Freitag, November 27, 2015

Begegnung mit Schwarzem Puma

Foto dem "Manual de Rastros da Fauna Paranaense"
 vom Umweltinstitut IAP entnommen
Zuerst nehme ich nur aus den Augenwinkeln sich bewegendes Gras und Gebüsch wahr. Dann sehe ich, wie sie in aller Seelenruhe auf den Waldweg tritt, ihn gemächlich überquert. Luma ist im Teich eines der Nachbarn mit ihren Schwimmrunden beschäftigt. Das muss der Labrador in ihr sein. Wasser zieht sie magisch an. Die Nachbarn kommen nur alle paar Monate, leben in der Stadt und haben im Wald ihre Datscha gebaut und einen Fischteich angeleigt, in dem Mischlingshündin Luma bei unseren Gassiausflügen ihre Runden dreht.

Automatisch greife ich zu Hanna. Unsere Schäferhündin ist unsere Aufpasserin. Sie duldet keine Teius (Riesenechsen) auf dem Weg und auch nicht in der Nähe unseres Hauses. Sieht sie einen, hetzt sie hinterher. Die Teius sind immer schneller. Gefangen hat sie noch nie irgendein Tier, vertrieben indes schon.  Sie bellt den in der Erde suchenden Gürteltieren hinterher und lässt selbst den Auerhahn-ähnlichen Jacu nicht aus den Augen, wenn er versucht, an herunter gefallenen Früchten der Araça Pera zu picken. Nichts entgeht den Polizeiaugen Hannas und alles ist friedlich, solange die anderen Tiere nach ihrer Pfeife tanzen.

Für einen Bruchteil einer Sekunde bilde ich mir ein, dass mich das schwarz-graue Tier ansieht. Nichts bewegt sich. Nur die Bremsen summen untentwegt um meinen Kopf. Da stehe ich auf den Waldweg, rechts der Teich, in dem Luma ihre Wasserspiele betreibt, links vor mir Hanna, die damit beschäftigt ist, ihr Steckerl zu zerfleischen und mittendrin ich, die jetzt gerne eine Kamera zur Hand hätte.

Was, wenn Hanna den "Gato Mourisco" entdeckt?
Was, wenn die Wildkatze uns anzugreifen versucht? Immerhin gehört sie zu den Pumas.

Tun sie das überhaupt, Menschen angreifen? Ich habe noch keinen gehört, der davon erzählt hat. Es gibt Geschichten von Sussuaranas (beige-farbene Jaguare), die in abgelgenen Gebieten Angler und an Bächen campende Menschen überfallen, verletzt, getötet haben. Über die Gato Mourisco gibt es hingegen solche Berichte nicht. Überhaupt, spricht hier keiner von ihnen. Es wird von den Sussuaranas erzählt, die im Sommer manchmal zu hören sind und deren enorme Fußabdrücke wir schon gesehen haben. Es wird auch von den Jacuatiricas geredet, kleine Luchsähnliche Wildkatzen, die hin und wieder ein Huhn eines der Nachbarn erlegen.

Hanna beißt immer noch auf ihrem Steckerl herum, während die Wildkatze in aller Seelenruhe die Böschung auf der anderen Seite des Waldweges hinaufstackst und im Gebüsch des dichten Regenwaldes verschwindet, der Mata Atlântica. Wusch, weg ist sie und ich lande wieder im Hier und Jetzt.

Später will Alessandro wissen, wie groß denn "meine" Wildkatze war. Ich halte die Flache Hand etwa 50 Zentimeter über den Boden. Vielleicht war sie auch ein wenig höher. Jedenfalls war sie wesentlich größer als eine Hauskatze. Trotzdem ist mir zuerst Nelson Mandela in den Sinn gekommen, als ich sie gesehen habe. Kater Nelson ist aber kleiner und richtig schwarz. Die Gato Mourisco ist eher dunkel-grau-braun-schwarz, oder so.  Auffällig ist, dass ihr Kopf unproportional klein zu ihrem starken Körper ist.

Alessandro sagt, vielleicht war es ja doch der Nelson Mandela.
Nein, war er nicht. Er sieht völlig anders aus und liegt seelenruhig draußen auf der Veranda, neben Schneeflocke und Lady Di und er ist nicht mit mir und den Hunden mitgelaufen.
Und warum siehst nur du immer all diese Tiere?
Weil ich mit den Hunden immer durch den Wald laufe und sich all die Tiere schon an meinen Geruch gewöhnt haben.
Wahrscheinlich bin ich aber einfach nur ein heimlicher Wildtier-Glückspilz. Ein Gato Mourisco, ein schwarzer Puma, ist mir bei meinen Ausflügen schon dreimal begegnet.

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