Freitag, November 29, 2013

Tierisches

Als ich am Montag von der Stadt nach Hause kam, wartete Alessandro schon an der Abbiegung zur Teerstrasse. Stur starrte er in eine Richtung, nicht dorthin, wo der Bus halten sollte, sondern genau entgegengesetzt. Es war noch hell, es regnete nicht und ich hatte auch keine schweren Einkäufe zu schleppen. Warum war er gekommen? Was war los?

Die Suçuarana ist wieder da, sagte er nur. Die Suçuarana, eine Raubkatze, ein Puma. Von der Nasenspitze, bis zum Schwanzansatz soll sie 2,4 Meter messen. Zwischen 50 und hundert Kilo soll sie wiegen. Bestätigen kann ich das nicht. Gesehen haben wir die Raubkatze noch nie. Nur gehört haben wir sie. Ihre Fussabdrücke haben wir im Wald gefunden und rund um unseren Brunnen herum. Das war vor fünf Jahren, als unsere beiden Hunde noch Babies waren und deshalb in der Hütte schlafen durften. Wir hatten damals versucht, die Gippsabdrücke von den Pfotenspuren zu machen. Leider sind die zerbröselt, als wir sie wenig später hochhoben.

Die Suçuarana ist eine der drei grossen Raubkatzenarten, die es in Brasilien gibt.
Foto von der Fundação Oswaldo Cruz (
http://portal.fiocruz.br/) ausgeliehen.


Aber zur Geschichte. Wir waren kaum in den Wald gezogen, als wir eines nachmittags ein gewaltiges Spektakel vernahmen. Ein Gefauche und Miaue, so als würden sich zwei Hauskatzen paaren, nur ewig laut, so laut wie ein Löwengefauche im Zoo. Damals sind wir mit Stecken und Facão (Schlagmesser) losgezogen, um die beiden liebestollen Raubkatzen zu vertreiben. Nein, keineswegs todesmutig. Suçuaranas sind eher scheue Tiere und leben fernab von Siedlungen. Normalerweise flüchten sie, wenn sie das ihnen unbekannte oder unheimlich vorkommende Tier Mensch ausmachen. Es sei denn, man ist beim Angeln eingenickt, sitzt geduckt mit dem Rücken zu ihnen oder sie fühlen sich bedroht.

Zwischenfälle sind selten, aber es gibt sie, auch wenn die Zahl der Raubkatzen in Brasilien stark abgenommen hat, weil zum Einen ihre Lebensräume immer kleiner werden, zum Anderen ihre Nahrungsmittel (Kleintiere) abnehmen oder der Mensch sie jagt.

Das Spektakel hat sich in den vergangenen vier Jahren nicht wiederholt. Wir dachten, die Suçuarana hat längst das Weite gesucht, angesichts unserer lautstark bellenden Hunde, unserer und der Nachbarn Gegenwart. Um so erstaunter war ich, als Alessandro mir von der neuen akustischen Begegnung erzählte.

Bist du sicher?
Logisch.
Zum Beweis machte er das Fauch-Miaue nach.
Kurz später, als wir den Erdweg entlang zu unserem Häuslein stakten, hörte auch ich sie. Ganz in der Ferne. Wahrscheinlich schon am anderen Hügel. Alessandro sagt, am Nachmittag sei das Fauch-Miaue und somit der Puma ganz nah gewesen. Ganz nah, heisst nicht vor dem Haus, aber eben irgendwo im Wald ums Haus herum. Mit gehörigem Respekt zog ich nachts zur letzten Gassirunde mit den Hunden los, hielt sie an Fuss zu gehen, leuchtete trotz Mondeslicht nach vorne, hinten, rechts und links während ich versuchte, möglichst leise aufzutreten, um den Geräuschen im Gebüsch zu lauschen. Nichts war da. Nur ein Tatu, ein Gürteltier kruschelte irgendwo herum. Die Suçuarana ist längst wieder weiter gezogen. Wahrscheinlich war sie nur in unsere Nähe gekommen, um nach ihren Paarungspartner zu suchen. Denn eigentlich lebt sie in den Sommermonaten eher weiter die Berge hinauf.


Und hier noch ein kleiner Videoclip über eine Suçuarana oder Onça Parda wie sie auch genannt wird, die auf dem Gelände einer Pousada in Mato Grosso (im Westen Brasiliens) eine Capivara, ein Nagetier erlegt.


das nächste Video ist ein wenig wackelig, weil der Herr der Pousada näher ans Geschehen ran ging und ein wenig vor Aufregung zitterte:



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