Mittwoch, Juli 29, 2015

Fledermausangriff

Das war ja mal wieder toll. Ich sitze so still vor mich am Computer herum. Draußen ist es längst dunkel geworden. Irgendwo quakt ein Frosch, einzelne Grillen zeigen Durchhaltevermögen und zirpen in der subtropischen Winternacht.

In der Regenwaldstille vertiefe ich mich in das Thema einer Fledermausart, die über hundert Jahre lang fälschlicherweise für eine andere gehalten wurde. Lonchophylla inexpectata heißt sie seit Neuestem. Inexpectata für Unerwartet, weil die Entdeckung der Täuschung unerwartet war. Vorher hieß sie Lonchophylla mordax.

Als ich am Artikel über diese nektarsaugende Fledermausart schreibe, durchbricht ein Flap-Flap die Stille. Beim Drehen des Kopfes sehe ich in den Augenwinkeln die Fledermaus und wie sie auf mich zusteuert. Flap-Flap Richtung Kopf.

Geduckt stehe ich auf und betrachte das nächtliche Flugtier, wie es nach einem Ausgang sucht. Ich öffne ihm die Türen. Statt dass er rausfliegt, stürmen die Katzen herein, unter ihnen Bolinha, die Fledermausfängerin. Sie läuft buchstäblich die Wände hinauf, um an die Beute zu gelangen. Mit dem Besen versuche ich, die Katzen in Schach zu halten und nach draußen zu bugsieren. Der Flattermann interessiert sich wenig für die vierbeinigen Jäger. Er hat es auf meinen Kopf abgesehen. Immer wieder muß ich mich ducken, um ihm auszuweichen. Ich wedle mit dem Besen, drehe mich im Kreis, stoße an Tisch und Bänke, trete beinahe auf die Katzen, die mich für durchgedreht halten müssen, und der Flapper Flapt fröhlich vor sich hin.

Irgendwann wird es mir zu bunt. Ich schalte alle Lichter aus und gehe nach draußen, schnappe mir die Hunde und drehe eine Runde. Meistens laufen die Katzen dabei mit uns mit. Auch jetzt haben sie die potentielle Beute vergessen und streunen zwischen meinen Beinen und denen der Hunde herum.

Als ich zurückkomme, hat sich der Flattermann verzogen. Zeit, um meinen Artikel über den Lonchophylla inexpectata zu beenden, der vertauschten Fledermausart.

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