Samstag, Dezember 15, 2007

Achterbahn

Hui runter. Und hui, wieder rauf und gleich zum beinahe Absturz. Zwischen den verschiedensten Gefühlswallungen bleibt mir momentan kaum Zeit für irgendwas, geschweige denn für einen konstruktiven Gedanken. Ein Leben in der Achterbahn. Nervenaufreibend. Himmelhochjauchzend, zum Heulen betrübt.

Wir waren noch einmal draussen, um uns den Bach auf besagtem Grundstück näher anzusehen. Er ist ein Traum. Glasklares Wasser schlängelt sich durch einen unberührten Urwald auf der einen Seite und durch eine verwilderte Bananenplantage auf der anderen Seite. Wir sahen uns schon des Sommers in seinem kühlen Nass liegen. Schwupps kam der Ruck der Ernüchterung. Leider frisst er sich auf der Plantagenseite, auf der eigentlichen Nutzseite, ins Gelände. Das liesse sich ein wenig eindämmen, wenn wir dort Bambus pflanzen würden. Bei der Umweltbehörde wurde uns heute aber erklärt, dass wir mit dem Bach gar nichts machen dürfen und zusätzlich noch einen Abstand von 30, in Worten: dreissig (!), Metern einhalten müssen. Meine Ökoseele sagt mir, das ist in Ordnung. Es ist auch genügend Platz, um Haus, Gästehaus und Werkstatt in entsprechendem Abstand zum Bach zu bauen. Weil das ganze aber in einer Art Reservat liegt, dürfen wir auf den 30 Metern nichts anbauen und nichts nutzen, egal ob wir biologisch wirtschaften oder nicht. Dass da jetzt in dem 30 Meterstreifen nichts als Bananen und weisser Ingwer wächst (hier eine exotische und ausgewilderte Pflanze, die die heimischen Arten verdrängt), störte die Umweltbeamten nicht. Wir dürften sie innerhalb des Streifens nicht nutzen und überhaupt würden wir irgendwann aufgefordert, das 30 Meter-Ufer wieder zu renaturieren. Und ob wir uns auch daran halten, das könnten sie ab dem nächsten Jahr via Satelit kontrollieren. Wir könnten aber auch eine Projekteingabe machen, hiess es. Einen Plan vorlegen, was und wie wir renaturieren und was und wie wir nutzen und dann könnten wir mit viel Glück vielleicht doch noch ein wenig mehr nutzen - oder auch nicht. Ein wenig müssten wir freilich warten, bis die Bürokratie all ihre Blätter und Stempel verdaut habe, aber besser wäre es, uns gleich ein anderes Grundstück zu suchen.

Jetzt stehen wir also wieder da und müssen wieder von vorne anfangen. Wir sind die Gegend schon etliche Male abgefahren. Haben etliche Grundstücke besichtigt und tausende Telefonnummern notiert. Ein bisschen bin ich gerade demoralisiert. Vor Montag werden wir aber nichts entscheiden. Am Wochenende beginnt die Sommersaison. Damit besteht uns der Einbruch der Touristen bevor mit hektischen Autolenkern und genervten Staustehern. Da bleiben wir lieber zu Hause.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlimm, wenn wir nur 6.000 m² vom Gelände nutzen könnten. Ich finde für Medizinkräuter und so ist das noch jede Menge. Wir könnten ja auch versuchen, nach und nach noch irgendwo in der Nähe einen Acker zuzupachten.

Von einigen Anwohnern haben wir aber auch erfahren, dass eine amerikanische NGO (non govermental organisation) dabei ist, Grundstücke für den weltweiten CO2-Handel aufzukaufen. Nach dem Motto, ich biete dir ein wenig Regenwald und du kannst dafür mehr Dreck in die Luft schleudern. Diese NGO ist zudem für ihre Radikalität bekannt. Mehrmals am Tag würde sie den Bach und die Gegend überfliegen, haben Anwohner berichtet. Noch haben sie nicht versucht, dort alle Anwohner zu vertreiben. In anderen Gegenden hier in der Nähe ist ihnen das aber schon gelungen. Da haben sie Besitzer kleiner landwirtschaftlicher Anwesen so lange von der Umwelt abgeschnitten und schikaniert, bis diese gezwungenermassen freiwillig abgezogen sind. Gut, ich lasse mich in der Regel nicht so schnell einschüchtern.

Inzwischen kreisen meine Gedanken schon wieder um unsere Zukunftsidee. Sogar der Berater vom Landwirtschaftsamt meinte, dass es klappen könnte und hat uns gleich schon seine beraterische Hilfe zugesichert. Er ist Fan von Passionsfrüchten und essbaren Palmen. Mit beiden Kulturen hätten wir wenig Arbeit, meinte er mit einem Blick auf unsere Schrundenfreien Hände. Eine Palmenreihe am Grundstück entlang hört sich doch gut an, oder nicht?

Naja, jetzt gehe ich erst einmal schlafen. Vielleicht träume ich ja davon, wo sich unser künftiges Findhorn befindet......

Kommentare:

Mondgöttin hat gesagt…

Hi Findhornfinderin,
lass Dich nicht frustrieren, es wird einen Weg geben. Wie geht denn die Landwirtschftliche Station in der Nähe mit der Situation um ( Bach, NGO usw.), vielleicht habn die ja einen "Typisch" brasilianischen Umgang damit gefunden.
(Die QUetschn hab ich noch nicht geholt, ich muss erst noch meine Einwendungen in Sachen 3. Startbahn fertig machen,nach dem 18. fahre ich raus)

Anonym hat gesagt…

Hallo Süsse,
das Gesetz wurde erst vor kurzem gültig. Damit haben die bisher schon genutzten Bachstreifen so eine Art Bestandschutz. Würde sich die Nutzung ändern, zum Beispiel aus einer bis zum Bach reichenden Weide ein Acker werden oder umgekehrt, schreitet das Umweltamt ein und verbietet das erst einmal. Selbst die vom landwirtschaftlichen Versuchsgut haben eingeräumt, dass sie so manches Mal vor bürokratischen Schwierigkeiten mit dem Umweltamt stehen. Ich habe mir schon überlegt, dass wir ja 30 Meter Bananen einfach stehen lassen können. Aber im Endeffekt ist es wohl wirklich besser, wenn wir uns nicht auf das Grundstück versteifen, sondern erst einmal weiter suchen. Vielleicht finden wir ja tatsächlich eins, das besser zu unseren Ideen passt. Ich hatte mich nur schon so darauf gefreut, endlich loslegen zu können. Und jetzt drehe ich also schon wieder Warteschleifen....
Sag mal, dass die so an der 3. Startbahn festhalten ist ja auch ein Ding. Die sollten mal mit dem Sarkozy oder wie der heist reden. Wollte der Franzose nicht alle weiteren Ausbauten von Flughäfen verbieten und eine Flugbenzinsteuer einführen und überhaupt, bei der deutschen Regierung war doch auch so etwas im Gespräch wie eine weitere Steuer für Flüge. Naja, aber Bayern tickt eben anders. Wahrscheinlich sind da auch einige Millionen über den Tisch geflossen von Firmen, die jetzt unbedingt die 3. Startbahn wollen, weil sie am Ausbau verdienen. Fast so wie in Brasilien....
Lass dich nicht unterkriegen
Gruss und Kuss
Lulu - Gabriela