Montag, Oktober 23, 2006

Unser Barzinho


Endlich ein Bericht...

Nein, es lag nicht am großen Andrang an der Bar. Wir hatten mal wieder ein kleines Virusproblem. Aber jetzt ist er hoffentlich wieder geheilt, der PC.

Eröffnung unserer Kioskbar:

Freitag, der 13. - 13, ist eigentlich meine Lieblingszahl

Regen

Der Grill ist noch nicht eingetroffen.

Wenigstens wurden am Abend die längst bestellten Getränke geliefert. Nur Smirnoff, Wodka und Campari, die mussten wir im Supermarkt besorgen. Geliefert wurden sie nämlich erst am Montag nach der Eröffnung.

Am Abend hat dann auch der Regen nach gelassen.

Eigentlich wollten wir gegen 17 Uhr eröffnen. Das ging aber nicht. Die Theke stand noch bei uns und der, der sie mit seiner Schubkarre hätte abholen sollen, war im Meer surfen, hat dann noch eine Cousine getroffen und uns vergessen. Um 18.30 kam er angerannt.

Um 19.00 ging aber immer noch nicht viel. Wir dachten, wir lösen das Stromproblem mit einer Verlängerungsschnur und einem Vielfachstecker. Verlängerungsschnur hatten wir auch gekauft. Eine. Zwei waren notwendig. Das Kühlteil für Getränke und Co. braucht 220 Volt. Hier an der Küste sind 110 Volt üblich. Die entsprechenden Steckdosen hatten wir entdeckt. Allein, es fehlte ein zweites Verlängerungskabel. Alessandro war schnell nach Hause gelaufen, um unsere Verlängerungsschnur zu holen, stöpselte CD-Spieler und Fernseher ab und rannte wieder zur Bar. Lichterkette, Steckerlpfannkuchenmaschine, Kühlteil alles funktionierte. Musik, die fehlte noch. "Da war mal ein Lautsprecher", meinte Emanuele und deutete ohne grosse Verwunderung auf ein leeres Brett über einem der Fenster. "Den hätten wir benutzen können. Ich glaub, mein Schwager hat ihn bei seinem Umzug mitgenommen." Ah, ja. Äh, wie war das mit den Kenntnissen über die eigene Wirtschaft? Und mit der Zusammenarbeit? Alessandro ist wieder nach Hause gelaufen, hat CD-Spieler und die kleinen Computerboxen geholt.

Gegen 21 Uhr war es dann doch soweit. Was fehlte, waren die Gäste. Ich konnte mich mit meiner Idee einer kleinen Feier und einem kleinen Feuerwerk nicht durchsetzen. Es würden ohnehin etliche Verwandte und Freunde kommen, hatte Emanuele gemeint und die Idee vom Tisch gewischt. Das Gute an der Geschichte: Verwandte kamen keine.

Etwas später bog die Köchin vom Restaurant, dessen Besitzer Emanueles Vater ist, auf, mit Mann und ihren beiden Kindern. Unsere Nachbarin gesellte sich mit ihrer Tochter und ihrem Mann noch dazu. Emanueles Eltern, ein anderer Nachbar, der Vater von einem der Kellner kamen noch, und das war es.

Lukas, der Köchins Sohn, hatte sich fein heraus geputzt, Gel in die Haare geschmiert und die Zehenlatschen, seine ständigen Begleiter, gegen Schuhe ausgetauscht. Lukas, unser erster Kunde. Stolz hat er mir die 10 Centavos für einen Kaugummi hin gehalten. Ich habe ihm noch einen Lutscher oben drauf gegeben. Immerhin, unserer erster Kunde. Das musste einfach gewürdigt werden.

Gegen 23.00 Uhr waren wir alle so ziemlich durchgefroren, die Gäste hatten sich verzogen und wir haben Schluss gemacht.

Am Samstag, 14., lief's schon etwas besser. Es kamen tatsächlich ein paar Leute. Immerhin gingen ein paar Bier über den Tresen. Mehr gab es auch nicht. Das Kühlgerät hatte sich als Gefriergerät entpuppt. Pfannkuchenteig, Salate, Zitronen - alles war gefroren, als ich eintraf, um die Bar aufzubauen. Mir hatte so etwas schon geschwahnt. Meine Einwände am Vorabend waren aber einhellig abgeschmettert worden. Habe auf Salat und Co. verzichtet und nur neuen Teig angerührt. Zweidrittel des Teiges landeten später über sämtlichen Cola- und Bierdosen. Alessandro und Junior wollten zeigen, was sie für Muskelmänner sind. Hatten das Kühlgerät voll gepackt und versuchten, es die eine Stufe hinauf ins Restaurant zu hieven. Einer von ihnen war zu schwach. Das Kühlteil geriet in Schieflage und sein Inhalt ins Schwanken, bis alles in beigefarbenen Teig gehüllt war. Da hiess es nachts um 23.30 Uhr noch Dosen putzen.

Gemütlich begann der Sonntag. Der einzige Kunde, der kam, wollte eine Flasche Bier. Wir haben nur Dosenbier. Die restlichen potentiellen Kunden hatten sich angesichts der dichten Wolkendecke und des sich ankündigenden Regens schon gegen Mittag wieder in Richtung Curitiba verzogen.

Ja, so war es, das erste Barwochenende. Unter Woche war an öffnen nicht zu denken. Montag Ruhetag. Dienstag Regen. Mittwoch Regen. Donnerstag Regen. Freitag Regen. Samstag: hoppla, ein bisschen weniger Regen. Was fehlte waren die Kunden. Immerhin, heute hatte die Sonne für ein paar Stunden gescheint und ich konnte wenigstens ein paar Steckerlpfannkuchen verkaufen. Den restlichen Teig, habe ich in Freiexemplare verwandelt. Unter der Woche, bleibt die Bar vorerst nämlich geschlossen und bis Freitag, so es dann nicht regnen sollte, hätte der Teig ohnehin nicht gehalten. Dann lieber verschenken, zum Beispiel an den freundlichen Onkel von Emanuele, der in der Gemeindeverwaltung arbeitet und von einem offiziellen Antrag zur Bar nichts wissen wollte...

So war das.

Ach ja, der Grill ist immer noch nicht da. Aber das ist eine längere Geschichte. Die werde ich vielleicht morgen schreiben. Oder übermorgen...

Alles in allem bin ich zufrieden und ein wenig enttäuscht gleichzeitig. Enttäuscht über den ausgebliebenen Andrang. Immerhin war ein Feiertagswochenende. Bei der Sandwichbude war aber auch nicht mehr los. Das beruhigt. Und die Saison geht ja auch erst im Dezember los. Bis dahin haben wir eben eine mobile Übungsbar. Zufrieden über das Feedback. Etliche Passanten blieben stehen, um zu staunen. Ein Pärchen kehrte sogar um, um uns mitzuteilen, wie schön unsere Bar ist, sie leider aber keine Zeit hätten, weil sie eingeladen seien. Der Typ von der Brotzeitbude kam am zweiten Tag auch vorbei, um uns ein Kompliment auszusprechen. Da hatten wir aber schon erfahren, dass er und seine Frau sich am Vortag lauthals über unsere Kerzen und Lichterkette lustig gemacht hatten. Ich habe ihn deshalb auch gleich gefragt, warum er eigentlich keine Kerzen aufstellt, was ja eine viel gemütlichere Atmosphäre schaffen würde, als sein Neonlicht.

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Das klingt nach etwas Sand im Getriebe (ich glaub, sowas gehört beim gastronomischen Hochstarten eh immer dazu)
aber glücklich!
Supah!

Hab mir auch schon gedacht, Du bist abends so kaputt, dass Du nur noch die Beine hochlegst und deswegen so schlecht an die Tastatur kommst.

Wie hast Du das Teelicht- Driftproblem jetzt eigentlich gelöst? Ich denk mir, die sind so schön, Deine Teelichter, dass vielleicht bald schon ein paar fehlen werden?

Gratulation zur Eröffnung und gute Geschäfte im Winter!

Sam, neidgrünlich aus den isarlichen Nebelniederungen

Ursel hat gesagt…

Uuups,
na, immerhin, es läuft sich ein, oder ?

Paciência , Geduld und Spucke :)

Sobald das Wetter besser wird, und am Monatsanfang läuft's bestimmt auch besser, hehe.

Ich verkaufe ein bisschen NATURA nebenbei und wundere mich immer wieder, WELCHE Leute gerade die teuren Parfums kaufen. Du fällst echt von den Socken, alles nur als Statussymbol...
Also, wenn DAFÜR Geld da ist und für teure Turnschuhe für 11-jährige Jungs, dann ist für ein Bierchen und einen Snack auch immer noch was übrig. NUR: das kann man halt nicht auf Raten kaufen ;)
Vielleicht legt Ihr Euch in Zukunft ein VISA-Terminal zu, hmmm ?

Viel Spass und Erfolg

Ursel
P.S.: Komisch, sooviel hat's hier garnicht geregnet in den letzten Tagen..

sternstunden hat gesagt…

Hi Gabriela,
sieht ja toll aus eure neue Bar!!!
Lasst euch ja nicht deprimieren wenn das ne Weile dauert bis es richtig eingeführt ist....bei meinem allerersten Crepesstand kam in en ersten Tagen gar niemand so dass eine alte Tante sich erbarmte obwohl sie gar keine Crepes mochte..später wurde es dann ein richtig gutes Geschäft,ich konnte es sogar zwei Jahre später mit gutem Gewinn verkaufen.
Also alles Gute!
Grüsse,Stela

gabriela hat gesagt…

Hallo ihr Lieben,
ja, da ist es wieder,was mir fehlt: Geduld. Aber keine Angst, ich geb' nicht auf. Nächste Woche ist wieder ein Feiertag. Da wird es hoffentlich etwas besser laufen. Immerhin haben wir inzwischen Plakatständer, die wir am Straßenrand aufstellen, um Kunden zu locken.
Liebe Ursel, ich denke mal, dass mit dem Wetter das Küstengebirge wie eine Regenbremse wirkt. Da kommen die Regenwolken anscheinend nur schwer drüber. Nicht umsonst sind die Berge mit Küstenregenwald bewachsen :) Die Brise vom Meer sorgt zudem schnell für Abkühlung. Aber immerhin, Sonntag gab es Sonne, nur Wolken und gestern und heute wieder Sonne. Damit ich mich nicht zu sehr an die Sonne gewöhne, ist für morgen wieder Regen angesagt. Passend zum Wochenende, an dem es angeblich auch regnen soll. Wir sollten vielleicht Glühwein und Grog mit ins Angebot nehmen...
Liebe Stela,
wo hattest du denn deinen Crepesstand? Neugier... Was machen deine Brasilienpläne?
Liebe Sam,
habe das Teelichtproblem zumindest provisorisch gelöst. Von unten lassen sich tatsächlich Zahnstocher in die Boje stecken. Die Bojen sehen jetzt aus wie vierbeinige Spinnen. Wenigstens funktioniert es aber so. An das Klauproblem habe ich auch schon gedacht, zumal hier alles geklaut wird. Heute früh habe ich nicht schlecht gestaunt, als unsere Vorrichtung für den Müll (ein Holzgestell, an dem ich die Tüten aufhänge, damit die Hunde und Opossums nicht rankommen) nicht mehr da war. Geklaut! Werde wohl noch ein paar mehr Windlichter machen und die gleich mal zum Kauf anbieten...
Euch allen noch eine gute Restwoche!!!
mit wettergebeutelten Grüssen
Gabriela

Corriendo Mundo hat gesagt…

Hola!
Falls ich mal vorbeikommen kann, bringe ich einen Entsafter mit für brasilianisches Gemüse....hmmmhhh, lecker!
Alles Gute weiterhin und eine Menge Gäste in Kürze, Labbatú y ElCuervoSugoFrescoDePepinaoderso