut Inpe, die vor wenigen Tagen den Atlas der verbleibenden Flächen des Atlantischen Regenwaldes vorgelegt haben. Erfasst sind dort jedoch nur Kahlschlagsflächen, die größer als drei Hektar sind. Einzelentnahmen und die Vernichtung des Unterwuchses führen jedoch auch zu ernomen Schäden, schwächen sein Ökosystem.

Der nach wie vor anhaltende Siedlungsdruck, die Landwirtschaft mit ihrem nicht zu stillenden Hunger nach Soja, das nach Europa und Asien exportiert wird, Kahlschläge, um dann Eukalyptusplantagen zu pflanzen und die Herstellung von Holzkohle sind einige der Gründe, warum er weiterhin schrumpft und skrupellos zerstört wird. Die Gier nach Geld scheint keine Grenzen zu kennen.

Dort, wo noch größere, zusammenhängende Flächen von ihm übrig sind, gilt er bei Vielen als "mato", schlicht Wald oder Unkraut ohne Wert. Weil er scheinbar so üppig vorhanden ist, herrscht die irrsinnige Meinung vor, dass sich die Untaten eines Einzelnen nicht wirklich auf ihn auswirken.

Der Atlantische Regenwald kleidet das Küstengebirge, das sich westlich von uns erhebt. Wer von Curitiba auf der Bundesstraße oder der antiken Graciosa zu uns herunter zur Küste fährt, begibt sich auf eine Reise durch das überschwengliche Grün, das noch bei allen unserer Besucher einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.

Der Schutz dieses einzigartigen Bioms ist bei Weitem nicht mehr ausreichend, sind sich Biologen und Experten einig. Sie fordern Neupflanzungen und Aufforstungen. Etliche Nicht-Regierungsorganisationen haben sich dem bereits angenommen. Die Gesellschaft zum Schutz des Wildlebens (SPVS), SOS Mata Atlântica und Copaiba sind nur einige Beispiele dafür.

Auch wir haben im Verlauf der Jahre in unserem 3,5 Hektar kleinem Paradies über 1.500 Bäume und Sträucher gepflanzt, haben den Großteil des Grundstücks als Biotop, "reserva legal" und "remanescente" ausgewiesen. Damit sind 80 Prozent unserer Fläche ausschließlich der Natur vorbehalten. Das gibt uns die Sicherheit, dass auch diejenigen, die nach uns kommen, sei es, weil wir unser Paradies notgedrungen verkaufen oder irgendwann vererben müssen, Wald, Bächlein und Sumpf erhalten müssen.

Es ist nur ein kleiner Beitrag. Aber es gibt zum Glück immer mehr, die kleine Beiträge leisten, die letztlich auch dem Schutz des Klimas auf unserem Planeten zugute kommen.

Der Atlantische Regenwald ist ein Paradies. In ihm leben die berühmten, kleinen Löwenäffchen, die Sussuarana (Puma), Gürteltiere, Tukane, Papageien und Ameisenbären. Wieviele verschiedene Orchideenarten er beherbergt, weiß ich nicht. Mir erscheinen es, hunderte zu sein. Immer wieder entdecke ich bei meinen Rundgängen neue, die ich vorher noch nicht gesehen habe. Bei den krautigen Pflanzen geht es mir ebenso. Anders als die Hainbuchenwälder meiner südbayerischen Heimat, ist der Atlantische Regenwald von einem dichten Unterwuchs durchzogen, der stellenweise undurchdringlich scheint. Überall ist leben. Ein einziger Baum kann tausenden Aufsitzerpflanen, Bromelien, Tilandsien, Philodendren, Farnen und Moosen Raum bieten. Sie selbst werden wiederum zum Lebensraum vieler Tierarten und selbst Fröschen, die im Herzen der Bromelien hoch oben über dem Boden ablaichen.

Im Schutz der Bäume wachsen die riesigen unter Schutz stehenden Baumfarne. Vier verschiedene Arten habe ich allein auf unseren 3,5 Hektar ausgemacht. Mein Favorit steht im Nachbarwald. Er fällt durch sein besonders lichtes Blätterwerk auf. Wenn ich daran denke, dass einige Xaxim-Arten, wie die Baumfarne hier genannt werden, nur einen Zentimeter pro Jahr wachsen, erfasst mich die Ehrfurcht vor den teilweise drei Meter hohen Baumfarnen.

Der Atlantische Regenwald ist unsere Heimat, ist Lebensraum zahlloser nur dort vorkommender Tier- und Pflanzenarten und er ist euer Klimaschutz. Ihn zu schützen ist mindestens genauso wichtig, wie der Erhalt des im Norden Brasiliens liegenden Amazonas-Regenwaldes.

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