Montag, September 07, 2015

Bambusstangen-Zauber



Über 40 Bambusstangen und 40 skeptische Blicke.

Einen Geo-Dome wollen sie uns zeigen, sagen Nailton und Valcir vom Zentrum für Agro-Ökologie (CPRA). Toll. Ein solches Teil wollte ich schon längst einmal bauen. Das Modell zeigt, wie mit linearen Stangen eine Sphäre gebildet werden kann, die äußerst stabil ist. 

Jetzt stehen wir da im Kreis und die meisten wissen nicht wirklich, was sie von der ganzen Sache halten sollen. Bambus ist für die Mehrheit der Brasilianer entweder ein Armeleute Material oder Baumaterial der Reichen. 

Seit einem Jahr versucht die Emater (landwirtschaftliches Beratungsamt) von Paraná das zu ändern. Mit Seminaren und dem Versuch ein Bambusprojekt zu etablieren. Auf Marcias Hof haben sie bereits fünf verschiedene Bambusarten angepflanzt. Nur haben sie dabei vergessen, dass Brasilien selbst Heimat vieler Bambusarten ist und haben überwiegend asiatische Arten gepflanzt. Als einziger Brasilianer ist der Guadua angustifolia vertreten, der eigentlich in den heißeren Gefilden des Landes, im zentralen Westen natürlich vorkommt. Sie hatten sich vorher persönlich im Bambusland China informiert und meine Bitte, doch den im Süden Brasiliens heimischen Guadua chacoensis zu beachten, geflissentlich ignoriert.

Dann packen die Männer und Frauen der verschiedensten Landwirtschaftsämter Paranás, Kleinlandwirte, Forscher und Interessierte zu und nehmen am Aha-Erlebnis teil. Die Skepsis weicht dem Erstaunen.

Selbst dem kleinen Belastungstest mit einem Aufsitzversuch hält der halbfertige Dome stand.

Auch wenn die Landwirte künftig wohl keine Dome bauen werden, hat die Demonstration doch gezeigt, wie aus ein paar Bambusstangen auf einfache Weise eine stabile Konstruktion wird. Die Gesichter verraten Anerkennung und Interesse und ich freue mich, dass es wahrscheinlich bald schon ein paar mehr Bambusfreunde im Süden Brasiliens geben wird. 

Gehen die Pläne der Emater auf, sollen an der Küste Paranás ein paar bambu viveiros, Bambusbaumschulen, eingerichtet werden, so denn dem Staat nicht das Geld dafür ausgeht oder sich genügend Landwirte dafür interessieren. Angedacht sind Bambusbaumschulen auch im Hinterland. Dort wäre auch mehr Fläche für einen breiten Anbau von Bambus vorhanden, um ihn industriell zu Bambuslaminat und andere Produkte zu verarbeiten. Bis dahin wird es aber noch viel Bla-Bla und etliche Seminare geben. Immerhin, ein Anfang ist gemacht.


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