Montag, Mai 02, 2016

Bambuskaffee

Eins unserer Kaffeebäumchen im Halbschatten des Bambus
So lange es nicht friert, macht die Kälte dem Kaffee nicht viel aus. Die sonnigen Tage lassen seine Früchte nach wie vor reifen. Süß-bittere, rote Früchte. Manchmal zutzle ich eine aus, nur um dann auf dem Kern, der Kaffeebohne, herumzubeißen. Nein, das Fruchtfleisch hat keinerlei Aufputschwirkung. Es ist einfach die Freude daran, dass vor unserem Haus ein paar Kaffeesträucher wachsen und sie Früchte tragen.

Fünf haben wir gepflanzt. Drei von ihnen sind übrig geblieben, im Halbschatten des Bambus. Recht glücklich sehen sie aber nicht aus. Unser Boden ist ihnen zu dicht. Im Frühjahr werde ich sie wieder mit Kompost versorgen. Jetzt im Winter macht das wenig Sinn.

Dieses Jahr habe ich sogar ein paar der Früchte ergattert. Nicht nur ich bin wild auf sie. Der Auerhahnähnliche Jacu verspeist sie ebenso leidenschaftlich. Er war es, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass sie reif sind. Als ich am Küchentisch saß, sah ich plötzlich wie sich der kleine Kaffeestrauch fast bis zum Boden runter biegt und oben drauf flatterte der schwarze Jacu mit den Flügeln, während er sich eine Frucht nach der anderen schnappte. Später habe ich die roten Früchte, die er übrig gelassen hat, abgestreift, sie entkernt und in die Sonne zum Trocknen gelegt.

Von einigen musste ich nicht einmal das Fruchtfleisch entfernen. Das haben vor mir schon die Ameisen übernommen. Auch Ameisen lieben Kaffee. Die Bohnen haben sie nach ihrem Fruchtfleischgelage am Strauch hängen lassen.

Bittersüße Kaffeefrüchte und rechts davon die so begehrten
Bohnen, die eigentlich die Kerne der Frucht sind
Die Bohnen selbst haben noch einmal eine dünne, beinahe ledrige Kapsel. Die soll eigentlich in der Sonne trocknen und dann aufbrechen, so dass sie durch hochwerfen vom Wind weggetragen wird. Tagsüber ist sie auch tatsächlich ein wenig eingetrocknet. Am späten Nachmittag fing sie dann aber schon wieder an pappig zu werden. Nachdem sie auch nach etlichen Sonnentagen nicht aufgebrochen ist, habe ich Hand angelegt und sie selbst aufgebrochen und abgezogen. Unsere Luftfeuchte ist einfach zu hoch.

Das Ergebnis von der Aktion ist etwa eine Handvoll Kaffebohnen. Die muss ich jetzt nur noch rösten.

Es heißt, irgendwo in Brasilien soll es einen Kaffeehersteller geben, der seine Früchte vom Jacu verspeisen lässt. Danach schickt er seine Mitarbeiter aus, damit diese die Jacukakke einsammeln, die Bohnen säubern und dann zu Kaffeepulver verarbeiten. Es soll der teuerste Kaffee der Welt sein. Woher die wissen, wo der Jacu sein Geschäft erledigt, weiß ich auch nicht. Ich habe bei uns bisher jedenfalls noch keine ausgekackten Kaffeebohnen gefunden.

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