Samstag, Juli 18, 2009

Sterne und Steine und Zukunftsmusik

eigentlich wollten wir heute Bambus schneiden. Marcia hat sie mir angeboten. Der Mond perfekt. Abnehmend. Das Sternzeichen perfekt. Ein Wärmetag. Der fällt allerdings etwas kühl aus. Es regnet. Gar nicht gut, um 30 Meter hohen Bambus zu schneiden. Dabei hatte ich schon alles vorbereitet. Hatte eine dicke Folie gekauft, mit der ich eine Art Trockenkammer bauen wollte. Hatte schon den Abzugskamin für die feuchte Luft aus einem alten Rohr gebastelt, ihn sogar mit Dächlein versehen, damit es nicht reinregnen kann. Hatte alles im Auto verstaut, samt 15 Meter dickem Seil, Sägen, Macheten und Ziegelsteinen, auf denen der Bambus lagern sollte. Wir wollten nach und nach die Bambusstangen mit bis über 30 Zentimeter Durchmessern (!) schneiden und gleich in Stücke zersägen und sie erst einmal bei Marcia lagern, um sie dann später zu uns liefern zu lassen. Später auch deshalb, weil die Strasse immer noch nicht befahrbar ist. Inzwischen hat aber ein paar Kilometer weiter ein Steinbruch eröffnet. Rätselhaft, wie er die Genehmigung von der Umweltbehörde dazu bekommen hat, einen ganzen Bergrücken der Regenwaldriesen zu berauben und nach den Sprengungen mit Dynamit dem Berg die Felsen zu rauben und ein Loch in der Gegend zu hinterlassen. Andererseits kommt der Steinbruch gelegen. Bisher haben sie hier rund um Antonina zum Strassen- und Wegebau Steine aus Bächen verwendet. Was aus ökologischer Sicht auch nicht gerade zu befürworten ist. Die Bäche graben sich weiter ein, die Kinderstube vieler Fische und Insekten (kiesiger Boden) wird zerstört. Mit dem Steinbruch wird das wohl jetzt ein wenig aufhören. Nur 30 R$ (ca. 12 Euro) soll ein Kubikmeter Steingemisch kosten. Wesentlich weniger als wir beim letzten mal gezahlt haben. Sollte es mal aufhören zu regnen, werden wir wohl ca. 10 Kubikmeter kaufen und die schlimmsten Löcher und Schlammstellen der Zufahrtsstrasse damit ausbessern. Dann so hoffen wir, kann auch ein Kleinlaster zu unserem Hüttlein gelangen. Dann können wir uns endlich Baumaterial und Bambus liefern lassen, ohne dass wir Zement, Sand und Co in Knochenarbeit Stück für Stück 500 Meter weit über Schlamm schleppen.

Nur werden wir dazu noch ein wenig warten müssen.

Morgen soll es leider auch noch regnen. Danach ist erst einmal ein Kälte- oder Wassertag. Beide nicht zur Bambusernte geeignet. Die Zeit rast. Der nächste abnehmende Mond ist schon der letzte, der sich für die Bambusernte eignet. Danach setzt die Frühjahrsregenzeit ein. Warum die Wetterpropheten wohl von Regenzeit im Frühjahr reden? Es regnet eigentlich ständig.

Naja zwischendurch gibt es auch Sonnentage. Dann sitzen wir morgens unter den Bäumen beim Frühstück oder unter dem Foliendach der Werkstatt, wenn sich der Nebel noch nicht gelichtet hat. Manchmal hüllt er unsere kleine Welt bis 9 Uhr ein.

Anders als ich es erwartet habe, finde ich den Winter hier in der Beinahe-Wildnis gar nicht so schlimm. Wir haben den Boden unseres Hüttleins mit leeren Milchtüten (Tetrapacks) isoliert und darüber eine Art Pressspan (aus wirklichen Holzresten) verlegt, so dass es drinnen relativ angenehm ist, auch wenn es vor der Tür nur an die 10 Grad hat.

Verändert hat sich aber auch unser Rhythmus. Wir sind Frühschläfer und Morgenstundnutzer geworden. Ohne Strom gibt es nachts nicht viel zu tun. Eine kleine Gaslampe spendet zwar ein wenig Licht, funzelt aber eben nur so vor sich hin, als dass sie den Raum wirklich erhellen würde. Zum Kochen und Ratschen reichts. Nur eben zum Lesen, Schreiben oder Planzeichnen nicht. So kommt es, dass wir gegen 21 Uhr meistens schon in der Hängematte oder auf dem Sofa dösen. Morgens gegen 6 oder 7 wecken uns dann schon die restlichen Hüttenbewohner. Katzen wollen Futter haben. Hunde wollen Gassilaufen. Und bald werden wohl auch noch die Bipperl um Könerl bitten. Denn aus den Resten des Bambus werden wir eine Hühnerburg bauen. Aber das ist auch noch ein wenig eine Zukunftsmusik....

Kommentare:

mondin hat gesagt…

Hallo Gabriela,

das habt Ihr ja klasse hingekriegt mit der Isolierung !! Aber mal ne andere Frage: wo bekommt Ihr Warmwasser zum Duschen her oder duscht Ihr etwa kahahalt ?
Der Regen nervt auch hier, weil dadurch die Stadtverwaltung immer noch einen Grund hat, sich rauszureden, warum sie unsere Strasse noch nicht asphaltiert hat.
Aber im Vergleich zu Deinen Transportproblemen ist das natürlich nichts.

Habt Ihr nur den Fussboden isoliert oder auch die Wände ??

Reschpekt vor Eurem Pioniergeist !!!

LG und warme Füsse
Ursel

der Gauzibauz hat gesagt…

Liebe Gabriela,

eure Disziplin bewundere ich sehr!Um sowas aus dem Boden zu stampfen braucht's einiges.Eure Naturnähe, nicht nur die zur Landschaft sondern, dass ihr quasi mit den Tieren lebt, finde einfach toll.Die Anpassung an die Gegebenheiten verlangt euch sicher richtig was ab.

Alles Gute für euch//Erika

Zwillings-Sonne hat gesagt…

Ja, Respekt! Und: Irgendwie hört es sich auch äußerst gesund an - besonders für mich als degeniertem und von den natürlichen Rhythmen und Zyklen entferntem Stadtbewohner-Wesen. Die Mitte zwischen beiden Optionen - das wär´s für mich.
Schön, daß es euch gut geht!
Alles Liebe, Sati

Gabriela hat gesagt…

Hallo Ursel,
das mit dem Warmwasser ist einfach: wird im Kessel auf dem Gasherd erhitzt, in die Giesskanne gegossen und mit dieser geduscht...
funktioniert! Kann es aber trotzdem kaum noch erwarten, bis wir wieder ein richtiges Bad haben. Bin schon auf die Idee gekommen, in ein Motel zu gehen, um dort im Jacuzi zu fröhnen und anschliessend eine Stunde lang heiss zu duschen...


Isoliert sind fussboden und decke. Die Holzwände werden beim Hausumanbau dann ausgetauscht gegen verputzte Bambuswände, die
sehr gut isolieren. Bis dahin wird es aber noch ein wenig dauern...

Sati, Erika, Ursel und euch allen
ganz liebe Grüsse

Gabriela