Donnerstag, Dezember 14, 2006

Bargeschichten

Wir haben ihn hinter uns, den ersten, nervenden Besoffenen. Als er ankam, sah er gar nicht so besoffen aus, orderte ein Bier, trank es brav. Dann stand er wieder am Tresen und lallte mir irgend etwas vor. Toll, dachte ich. Manuele war gerade mal in ihre Wohnung gelaufen, um zu duschen, weil wie üblich am frühen Abend noch nicht viel los war. überhaupt waren die vergangenen Wochen recht träge. Zwei Wochen Regen ohne Unterlass. Da ging kaum einer aus dem Haus und schon gar nicht zu unserer Kioskbar.

Am vergangenen Wochenende kam dann endlich die Sonne wieder raus und mit ihr die Leute aus ihren Häusern. Da stand ich also mit einem lallenden Brasilianer mir gegenüber. Er solle sich erstmal setzen, sagte ich und schob ihm einen Barhocker hin. Er gab nicht nach, wollte noch ein Bier. Ob er nicht lieber ein Wasser oder ein anderes Getränk wolle, fragte ich. Da blärrte er so etwas wie "grbrlelk ckjkjuerok jhksjlçjdu kuuuiola llllkkiaaaoo." Aha. Mit der Faust haute er auf die Theke, mit der anderen hielt er mir Geld entgegen. "Gut, ein Bier geb' ich dir noch. Dann ist Schluss, dann gehst du nach Hause oder sonst wohin. Und wenn du noch einmal auf die Theke haust, ist sofort Schluss." Da nahm er das Bier, setzte sich an einen der Tische und schlief ein. Ja, schlief ein, den Kopf sabbernd gen Brust geneigt, die eine Hand am Bierglas, die andere auf dem Oberschenkel.

"Was kostet denn ein Grillspieß", fragte am gleichen Abend ein etwas dicklicher, älterer Mann in Shorts und Unterhemd. "2 Reais", habe ich geantwortet. "Ist der schon durch", fragte der Mann weiter. "Klar", sagte ich und nickte. Noch ehe ich ihm den Spieß unter die Nase halten konnte, hatte er ihn schon in der Hand und den oberen Teil im Mund. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Vielleicht eine Fata Morgana. Aber nein, er hatte tatsächlich ein Stück abgebissen, auf dem er jetzt herum kaute. "Ist noch nicht durch", befand er und legte den Spieß zurück. " Vorsichtshalber habe ich mich gleich einmal schützend vor die anderen Spieße gestellt. "Das macht 2 Reais", habe ich gesagt und die Hand aufgehalten. Wieder verwunderte mich der seltsame Mensch. Er zahlte. Ohne zu murren. Nur, etwas mehr durch wollte er sein Fleisch. Von mir aus soll er es schwarz essen, dachte ich mir. Da kam Alessandro und kümmerte sich um das Grillzeug.

Ich widmete mich wieder unserem Besoffenen. Der war inzwischen aufgewacht. Ein wenig schaute er sich um. Dann griff er zum Windlicht, dem mit öl und Wasser und einer schwimmenden Dochtboje. Ich dachte noch, es gefällt ihm, unser Windlicht. Dem war nicht so. Ruckzuck führte er das Glas zum Mund und leerte es samt Boje aus. Nach einem kleinen Sekundenteil, holte er die Dochtboje im Zangengriff von Zeigefinger und Daumen aus seinem Mund heraus und warf sie zurück ins leere Glas. Fehlte nur ein Rülpser. Manuele sah mich an. Ich sah Manuele an. Kein Zweifel, auch sie hatte gesehen, was ich gesehen hatte. "Und jetzt?" "Jetzt nehm' ich ihm das Glas weg", sagte ich und setzte meine Worte in die Tat um. Dann forderte er noch zwei Bier, die ich ihm verweigerte. Vielleicht sei es besser, ihm die Biere zu gewähren, meinte Manuele, damit er das angeranzte öl-Wassergemisch besser verdauen könne. "Genau", dröhnte es vom Tisch herüber. Manuele, die nur schwerlich eine Bitte abschlägt, stellte ihm die zwei gewünschten Biere auf den Tisch. Eins davon trank er in einem Zug aus. Am zweiten nippte er dahin, bis er anfing, andere Gäste einzuladen und sauer zu sein, weil sich die nicht einladen lassen wollten. Zum Glück war inzwischen Manueles Freund eingetroffen. Der kannte den Besoffenen. Wusste, wo er wohnt. "Dann werde ich jetzt ein Taxi rufen, damit er gesund nach Hause kommt", sagte ich. Von einem Taxi wollte unser Besoffener nichts wissen. Kurzzeitig sah es so aus, als würde er sich überreden lassen, dass Junior, Manueles Freund, ihn nach Hause bringt. Als ich die Beifahrer Tür des Autos öffnete, änderte sich das schnell. Er versuchte tatsächlich, mich in sein Gefährt zu drängen. Da platzte mir leicht der Kragen. Entweder er lasse sich jetzt von unseren Jungs nach Hause bringen oder ich rufe ein Taxi, herrschte ich ihn an. Beleidigt liess er von mir ab. Ins Auto stieg er aber nicht ein. Er drängte Junior zur Seite und setzte sich wieder hin. "Also gut, dann schläfst du eben noch eine Weile." Das tat er, bis wir die Bar schliessen wollten. Dann ging das Drama wieder von vorne los. Irgendwann hatten wir alle so ziemlich die Schnauze voll. Taxis gab es keine mehr und der lallende Sperrling hatte es mit Gewalt geschafft, sich ans Steuer zu setzen. Ich war schon drauf und dran, die Polizei zu rufen. Nur der Hinweis der anderen, dass die ja nicht einmal käme, wenn es einen Einbruch oder Mord und Totschlag gäbe, hielt mich davon ab. Stattdessen kümmerten sich Alessandro und Junior um den Querulanten. Der fuhr tatsächlich davon. Alessandro saß auf dem Beifahrersitz und versuchte, gegen die Kurven des Besoffenen anzusteuern. Ich schrie Alessandro hinterher, dass er aus dem Auto aussteigen soll. Zu spät. Schon waren sie weg. Junior fuhr in seinem Auto dem Besoffenen hinterher. Manuele sagte nur: "Da kann man nichts machen."

Ein paar Minuten später tauchten Junior und Alessandro wieder auf. Sie hatten den Besoffenen samt Auto auf einem Feld abgestellt und den Zündschlüssel versteckt.

Besoffene haben meistens Glück. So auch unserer. Er überlebte, wurde nicht ausgeraubt und fiel auch nicht in den nahegelegenen Fluss. Manueles Vater hatte ihn am Tag darauf im Supermarkt gesehen. Mir lief er bisher nicht über den Weg. Ich hätte ihm gerne meine Meinung gesagt und die restliche Zeche eingefordert.

Am Freitag wollen wir uns zusammensetzen, um eine Strategie auszuarbeiten, wie wir mit Besoffenen umgehen. Immerhin, die Saison beginnt schön langsam und spätestens an Weihnachten und Silvester werden wir noch ein paar Besoffene abbekommen.

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Hmmm, vielleicht Rhizinusöl in die Teelichter reintun, damit die Leutchen dann die Toilettte aufsuchen ?

Viel Glück !

Ursel

P.S.: Wie heisst denn "Büchersendung" auf Portugiesisch oder wie hast Du das hingekriegt, Bücher zu verschicken ? Oder war das von Deutschland aus ??

Ursel hat gesagt…

Duhu !

Ich hb's Buch gestern losgeschickt (Samstag). Jedenfalls hat mir der Nachbar und Ladenbesitzer, vor dessen Geschäft der Briefkasten hängt, in den das Kuvert nicht reingepasst hat, angeboten (lufthol:)), den Brief den Briefträger persönlich mitzugeben, wenn er den Kasten leeren kommt..
Na, das werde ich morgen früh gleich kontrollieren, nich dass da wieder die "Amigo-Falle"...und so ;)
Also, ich hoffe, es kommt noch zwischen den Jahren an !!!!

Bin ab Mittwoch in BH bei Schwiegerelterns Sorry, dass wir nicht vorbeikommen !
Das ist echt schade !!

Alles Liebe
Ursel

gabriela hat gesagt…

liebe Ursel,
sorry, mein Modem war hin...

also, erst einmal DANKE

"Dona B..., Dona B..." rief mir der Postmensch von Weitem zu. Ich wartete gerade auf dem Bus, da kam er mit dem Umschlag angerannt. Was für eine Freude! Habe später dann gleich angefangen, bin aber eingeschlafen, vor lauter Aufregung und Anstrengung, die uns diese Tage gebracht hatten...
Mehr dazu später.
Jetzt erst einmal vielen, vielen Dank und ein schönes Weihnachtsfest!!!
LG
Gabriela

Anonym hat gesagt…

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