Samstag, November 22, 2014

Eisenhaltiger Goldschatz zu Tage gefördert


Es ist schon interessant, was Menschen so alles machen, wenn sie gerade nichts zu tun haben. Alessandros Onkel ist auf den Detector gekommen. Das entspannt ihn, sagt er. Ist fast wie Meditation. Also latscht er jetzt übere unsere Obstwiese, schwenkt das Ding hin und her so als würde er die Wiese mähen wollen. Schade, dass keine Sense vorne dran ist, sondern nur das runde Detectorteil, das Metall aufspüren soll.

Alessandro und ich dackeln hinterher, mit der Hacke und dem Spaten in der Hand, um die Ausgrabung zu übernehmen, falls es piepsen sollte. Es piepst nicht, außer, wenn ich dem Ding mit der Schaufel zu nahe komme, dann schlägt es schlimmer als jeder Wecker Alarm. Plötzlich piepst es doch. Der Onkel gibt Aweisung, dass wir ganz vorsichtig nur die Grasnarbe beseitigen sollen. Dann fährt er mit dem Ding über den offenen Boden und nichts piepst mehr. Aha. Der Schatz muss in der Grasnarbe sein. Wir zerstückeln und zerkrümeln die Grasnarbe und werden tatsächlich fündig. Unser erster Schatz: ein rostiger Nagel. Auch der zweite ist ein rostiger Nagel, der dritte, der... Hier muss es in Vorzeiten einmal Nägel geregnet haben.

Dann werden wir doch noch zu Entdeckern eines Schatzes und legen ein 30 bis 40 cm großes Ofenbein frei. Ha, wer sagt's denn. Kurz später finden wir noch einen 20 cm langen Nagel mit drei Zentimetern Durchmesser, einen acht Zentimter großen Eisenring und die tollste aller Entdeckungen: eine Zange mit Plastikgriff. Das Buschmesser, das Alessandro vor einem Jahr mal irgendwo auf unseren 3,5 Hektarn "verloren" hat, bleibt jedoch unentdeckt. Gleiches gilt für den Goldschatz. Alle erzählen, dass hier irgendwo ein Topf mit Gold vergraben sein soll. Aber das erzählen sie auch von anderen Grundstücken in ganz anderen Regionen.

Wir selbst haben auf unserem Grundstück beim Ausheben von Pflanzgruben schon etliche Tonscherben gefunden. Nein, keine steinalten, eher so aus den letzten hundert Jahren herum. Die Geschichte unseres Fleckchens ist dennoch bewegend. Unser Feld-Waldweg soll mal bis nach São João de Graciosa geführt haben. Von dort aus gibt es die Berge hinauf einen alten Pfad, der einst von den Indios, später von den Jesuiten und heute von den Touristen benutzt wird, um zur Hochebene von Curitiba zu gelangen.

Antonina selbst gilt als alte Goldsuchersiedlung. Bevor sie im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais Edelsteine und Gold entdeckt haben, sind rund um Antonina die Goldsucher unterwegs gewesen. Unser Geologe hat erzählt, dass selbst nach neueren Studien hier noch das Edelmetall in den Flüssen und Sedimenten sein soll, allerdings in so geringen Ausmaßen, dass Grabungen nicht lohnen. Auch die Flurnamen deuten auf den kleinen Goldrausch vor drei- bis vierhundert Jahren hin. Faisquerinha, Funken, wurden Gebiete genannt, in denen es Gold gab oder zumindest vermutet wurde. Bambueiro nannten sie Gebiete, wo sie tatsächlich das Edelmetall gefunden hatten. Unser sítio gehört zum "Bambueiro". Und ich dachte einmal, dass das irgendwas mit Bambus zu tun hat, bambu, wie der in Portugiesisch heißt.

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