Mittwoch, November 04, 2015

Bremsenzeit

Am Sommernachmittag im Pullinger Weiher schwimmend waren sie immer präsent, die Bremsen. Haben den Kopf umschwirrt und gewartet, dass sich der Rest vom Körper aus dem Wasser erhebt, damit sie eine passende Landestelle für ihre Blutsaugaktivität finden.

Ich zähle sie nicht und versuche, sie geflissentlich zu ignorieren, wenn ich jetzt durch den Wald laufe. Dem Gefühl nach sind es hunderte, die mein Haupt fliegend umtanzen. November ist im Süden Brasiliens Bremsenzeit. André sagt, sie lassen sich an der Höhe ihres Körperumkreisens einordnen. Da sind die, die bevorzugt auf Nasen-Ohrenhöhe schwirren. Sehr nervend. Die Stirn- und Oberkopfschwirrer sind auch nicht viel besser. Vor allem die kleineren Ausgaben der "butucas" bevorzugen die höhren Regionen des Körpers. Ihre bis  zu drei Zentimeter großen Verwandten sind aber auch nicht besser. Sie suchen heimtückisch an Wadeln, Oberschenkeln und Hintern einen Stechplatz.

Im vergangenen Jahr hat uns André zu Weihnachten einen Bestimmungsschlüssel für "butucas" geschenkt. Eine habe ich sogar bestimmt. Ihren wissenschaftlichen Namen habe ich längst wieder vergessen. Dafür erinnere ich mich ganz genau an sie. Heute hat mich eine ihrer Verwandten umschwirrt. Sie ist nur eine von mindestens fünf verschiedenen Arten, die mich hier schon auf die Geduldsprobe gestellt habe. Darunter sind so riesige wie die bayerischen Pferdebremsen und so futuristische, wie die genialen Krieger aus Starwars. Mir bleibt nur mit einem Zweiglein um mich zu wedeln, um sie vom Landen abzuhalten, oder Alessandro von einer Begleitung meiner Ausflüge zu überzeugen. Mit seinen schwarzen Haaren ist er ein Bremsenmagnet.

Vor weißer Kleidung und weißen Hüten halten sie indes einen gebührenden Abstand. Weiß gehört aber auch nicht unbedingt zu meiner Lieblingskleiderfarbe. Zum Glück regnet es jetzt, was die meisten vom Fliegen abhält. Pause für die Bremsen. Uff.

Von den weltweit vorkommenden 4.200 Bremsenarten soll es in Südamerika 1.800 geben. In der Amazonasregion wurden bisher mindestens 250 Arten registriert.

1 Kommentar:

mondin hat gesagt…

Huhuu, Gabriela !

Habt Ihr schonmal selbstgemachtes Insektenschutzmittel aus Nelken (in Alkohol eingelegt) probiert? Aber wahrscheinlich gibt's bei Euch dann doch sooviele, dass das zu schwach ist?

Andere Sache: Ist der Schlamm von Mariana auch bei Euch vorbeigekommen?? Jetzt sagen sie, er sei garnicht toxisch?? Hast Du dazu was gehört?

Hoffe, Ihr seid noch nicht versumpft!!!

LG Ursel