Sonntag, Dezember 16, 2007

Flügel im Bikini

Alle Jahre wieder fliegen die Termiten hernieder....

So auch gestern und vorgestern. So bald es nachts so um die 25 Grad oder mehr hat, schlüpfen sie aus ihren Löchern und fliegen zum Licht. In tausender Scharenw haben sie die Glühbirnen umkreist. Bis ich ihnen mit einer Schüssel Wasser zu Leibe gerückt bin. Weil sich das Licht im Wasser spiegelt, fliegen sie auch dorthin und, ja, ertrinken. Grausam. Grausam auch, Schnecken mit Salz bestreuen oder mit Bierfallen ködern.

Die Termiten fressen uns keinen Salat weg. Sie nisten sich dafür in allem ein, was irgendwie einem Holz ähnelt oder Strukturen davon aufweist, wie Zellstoff oder Fasern. Sie fressen sich durch Hosen, Hemden und Röcke, hinterlassen gelöcherte Bücherseiten und schaffen es, in kurzer Zeit ein Massivholzbett in ein Papierartiges, gebrechliches Gerüst zu verwandeln. Die kleinen Biester sind schnell. Manchmal schneller, als die Zeit, die für Reparaturen bleibt. So haben sie es auch verhindert, dass sich die Eisenbahn durchgesetzt hat. Noch bevor eine Strecke beendet war, hatten sie aus den Holzbohlen Rippchen gemacht. Bis die Techniker herausgefunden hatten, welches Holz sie weniger attackieren und was für ein Gift es gegen sie gibt, war der Dampf raus aus den meisten Bahnlinienprojekten, mit denen Städte und das Hinterland mit der Küste hätten verbunden werden sollen.

Borsalz soll helfen. Das gilt aber nur zur Vorbeugung. Einmal drinnen im Holz, müsste in jedes Fraßloch eine Injektion gespritzt werden. Bei tausenden nur zehntelmilimeter großen Nistlöchern ein Sysiphus-Unterfangen. Gleiches kann auch zur Flügelbeseitigung gesagt werden. Der Copim (Termiten) fliegt nur wenige Minuten, dann wirft er seine Flügel ab, sucht sich einen Gesellen und einer hinter dem anderen wandert einer kleinen Schlange ähnlich die Wände und Möbel hoch, auf der Suche nach leckerem Holz. Die Flügel indes fliegen beim leisesten Hauch auch ohne ihren Wirt hoch. Wer schon einmal versucht hat, die Samenschirmchen von Löwenzahn einzufangen, kann nachvollziehen, was es bedeutet Termitenflügel aufzukehren.

Zum Schluss war ich schon so weit, einfach Wasser auf den Boden zu kippen. Etliche Termiten sind da gleich samt Flügel kleben geblieben. Sie dann aber aufzuwischen, war nicht leichter, als trocken zu arbeiten. Jeder Wisch verteilte zusammengewutzelte Flügel und Tierchen gleichmässig. Irgendwann gegen drei Uhr morgens hatte ich es dennoch geschafft, wieder so etwas wie Ordnung zu bekommen. Die meisten Termiten hatten sich zudem wieder ihrer Ruhephase gewidmet.

Im Morgengrauen sind sie wohl wieder geflogen. Tausende Flügel flimmerten mir beim Aufstehen entgegen. Es ging also weiter mit kehren, putzen, wischen.

Zum Glück machen sich die Termiten nur einmal im Jahr zum Hochzeitsflug auf. Nach ein paar heissen Nächten, ist es dann auch schon vorbei mit der jährlichen Flügelwischaktion, die sich rechtzeitig zur Weihnachtszeit einstellt. Flügel statt Schneeflocken und im Bikini Lebkuchen backen. Mein brasilianischer Advent....

Kommentare:

kvinna hat gesagt…

Hm, ich stelle mir vor, dass diese "verkehrte Welt" dich nicht daran hindern wird, Weihnachtsgefühle zu entwickeln...MEINE wollen in diesem Jahr noch nicht so recht...

Gabriela hat gesagt…

Hallo Kvinna,
der Sommer ist bisher etwas kühler als sonst. Beim Backen der Lebkuchen habe ich zwar ganz schön geschwitzt, aber ansonsten geht es noch. Und bei angenehm kühlen 27 Grad stellt sich dann doch so etwas wie Weihnachtsgefühl ein. Ich habe dieses Jahr sogar Sternchen für die Fenster gebastelt und mit gelbneon und farbenprächtigem orangenen Glitter bestückt. Sieht lustig aus....
Noch eine schöne Restadventszeit wünscht dir
Gabriela

mondin hat gesagt…

Hallo Ihr beiden,

whow,Gabriela ! Du bäckst JETZT Lebkuchen ?! Alle Achtung..

Hier waren es vorletzte Woche so an die 40 Grad. Da hab ich einfach keine Lust, den Ofen zu nutzen. Ausser einmal die Woche für's Brot.

Wir hatten das Phänomen, das Du mit Termiten beschreibst auch, allerdings zum Glück nur mit Flugameisen ! Und im Haus haben die auch nix gesucht, nur draussen das Licht.

Ich weiss nicht, von wegen Weihnachtsgefühle entwickeln, Kvinna : Ich hab' grade heut morgen gedacht, dass für mich doch Weihnachten und Dezember immer im Winter bleiben werden. Das ist einfach so in mir drin und kann nicht einfach geändert werden..

Was das denn nun ist, was wir hier feiern ? Ich bezeichen es für mich mal als Mittsommer :)

LG und alles Liebe

Ursel

Gabriela hat gesagt…

Ja, Ursel, frage nicht, wie mir das Wasser von der Stirn gelaufen ist. Knapp 100 sind's geworden. Den letzten hat heute Alessandros Vater vertilgt. Jetzt werde ich aber keine mehr backen... eindeutig zu heiss...
Sei froh, dass es nur die Ameisen waren. Hast du die Termitenteile einmal im Haus, kriegst du sie kaum mehr raus....
wünsche dir und deiner Familie eine schöne Mitsommernachtsfeier....
alles Liebe
Gabriela