Dienstag, April 08, 2008

Ein kleiner Schritt nach vorn

Am Sonntag ist es uns tatsächlich gelungen, den Sebastião kennenzulernen. Seine Chacara, ein kleines landwirtschaftliches Anwesen, ist ein paar hundert Meter weit entfernt. Wir platzten mitten in ein Familienfest hinein. So dachte ich zumindest. Nein, nein, es sei kein Fest. Es seien nur ein paar Verwandte, Freunde und Nachbarn zu Besuch, erklärte mir eine der vielen Frauen.

Sebastião stellte sich als ganz nett heraus. Er arbeitet in Curitiba und wird uns helfen, Unterschriften von Nachbarn zu sammeln, damit wir das Grundstück als unseres eintragen lassen können. Einige der Nachbarn wohnen in Curitiba.

Unser Besuch hat sich als Glücksfall heraus gestellt. Den Vater von Sebastião haben wir gleich angeheuert, dass er die Grenzen freilegt. Voller stolz hat uns der ältere Herr seinen Benzinmäher vorgeführt. Er habe schon für einen unserer Nachbarn die Grenzen freigemäht, sagte er, nachdem ich ein wenig skeptisch war. Klein, schmächtig und mindestens nahe der 70 ist er, aber er scheint voller Energie zu sein. Hat gleich noch davon erzählt, dass er in dem Gebiet schon einmal einem Jacare, einer Art Aligator, begegnet ist. Die würden sich nämlich in unserem Sumpf sehr wohl fühlen, weil sie da so schön ungestört seien. Wir sollten Safaris auf unserem Grundstück anbieten. Als er mir seinen Preis nannte, wollte ich schon wieder absagen. Viel zu teuer. 100 Reais. Das verdienen andere nicht einmal in einer Woche. Und eigentlich sind es auch nur ein paar Stunden Arbeit, weil wir schon einen Teil erledigt haben. Nein, nein, er würde sauber arbeiten und einen zwei Meter breiten Streifen mähen und überhaupt sei die Arbeit ja auch anstrengend, weil er im Sumpf bis zum Rumpf im Wasser stehen würde. Das stimmt. Die 100 Reais habe ich ihm trotzdem noch nicht zugesichert. Zuerst will ich das Ergebnis sehen, habe ich gesagt. Ausserdem muss er mit dem Preis runter, weil er ja nicht alles mähen muss. Er hat eingewilligt. Vielleicht diese Woche, hat er gesagt, wird er sich an die Arbeit machen. Je nachdem wie das Wetter ist. Vielleicht auch erst nächste Woche, weil er noch einen "Service" für jemand anders machen muss. Wir haben uns geeinigt, dass er bis Sonntag gemäht hat. Bin ja gespannt.

Einer der Gäste hat zudem mit dem Sebastião zusammen einen Lieferwagen und macht Umzüge. Und auf dem Grundstück eines anderen Nachbarn wächst Bambus. Da darf ich mir "was abschneiden", haben sie gesagt. "Und, Mädel, wenn dir Bambus so gefällt, kann ich dir ganz viele Pflanzen besorgen, die du auf deinem Grundstück pflanzen kannst", hat der Vater noch hinzugefügt.

So wie es aussieht, haben wir einen kleinen Schritt nach vorne geschafft. Ob dem tatsächlich so ist, werden wir am nächsten Sonntag sehen. In der Zwischenzeit werde ich weiter an meinem alternativen Warmwassererhitzer basteln und Alessandros Mutter bei den Vorbereitungen für ihre Lanchonete helfen, ein kleiner Schnellimbiss, aber das ist eine andere Geschichte, über die ich die nächsten Tage mal schreiben werde. So wie es aussieht wird da nämlich einiges an Arbeit auf mich zukommen, denn wenn alles gut geht, wird Alessandro auch bald zu arbeiten anfangen, noch eine Geschichte....

Kommentare:

Zwillings-Sonne hat gesagt…

Hurra! Es geht los. Und das ist die brasilianische Version eines Baumarktes: Die Nachbarn, die wissen, wo man was kriegt und immer einen kennen, der es gerade hat - oder wenigstens einen, der einen kennt, der ....
Toll. Ich freue mich ehrlich mit beim Lesen. De corazón,
Anuja

kvinna hat gesagt…

Jedenfalls bist du ja wohl eine coole Verhandlungspartnerin in Sachen "Preis für's Mähen". Schon mal 'ne gute Voraussetzung - ich hätt' mich schon längst belatschern lassen! Scheint, du brauchst viele Talente.

Gabriela hat gesagt…

Hallo Anuja,
stimmt, unsere Version des Baumarktes sind die Nachbarn. Sehr treffend ausgedrückt.

Hallo Kvinna,
hier wirst du zur Verhandlerin - nachdem sie mich ein paar mal über den Tisch gezogen haben, habe ich einfach keine Lust mehr dazu, das mit mir machen zu lassen. Ich lerne dazu. Wenn ich will, kann ich mich auch so benehmen, wie sie sich benehmen: stur. Und ich sage dir, das tut richtig gut. Immer gelingt es allerdings auch nicht. Naja, ich werde weiter üben...

euch beiden und dem Gefiederten ganz liebe Grüsse
Gabriela