Mittwoch, Mai 27, 2015

Tag der Mata Atlântica, des Atlantischen Regenwaldes


Hute ist Tag der Mata Atlântica, des Atlantischen Regenwaldes, der seit ein paar Jahren auch unsere Heimat ist.

Die Berichte, die ich dazu lese erfreuen und erschrecken mich zur gleichen Zeit. Obwohl nur noch etwa acht bis 12,5 Prozent von ihm übrig sind, wird er nach wie vor zerstört. Im vergangenen Jahr sollen 18.300 Hektar den Kettensägen skrupelloser Geldhaien zum Opfer gefallen sein. Erfasst werden allerdings nur größere Flächen.

Die kleinen Beeinträchtigungen, die große Auswirkungen haben können, werden indes nicht erfasst. Heute vormittag haben wir auch hier die Kettensägen und das Krachen umfallender Bäume gehört. Alessandro ist zur Straße vorgelaufen, um herauszufinden wo die Bäume gefällt werden. Leider konnten wir die Verursacher nicht ausfindig machen. Die Mata Atlântica ist eigentlich geschützt und das Fällen von einzelnen oder mehreren Bäumen ist verboten, ganz zu schweigen vom Kahlschlag, außer es wurde von der Umweltbehörde eine Genehmigung ausgestellt, was leider auch vorkommt.

In unserer Region ist die Mata Atlântica von
hunderten von Gebirgsbächen wie diesem hier
durchzogen, der im Gebiet der SPVS liegt und
Antonina mit Trinkwasser versorgt.
Abgeholzt wird dennoch. Von alleine schreitet die notorisch unterbesetzte Umweltbehörde in der Regel nicht ein, was die Abholzer wissen. Gefällt werden die Bäume, um Pupunha, Palmen aus dem Norden Brasiliens anzupflanzen und als Palmito zu verkaufen oder um ein Haus zu bauen. Weil viele Stadtmenschen, den Wunsch nach einem Haus im Grünen haben, kaufen sie ein Grundstück, das in unserer Gegend meistens mit dem Atlantischen Regenwald bestanden ist. Dann fangen sie damit an, zuerst eine Fläche für das Haus freizuschlagen, was ich ja noch einsehe. Danach fällen sie aber mehr und mehr um das Haus herum, damit kein Baum aufs Haus fallen kann. Schließlich verwandeln sie ihr Waldgrundstück in ein artenarmes Stadtgrundstück, zäunen es mit Stacheldrahtzäunen ein, damit ihnen auch ja kein Tier zu nahe kommt und zerstören so, was noch vom Urwald übrig ist und was sie beim Kauf so fasziniert hat, die wilde Ursprünglichkeit des Waldes.

Zum Glück gibt es auch andere Beispiele. Vor allem Nichtregierungsorganisationen bemühen sich um den Erhalt und die Wiederanpflanzung der heimischen Vegetation, des Regenwaldes. Die Copaíba ist ein Beispiel dafür. Sie ziehen Jungpflanzen von den Bäumen der Mata Atlântica, verteilen diese kostenlos zur Anpflanzung und pflanzen selbst mit Schulklassen und freiwilligen Helfern. Ein anderes Beispiel ist die SPVS, die vor Jahren von einer Gruppe von Freunden, Biologen und Umweltschützern gegründet wurde. Sie hat etliche Flächen in unserer Nähe aufgekauft, um sie vor dem Kahlschlag zu retten und andere, um dort den Atlantischen Regenwald wieder anzusiedeln. Mit verschiedenen Projekten, wie dem zur Verbreitung der heimischen Bienen ohne Stachel oder dem zum Schutz der violett-gesichtigen Papageien hat die SPVS bereits Prämien gewonnen. Vom Großteil der Bevölkerung wird sie skeptisch betrachtet. Es kursiert das Gerücht, dass sie von Ausländern, von gringos, gegründet worden sei und die Flächen aufgekauft, die ursprünglichen Bewohner vertrieben und sich ausgebreitet hat, um Fuß zu fassen. Manche behaupten gar, dass die Nordamerikaner dahinter stecken würden und nur an den Minen und Bodenschätzen interessiert seien. Dass die SPVS eine wertvolle Arbeit für den Schutz der Mata Atlântica leistet und somit auch für das Klima wollen die meisten nicht sehen. Auch, dass die SPVS einer der größten Arbeitgeber unseres Munizips ist, wollen sie nicht wissen. Gerüchte halten sich hartnäckiger als Wahrheiten.
Gilberto und mein Süßer vor einer
Brettwurzel einer Figeira, einem
Baum der Mata Atlântica, der
in Gilbertos Paradies steht.

Gilberto, ein Freund von uns, gehören ein paar Hektar Regenwald, die mitten im Gebiet der SPVS liegen. Das hat den Vorteil, dass er sich sicher sein kann, dass sie bestens geschützt sind, weil die Organisation ihre Flächen bewachen lässt. Wilderer oder Palmitodiebe kommen dort kaum hin. Etwa fünf Kilometer geht es auf einem Feldweg durch das Gebiet der SPVS bis zu Gilbertos Grundstück. Von dem Haus, das dort einmal stand, ist längst nichts mehr zu sehen. Gilberto besucht sein kleines Paradies auch ohne Haus immer wieder. Manchmal nimmt er uns mit. Dann stapfen wir mit Gummistiefeln durch den intakten Urwald mit seinen Baumriesen und Büschen, machen an Wasserfällen Brotzeit und staunen über die unbändige Natur, die Dank der "unbeliebten" Aktivisten dort noch oder wieder nahezu unberührt ist.

Wieder daheim angekommen freuen wir uns jedesmal wieder, dass auch wir zum Schutz ein wenig beitragen. Unser Grund ist nur klein, 3,5 Hektar und auf einem kleinen Teil davon steht unser Haus. Der größte Teil aber ist Wald und Sumpf und das soll auch so bleiben. Etwa 50 Prozent sind als Biotope und "Reserva Legal" ausgewiesen, eine Fläche, die dem Naturschutz vorbehalten ist. Der Rest ist zwar nicht als Naturschutzfläche ausgewiesen, wird aber von uns einfach als solche betrachtet. Hätte ich Geld, würde ich es wie die SPVS machen und weitere Grundstücke rund um unser Haus herum aufkaufen, einfach nur, damit keiner sie abholzen kann. Wer weiß, vielleicht gewinne ich ja mal im Lotto...

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