Dienstag, August 08, 2006

Antwort ohne Antwort

Politiker beherrschen es besonders gut. Ganz normale Männer und Frauen auch. Das Antworten, ohne zu antworten. Interessant finde ich den Einsatz dieser Eigenschaft. Bei meinen Interviews habe ich festgestellt, dass die meisten Männer davon Gebrauch machten. Egal über was ich sie befragt hatte, sie antworteten auf eine ganz andere Frage, als die von mir gestellte. Meistens habe ich dann die Frage einfach noch einmal gestellt. Ein paar wenige Male war ich aber auch völlig perplex, als tatsächlich eine wirkliche Antwort auf meine Frage zurück kam. Ich erinnere mich dabei an einen Biotruthahnskandal. Nichts hat der Vorsitzende beschönigt. Nicht ist er ausgewichen. Frank und frei hat er gesagt, was ich wissen wollte. Weil er gemerkt hatte, wie erstaunt ich darüber war, hatte er hinzugefügt: es ist besser gleich die Wahrheit zu sagen und Maßnahmen einzuleiten, damit ein solcher Skandal nicht mehr passiert, als alles vertuschen zu wollen und damit noch mehr Schaden anzurichten.

Zurück zu den Ausweichantworten. Bei den interviewten Frauen kamen in der Regel äußerst konkrete Antworten. Gut, nicht alle Frauen, äußerten sich klar. Die meisten waren aber sehr offen. Allerdings kostete es vorher oft einige Mühe, sie zu einer Stellungnahme zu überreden. "Ach, dazu möchte ich so eigentlich nichts sagen. "Warum fragen Sie mich? Fragen Sie doch lieber einen Kollegen." "Ach, da reden Sie besser mit meinem Mann." Seufz. In der Summe sind deshalb, und auch weil die meisten höheren Posten mit Männern besetzt sind, die Mehrzahl meiner interviewten Menschen männlichen Geschlechts. Schade.

Warum ich auf das Ausweichantworten komme? Weil ich gerade eine solche erhalten habe. Da wollte ich von einem Datenbankbetreiber wissen, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt, seinen Dienst zu bezahlen, als mit der Kreditkarte. Und wenn es denn schon mit der Kreditkarte sein müsste, ob ich ihm dann die Kreditkartennummer nicht per Fax oder sonstwie mitteilen könnte, weil ich es nicht über das Internet wollte. Als Antwort bekam ich:

Ich bin Ihr Berater von xy. Ich habe gesehen, dass Sie nach wenigen Minuten aufgegeben haben, Ihren Lebenslauf bei uns online zu stellen. Ich bin hier, um Ihnen bei Ihrer Registrierung zu helfen. Hier einige wichtige Informationen für Sie:

1. xy hat es geschafft, sich digital bei "allesgut" mit 128 bits zu zertifizieren, um Ihnen eine Sicherheit zu bieten für private Informationen, die übers Internet versandt werden. Wir können ausserdem mit einer rigorosen Sicherheitspolitik gegen Invasionen und Systemfehler aufwarten, damit es gar nicht erst möglich ist, dass vertrauliche Informationen unserer Klienten umgeleitet werden.

2. Damit Sie an unserem siebentägigen kostenlosen Angebot teilnehmen können, ist es notwendig, ihre Daten zur Bezahlung einzugeben, damit es für Sie einfacher ist, wenn Sie sich entscheiden sollten über die sieben Tage hinaus in unserer Datenbank zu bleiben, weil es so für Sie nicht mehr notwendig wäre, mit uns extra in Kontakt zu treten.

3. Denken Sie daran, dass Sie zu jedem Zeitpunkt ihren Eintrag bei uns und dem 7-Tage-Angebot widerrufen können und Ihnen so keinerlei Kosten entstehen würden, wenn Sie innerhalb der ersten sieben Tage kündigen.

Im Anschluss daran gab es gleich den Link, um meine Registrierung mit Preisgabe meiner Kreditkartennummer zu beenden. Dann noch der Satz, "Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung."

Habe meine Fragen heute nochmal gestellt. Bin ja gespannt, was als Antwort kommt. Jedenfalls habe ich keine Lust, meine Kreditkartennummer übers Internet zu verschicken. Sollte es keinen anderen Weg geben, mich bei xy zu registrieren, ohne diese Preisgabe meiner Kreditkarte, verzichte ich lieber drauf. Dann geht nur auch meine Bewerbung bei der tollen ONG-Stelle verloren. Trotzdem heikle Daten gibt's von mir nicht per Netz. Vielleicht bin ich da altmodisch, mag sein. Aber wenn es nicht die ONG-Stelle wird, dann wird es eben eine andere!

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Naaa, Lula hat aber doch ganz gut geantwortet, ohne sich herauszuwinden, finde ich..

LG Ursel

gabriela hat gesagt…

Hallo Ursel, stimmt, hat sich gut gemacht. Danach sind auch gleich seine Umfragewerte gestiegen. Da sag noch einer Medien hätten keinen Einfluss auf das Wahlgeschehen. Bin ja gespannt. Angesichts des geringen Engagements für die Durchsetzung der Rechte der Indios oder im Bereich Naturschutz (vor allem im Amazonasgebiet) und vor allem beim Thema Erziehung und Gesundheit bezweifle ich allerdings, ob Lula tatsächlich der Topmann ist für Brasilien. Das Problem ist nur, dass die Alternativen ebenso keine wirklichen Alternativen sind. Kommt mir vor wie in Deutschland vor einem Jahr...

Hast du den Antrag für den Eintrag ins Fremdenregister geschafft? Das wäre auch mal was für die Regierung: Entbürokratisierung...

LG Gabriela

Ursel hat gesagt…

Antrag für den Eintrag in's Fremdenregister ? Ach, so heisst das ! Ich dachte, ich hätte meinen bras. Personalausweis beantragt, aber das ist wohl dasselbe.
Ja, es ging so. Das Mädel dort war allerdings etwas geschafft nach all' den Fragen. Ich hatte halt den Einreisezettel im Original, weil bei mir stand, dass ich entweder ne beglaubigte Kopie davin brauche oder eine Erklärung abgeben kann, wann ich eingereist bin. Da hab ich mir gedacht, dass ich das Original ja gleich dort lassen kann, es ist ja wohl mehr wert als eine Kopie, denkste !
Es gilt hier wohl alles, Hauptsache beglaubigt, genau wie die deutschen Arbeitsverträge, die wir für João letztes Jahr "gebastelt" haben, damit er seine Maschinen und sein Werkzeug über den Zoll bekam :) Das haben die vom Zoll uns höchstpersönlich geraten..Klasse, nicht !?!
Soviel Hilfsbereitschaft !
Na gut, wir haben dann den Schrieb beglaubigen lassen. der BEamte vom Flughafen hat in Fortaleza was mit dem Kugelschreiber drauf rumgekritzelt, also war das auch nicht astrein und es hätte, strenggenommen, garnicht beglaubigt werden dürfen..
Aber, wir haben alles hingekriegt und zum Schluss hatte ich einne super netten Sachbearbeiter für die Fingerabdrücke, der grad einen indischen Einreisenden beraten und von diesem ein Angebot für günstigen (und bestimmt echt guten !) Yogaunterricht bekommen hatte und deshalb ganz happy war :))
Auch schön !

Und wie steht es bei Euch mittlerweile ?

LG Ursel

Corriendo Mundo hat gesagt…

Hola! Jezt ist es schon eine Weile so ruhig bei dir hier, sicher bist du unterwegs auf Glücksfang. Wir drücken dir leise und fest die Daumen und beide Innenkrallen, daß alles gut läuft mit dem neuen Leben! Freudige Grüße von Labbatú y ElCuervoCommandanteCurioso