Montag, Oktober 02, 2006

So viel passiert

Weil die Woche über so viel passiert ist und ich vor lauter Kioskbarplänen und Einkäufen zu nichts gekommen bin, nicht einmal zum Schreiben, gibt es heute Kurznotizen. Werde morgen nacht mal versuchen, Fotos von meiner tollen Bauaktion in den blog zu stellen.

Schluss mit Warten
Ich habe sie. Ich dachte schon, das wird nie mehr was. Kaum warte ich fast ein Jahr, schon ist meine Permanencia, meine Aufenthaltsberechtigung, tatsächlich durch. Genehmigt war sie ja schnell. Nur knapp acht Monate hatte das gedauert. Damit war sie aber noch nicht gültig. Das ist sie erst jetzt mit dem Eintrag ins Fremdenregister. Seit Donnerstag bin ich also registriert und digitalisiert. Sämltiche Daten von mir sind nicht nur im Zentralcomputer vermerkt, sondern auch auf meiner "Fremdenkarte", eine Art Ausweis für Ausländer. Neben den Namen meiner Eltern, meinem Einreisedatum, meiner Registrierungsnummer, meinem Namen und Geburtsdatum, meinem Foto, meiner Unterschrift und dem Siegel von Brasilien prangt sogar ein Abdruck meines rechten Daumens. Der hat ganz schön viele Falten, wie ich feststellen musste. Besser am Daumen als im Gesicht, hat Alessandros Onkel dazu gemeint.

Wahlen
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Gequält haben sich die Brasilianer heute. Heraus gekommen ist trotzdem nichts Gescheites. Seit Wochen gab es schon kein anderes Thema mehr, als die Präsidentschafts- und Governadorswahlen, begleitet von neuen und alten Aufdeckungen in Sachen Korruption. Manchmal hatte ich schon das Gefühl, es ist einfacher im Lotto zu gewinnen, als einem Politiker zu begegnen, der eine vollkommen weiße Weste hat oder zumindest nicht bestechlich ist. So ähnlich mag es den meisten Brasilianern auch gegangen sein. Sie haben sich für ein klares "Jein" entschieden. Weder Lula noch sein stärkster Gegenkandidat Alckmin haben eine absolute Mehrheit erreicht. Der Exsozialist Lula hat gerade einmal die 49er Marke überschritten und sein Gegenspieler aus dem konservativen Lager etwas mehr als 41 Prozent erreicht. Die Opposition, die vor Lula das Land regierte, und das auch nicht unbedingt besser, feiert sich vorsichtshalber trotzdem schon mal als Sieger, auch wenn erst die Stichwahlen über einen tatsächlichen Wechsel oder auch nicht entscheiden werden.

Es geht voran
Die Theke für unsere Kioskbar ist fast fertig. Ich muss sie nur noch anmalen oder einlassen oder beides. Mal sehen. Wir werden das morgen entscheiden, wie sie endgültig aussehen soll. Drei Tage lang habe ich an ihr herum gebastelt. Ja, drei Tage lang. Ich habe mich den brasilianischen Verhältnissen angepasst. Mir blieb auch gar nichts anderes übrig. Meine Hände wurden zum Schwingschleifer. So etwas hat hier in der Nachbarschaft nämlich keiner. Auch die Verwandschaft konnte mir ein so "modernes" Gerät mangels Besitzes nicht ausleihen. Dafür habe ich es geschafft, einen verrosteten Fuchsschwanz auszuleihen, mit dem ich mich in für die nächsten Sägemeisterschaften qualifiziert habe. Immerhin gab es aber eine Bohrmaschine leihweise. Zum Glück. Obwohl ich daran zweifle, dass sie schneller ist als ich es mit einem Handbohrer gewesen wäre. Ich schätze mal, dass sie so um die zwei Umdrehungen in der Sekunde geschafft hat. Das Holz, Hartholz, hat die Bohrerei auch nicht gerade vereinfacht. Wenigstens habe ich nur einen einzigen Bohrer abgebrochen. Ist doch auch schon etwas.

Das meiste für unsere Kioskbar haben wir inzwischen gekauft oder gebastelt. Jetzt fehlen nur noch Kleinigkeiten wie die Maschine, um Pfannkuchen am Stil zu machen, ein Grill für Spieße und ein Kühlschrank. Und die Getränke, die haben wir auch noch nicht bestellt. Eröffnung ist aber auch erst in einer guten Woche. Bis dahin kann viel passieren.

Nass
Seit zwei Tagen regnet es ohne Unterlass. Die Strasse vor unserem Haus hat sich in einen Schlammpool verwandelt und die restlichen, gepflasterten Strassen können als Kanäle benutzt werden. Nur die eine geteerte Strasse, die es hier gibt, ist einigermaßen benutzbar. Sie wird aber kaum benutzt, weil bei Regen nicht einmal der Postbote aus dem Haus geht. Selbst im Haus ist es aber nicht trocken. Die Luftfeuchte beträgt so ungefähr 100 Prozent. Da wird das Anzünden von Streichhölzern zur wahren Herausforderung. Vor ein paar Minuten haben wir ausserdem entdeckt, dass das Dach nicht dicht ist. Es tropft. Ins Wohnzimmer. Werden morgen mal aufs Dach steigen, um zu sehen, wo und warum es rein regnet. Einen Vorteil hat der Regen aber: die Katzen tragen weniger Zecken ins Haus. Wahrscheinlich haben sich die unter irgendwelchen Blättern verkrochen. Und die Wasserspeicher der Städte, die füllen sich auch endlich wieder. Der trockene Winter hatte Trinkwassernachschub verhindert. In etlichen Städten Südbrasilien ist das Wasser deshalb schon seit Wochen rationiert.

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Hallo Gabriela,

klingt als würdest Du die ersten Drinks und Pfannkuchen mit schwieligen Händen und frisch verheilten Blasen über die Theke reichen... Aber schön! Du kennst jeden Zentimeter Oberfläche, jede Schraube, das Ding ist Deins! Wow.

Möge es wenigstens in Euer Projekt niemals reinregnen (und keiner Deine schönen Kerzenbecher mitgehn lassen)

Bald trockenere Zeiten wünscht
Sam, ausm Herbstnebel

Ursel hat gesagt…

Hallihallo !

Ja, herzlichen Glückwunsch auch zum RNE (registro nacional de estrangeiros)!!!!
Du machst mir ja Mut :))
Und auch sonst, alle Achtung ;)
Reinregnen tut's hier zum Glück nur, wenn der Wind stark von der Seite an die Fenster und Türen bläst. Das Dach ist dicht.
Aber erkÄtet haben wir uns schön und Sissi, die Boxerin, hatte wiedermal ne Lungenentzündung und musste drin schlafen.
Wann genau ist denn Einweihung ?

Einen guten Endspurt

LG Ursel

(die Dir unsere Maschinen leider nicht rüberbeamen kann :( )

gabriela hat gesagt…

Hallo Ursel,
schade, dass das mit dem Beamen nicht funktioniert. Eröffnung ist am 12. Oktober - Kindertag... Ich würde ja gerne ein richtiges Fest dazu veranstalten. Meine Partnerin ist aber eher für eine Überraschungseröffung von der keiner weiß wann und wie sie stattfindet. Da herrscht noch Diskussionsbedarf...

Hallo Sam,
Blasen, Schwielen, blaue Flecken am Fuss, weil mir ein-zwei Bretter auf den Fuss gedonnert sind. Aber, es hat sich gelohnt. So schön wie deine Werke ist die Theke leider nicht geworden. Habe heute noch Gegckos aus Pappmaché gebastelt. Hoffe, dass morgen die Sonne scheint und ich sie zum Trocknen rauslegen kann. Wenn ich sie bunt angemalt habe, pappe ich sie vorne an die Theke.

Danke für eure lieben Wünsche und a guats Nächtle...
Gabriela