Dienstag, Juli 12, 2011

Uffa

mitten in der Nacht machte es seltsame Geräusche. Ich war gerade beim Spülen, Alessandro am Brunnen, wasser holen. Da trampelte es, machte es wisch und wumm und matsch. Seltsam, dachte ich mir, wir haben doch gar keine Pferde. Aber von wo kommt denn dann das Pferd her? Und was macht es hier? Und wo ist es hin gelaufen? Es ist am Haus vorbei gestürmt. Das habe ich gemerkt. Und dann?

Mit der Taschenlampe in der Hand stürme ich aus dem Haus, hin zur vermeintlichen Pferstelle. Die Katzen sind auseinader gestoben, haben Bäume und Dach erklimmt, sich in Sicherheit gebracht. Alessandro steht schon da, neben dem Schuppen. "Gabriela,, das Auto", sagt er. Das Auto steht da oben, neben der Strasse, auf seinem Stellplatz, träumt vor sich hin. Was soll mit ihm sein? Werfe trotzdem das Licht der Taschenlampe in Richtung Stellplatz. Statt Autop, steht da nichts. Wo ist es hin? Mir dümpelt es. Es war kein einzelnes Pferd, das da den Hang hinunter rauschte. Es waren 70 oder 100 Pferdestärken. Pferde in Form unseres Opel Astra, unseres Robocops.

Da stand er nun, an ein Bäumchen angelehnt. Rechts und links lugten unter ihm ein paar zerquetschte Blätter eines Baumfarnes hervor. Alessandro den Tränen nahe. Ich belustigt über die surreale Szene unseres Robocops inmitten der Pflanzen. Alles in Ordnung. Es ist nichts passiert. Nur die Stossstange und der hintere Scheinwerfer sind eingedetscht. Katze wurde keine überrannt, das Haus steht noch und uns geht es gut. Kein Grund zur Panik, hatte sich doch nur die Handbremse gelöst.

Wie wir das Auto da wieder rausbekommen werden, war mir zu dem Zeitpunkt noch unklar. Es hatte ein Blumenbeet überquert, eine vom Regen aufgenässte Mulde ebenso und stand nun äusserst ungut an einen Baum angelehnt, zwischen Baumfarnen, im Matsch und etwa 30 Meter von der Strasse entfernt. Von mir aus können wir es auch da lassen. Obwohl es sich da unten sicherlich schwerer verkaufen lässt, als fahrbereit neben der Strasse. Ich kann es momentan ja sowieso nicht nutzen. Habe es noch nicht geschafft, meinen Führerschein umzuschreiben. Das Problem: wir haben keinen Strom. Ohne Strom keine Rechnung. Ohne Rechnung keinen Wohnortnachweis. Sind gerade dabei nach alternativen Wohnortsnachweisen zu suchen, die von der Verkehrsbehörde auch anerkannt werden.

Am nächsten Morgen stand Alessandro früh auf, seinen Robocop retten. Gemeinsam bockten wir ihn auf, um die Baumfarne unter ihm auszugraben. Auf denen hatte er aufgesessen. Dann besorgen wir uns Schubkarrenweise grosse Steine, um eine Fahrspur anzulegen. Zentimeter für Zentimeter bewegten wir das Auto nach vorne. Dann kam ein Nachbar. Sah das Dilemma und dreht um. Ging nach Hause, um mit Seil und Auto wieder zu kommen. Drei Seile habewn wir aneinander gebunden, um 30 Meter Hang zu überwinden. Es klappte. Nach und nach kroch unser Robocop nach oben, den Hang hinauf.

Kommentare:

mondin hat gesagt…

Donnerwetter, was ne Aktion, und was für ein Schrecken !!

Das ist ja doof mit dem Nachweis...gilt die Wasserrechnung denn nicht im NOtfall ? Da stehen doch auch fast alle Daten, jedenfalls die Adresse, Name, etc. drauf !

Was macht Ihr denn ohne Auto soweit weg vom Ort ?

Mich hat in den Jahren hier, bis ich meinen Lappen umgeschrieben habe, nie jemand kontrolliert !

Liebe Grüsse und viel Glück

Ursel

Gabriela hat gesagt…

hallo ursel,
wir haben nur wasser vom brunnen...

ohne auto ist zwar etwas umständlich, aber es geht: per rad, per omnibus, mit dem nachbarn...

aber der schrecken sass tatsächlich tief. stell dir das mal vor, mitten im dunklen, mitten in der nacht und aus dem nichts...

ganz liebe grüsse
Gabriela