Donnerstag, Februar 15, 2007

Mutterbrett und Mutterbett

jetzt war er schon wieder hin und schön langsam geht mir die Geduld aus. Die "placa mãe", das motherboard, mutterbrett, war verdreckt. Jetzt ist sie wieder sauber. Poliert mit einem Kontaktspray aus Deutschland, wie mir der PC-Mechaniker ganz stolz mitgeteilt hat. Doch auch mit dem Wundermittel, so schätzt der Herr Mechaniker, werde das Mutterbrett höchstens noch so um die fünf bis sechs Monate seinen Dienst tun. Dann wären die Kontakte restlos korridiert. Die Maresia, die Meerbrise, die hier an der Küste so ziemlich alles zum Rosten und Schimmeln bringt, sei schuld, sagt er und gibt uns noch den Tipp doch den PC in einem mit Klimaanlage ausgestatteten Raum aufzustellen.

Während sich der PC langsam von seinem Mutterbrett verabschiedet, wird mein Körper immer mehr zum Mutterbett. Ich habe heute das Buch "Der Weg der Kaiserin" von Christine Li und Ulja Krautwald angefangen. Sam hat es mir geschickt. Da bin ich ihr ziemlich dankbar für. Es ist fast schon poetisch geschrieben, einfühlsam und klar zugleich. Erinnert mich ein wenig an Texte von Khalil Gibram.

Der erste Satz überzeugt schon: "Jede Frau kann Kaiserin sein...".
Stimmt. Ich hatte es beinahe vergessen. Um so schöner ist es, wieder daran erinnert zu werden. Eigentlich brauche ich ja nur hin und wieder einen Blick auf meine Mutter werfen. In den vergangenen vier Jahren ist sie zu einer wunderschönen, stolzen Kaiserin aufgeblüht - und das obwohl sie die 60 schon vor einiger Zeit überschritten hat. Es erfüllt mich immer wieder mit Freude zu sehen und zu merken, wie selbstbestimmt und fröhlich sie nun durch ihr Leben schreitet. Das hätte ich früher nie für möglich gehalten. Für alle möglichen Frauen, o.k., aber für meine Mutter? Auf keinen Fall. Und jetzt zeigt sie es uns! Recht so.

"Früherer Himmel - vor der Geburt: Aus dem Chaos entstehen die zehntausend Dinge" - so lautet eins der ersten Kapitel im "Kaiserinnenbuch". Nicht nur der Titel umschreibt den Beginn eines Lebens sehr gut, auch der Inhalt tut es. Begeistert lese ich da vom "Palast des Kindes", mit dem die Gebärmutter, mein Bauch gemeint ist. Mein Bauch als Palast, als Gefäss, in dem ein kleines Wesen heran wächst. Ein schönes Bild. Viel schöner, als es Ultraschallbilder je sein können.

Obwohl, der letzte Ultraschall war auch nicht schlecht. Der Arzt hatte Schwierigkeiten, die Dicke der Nackenfalte zu messen, mit der angeblich festgestellt werden kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Missbildung und eines Down-Syndroms ist. Das kleine Menschlein in meinem Bach ist hin und her gehüpft und wollte sich nicht vermessen lassen. Der Doktor war begeistert. "Sehen Sie doch wie munter ihr Baby ist", sagte er, um gleich zu fragen, ob ich dieses Menschenkind tatsächtlich töten würde, wenn er mir jetzt sagen würde, dass es eine Wahrscheinlichkeit für eine Behinderung gäbe. Nein, ich fand die Frage nicht merkwürdig. Im Gegenteil ich war dem Arzt dankbar dafür, es so klar ausgedrückt zu haben. Kurz vor dem Arztbesuch hatten wir über das "was wäre wenn" gestritten. Für mich stand dabei fest, dass ich nicht abtreiben würde.

Die Natur hat uns wieder Erwarten dieses kleine Weslein geschenkt und jetzt werden wir ein wenig abwarten, was daraus so wird....

1 Kommentar:

Corriendo Mundo hat gesagt…

Sieht so aus, als wolle das Leben für dich und dein heranwachsendes Kind die ganze Aufmerksamkeit, the full monty, todo. Deshalb zersprötzelt es andauernd das Computer-Mutterschiff, glaube ich.
Hauptsache dir, dem echten "Mutterschiff", und den beiden anderen dazu, geht´s gut.
Was ist eigentlich mit eurer Strandbar inzwischen so geschehen?
Freudige Aschermittwochsgrüße vom Zweigestirn