Freitag, September 18, 2015

Glück beim Pechspiel

Was der Wirt in Bayern, sind die "casas lotéricas" in Brasilien. Da gibt es zwar kein Bier, aber ellenlange Warteschlangen, die mit dem neuesten Tratsch des Dorfes angereichert sind. Seit Neuestem hängt in der casa lotérica von Antonina ein Tela, ein Flachbildschirm. Auf dem läuft Werbung von den örtlichen Supermärkten, vom Baumarkt und auch vom Zahnarzt. Auch die Wettervorhersage flimmert mit Bildchen von Sonne und Wolken über den Bildschirm.

Eine strahlende Sonne mit der Ziffer 36 kündigt mitten im Winter sommerliche Hitze für Morgen an.

"Was, nur 36?", fragt die Frau hinter mir.
Ein paar Gespräche verstummen, Köpfe drehen sich zu ihr, erwarten Erläuterungen. Vielleicht ist ja irgendwer schon am Hitzeschlag gestorben. Vielleicht auch nur das Wasser in den Leitungen versiegt oder der Teer unter den Autoreifen dahin geschmolzen.

"36, na, das ist ja dann gar nicht so schlimm. Gestern waren es mindestens 50 Grad", setzt die Frau im Rampenlicht nach. Alles lacht. "Der nächste Bitte", ruft die Mitarbeiterin hinter der mit Zetteln beklebten Scheibe. Ein Mann tritt vor, zahlt seine Rechnung, ein anderer hebt Geld ab und wir spielen Lotto.

 Jogo de Azar, Pechspiele, nennen sie die Glücksspiele hier, weil die meisten sowieso vom Pech verfolgt sind und nicht gewinnen. Wir werden sehen, ob das Glück auf unserer Seite ist. Meinem jüngsten Erlebnis zur Folge, müsste es das eigentlich sein. Neulich war die Warteschlange so lang, dass sie sich über die Straße hin bis zum Park auf der anderen Seite geschlängelt hat. Da stand ich, mit den Lottoscheinen in der Hand. Strahlender Sonnenschein und plötzlich ein Platsch. Eine braune, wärmliche und stinkende Soße rinnt mir zwischen den Busen hinunter. Sauber. Vogelscheiße. Ein Bem te vi saß hoch oben im Baum und hat auf mich herunter gekackt. Bem te vi, heißt ungefähr soviel wie: "Schön, dich zu sehen".

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