Dienstag, März 06, 2007

Mondgeschichten

Ein kleiner Nachtrag zum 03. März



Wir müssten eigentlich Vollmond haben. Stattdessen sieht der Mond so aus, als würde er zunehmen. Im Handschuhfach unseres Autos suche ich nach dem kleinen Kalender für Fischer, auf dem die Mondphasen mit “gut zum Fischen”, “schlecht zum Fischen”, “optimal” und “neutral” mit verschiedenen Farben gekennzeichnet sind. Ich kann die Blautöne nicht unterscheiden. Es ist zu dunkel, um wirklich etwas auf dem Kalender erkennen zu können. “Irgendetwas ist seltsam am Mond”, sage ich zu Alessandro. Der fährt konzentriert vor sich hin. Nachtfahrten sind nicht seine Stärke. Die haben wir noch zu wenig geübt. “Du siehst doch, dass es kein Vollmond ist”, brummt er mir mürrisch entgegen und lässt mich meine weiteren Erklärungen vor mich hin schwatzen, ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen. Mit dem Finger male ich ein kleines “a” in die Luft. Da passt der Mond einwandfrei hinein. Ein “a” steht eigentlich für abnehmend. Auf der Südhalbkugel ist aber alles anders. Hier nimmt der Mond zu, wenn sein Bauch links geschlossen ist und ab, wenn er rechts geschlossen ist. Ausserdem ist der Mond in Brasilien weiblich und nicht männlich. Naja, das ist weniger eine brasilianische Geschichte. Es liegt an der Sprache, dass die Mondgöttin hier einen weiblichen Trabanten inne hat.

Über die Baumwipfel hinweg beobachte ich das Himmelsgeschehen. Als wir die Hälfte der Fahrt hinter uns haben, bin ich mir sicher. Es muss eine Mondfinsternis sein. Ich habe ihn beobachtet der Mond. Von rechts her wird der Schatten immer grösser. Kurz vor Paranaguá ist nur noch eine kleine Sichel vom Mond übrig. Komisch, in den Abendnachrichten habe ich gar nichts davon gehört, dass es eine Mondfinsternis geben soll. Alessandro stimmt mir zu. Auch er habe nichts davon gehört, dass es heute ein solches Schauspiel geben soll und doch findet es statt. Als wir in die Tiefgarage des Supermarktes einbiegen, ist der Mond gänzlich im Schatten der Erde verschwunden, ist nur noch eine blasse, graue Scheibe zwischen den glitzernden Sternen zu erkennen.

Toll. Eine Mondfinsternis. Wie die sich wohl auf uns Menschen auswirkt? Die Auswirkungen auf die Technik erleben wir live. Unser PC hat endlich aufgehört zu arbeiten. An den Kassen im Supermarkt in Paranaguá gibt es lange Warteschlangen. Die Lesegeräte für die Kreditkarten wollen nicht so recht. Als ich damit zahlen will, geht nichts mehr. Wir geben auf, fahren ohne neuen PC nach Hause, bezahlen den Rest des Einkaufs bar und hoffen, dass wenigstens unser Auto anspringen wird.

Erst am nächsten Tag wird auch in den Nachrichten von der Mondfinsternis berichtet. Ganz so, als wäre das überhaupt nichts besonderes gewesen. Die nächst soll immerhin schon im August von Südamerika aus sichtbar sein.

Mondbelichtung



Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Oh schön, Deine Fotos !!!

BEi uns waren nur Wolken da und also nix zu sehen.
Meine Verwandtschaft wusste schon vorher davon, nun frag mich aber nicht, woher..

Liebe Grüsse
und abraços
Ursel

gabriela hat gesagt…

Hallo Ursel,
schade, aber die nächste Mondfinsternis ist ja schon bald. 27. August, wenn ich mich recht erinnere. Die vom Samstag war übrigens auch in Dtl zu sehen...
liebe Grüsse und Danke für deine schöne Karte (Ale war ganz begeistert, weil sie in portugiesisch war...)
Gabriela
P.S. wirf deine Babysachen mal nicht weg. Wir haben uns entschlossen, es ernsthaft noch einmal zu probieren - irgendwann - vor meinem 45....