Freitag, März 20, 2015

Zeit der kleinen Witwen

Die Zeit der kleinen Witwen ist angebrochen.

Wenn ich am späten Nachmittag mit den Hunden meine Runde ziehe, zum Teich des Nachbarn laufe, um seine Fische zu füttern, sitzt eine der kleinen Witwen immer auf den obersten Ästen eines entblätterten Baumes. Gelassen sieht sie auf uns herab, wartet, bis wir wieder weg sind. Nur das Fernglas, das mag sie nicht. Sobald ich das alte Fernglas meines Vaters vor die Augen halte und versuche, die Linsen scharf zu stellen, sucht sie das Weite.

Als ich sie das erste Mal gesehen habe, dachte ich, der arme Vogel, hat wohl in einem Kampf Federn lassen müssen. Nur eine Schwanzfeder baumelte an ihrem Hintern und die glich auch nur am äußersten Ende tatsächlich einer Feder. Zwei Wochen lang saß sie immer zur gleichen Uhrzeit auf dem gleichen Ast. Hätte sie sich nicht ab und zu bewegt, hätte ich gedacht, sie ist ausgestopft.


Dann kam André zu Besuch. Holländer, der die Tier-, Pflanzen- und Schwammerlwelt des Atlantischen Regenwaldes, der Mata Atlântica, seit über 35 Jahren erforscht. Viuvinha, nannte er mein schwanzzerrupftes Vöglein. Kleine Witwe, Colonia colonus. Der Schwanz ist gar nicht zerrupft, sondern ganz normal so, erklärt er mir.


Zum ersten Mal habe ich heute gleich drei von den kleinen Witwen auf einmal auf unserer Lichtung gesehen. Sie sitzen hoch oben in den Bäumen, um von dort aus auf Nahrung Ausschau zu halten, Insekten, die sie im Flug erhaschen. Für ihren Aussichtspunkt bevorzugen sie abgestorbene Bäume oder solche mit wenig Blättern. Eigentlich leben sie alleine, außer wenn sie gerade auf Partnersuche sind. Vielleicht waren unsere drei kleinen Witwen von heute ja eine Familie, ein Pärchen mit ihrem Nachwuches. Ist doch heute Herbstanfang und spätestens im Herbst werden doch die Jungen flügge.

Suchfoto... mit dem 7 Jahre alten Handy aufgenommen.
Sollte ich irgendwann einmal im Lotto gewinnen,
kaufe ich mir eine "große Kamera", versprochen...

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