Sonntag, April 02, 2006

Ja, was macht er der Java?

Seit einigen Tagen probiere ich mich an Javascript. Damit lassen sich theoretisch kleine Animationen für Websites schreiben. Das kann doch wohl nicht so schwierig sein, denke ich mir. Immerhin habe ich ja auch gelernt, Hompages zu basteln und baue gerade an einer CD-Rom über Brasilien herum, damit meine Neffen, Nichten und mein Patenkind wissen, wie das Land so ist, in dem ihre Tante lebt. Natürlich soll das ganze mit Animationen versehen werden, damit die Jungs und Mädels auch Spaß daran haben.

Ich hätte gerne, dass sich „Willkommen in Brasilien“ bewegt. Nach stundenlangem Stöbern auf den Hilfeseiten des Programmes, mit dem ich meine Homepage mache, bin ich fündig geworden. Geht ganz einfach, mit Javascript, steht da. Funktioniert nicht, sehe ich, nachdem ich die Anweisungen ausprobiert habe. Noch denke ich nicht daran, aufzugeben. Ich versuche es weiter und siehe da, nach dem x-ten Versuch klappt es tatsächlich. Bei den Hilfebeschreibungen waren nur ein paar Schritte ausgelassen worden. Jetzt bewegt er sich aber, der Schriftzug. Nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber immerhin. Egal. Hauptsache, es bewegt sich etwas und irgendwie ist meine Lösung ja auch ganz schön.

Begeistert, dass meine erste Javascript-Anweisung geklappt hat, stürze ich mich auf die zweite und mache aus der Landkarte Brasiliens ein Puzzle. Erstaunlicherweise funktioniert das fast auf Anhieb. Nur, hätte ich gerne, dass ganz zum Schluss, wenn das letzte Puzzlestück eingesetzt ist, eine Melodie erschallt und sich die zweite Seite mit den Infos über die Geographie öffnet. Ein „if“ und „else“ Befehl muss her. Daran kann ich mich noch dunkel aus der Zeit der D-Base-Programmierung erinnern. Das war so vor 20 oder 25 Jahren. Mit dem „If“-Befehl lassen sich alle möglichen Dinge bewerkstelligen lese ich erfreut auf den Hilfeseiten. Eine Antwort, wie die einzelnen Parameter dazu geschrieben werden müssen, gibt es nicht. Lediglich „Für erfahrene Javascript-Programmierer“ gibt es eine eigene Ausführung. Wie ich beim Durchlesen merke, bin ich alles andere als eine „erfahrene Javascript-Programmiererin“. Unter den Begriffen „Variablen“ und „Werte“ kann ich mir ja noch etwas vorstellen. Was mir aber all die Zeichen und Zahlen sagen sollen, mit denen die Werte und Variablen angereichert sind, ist mir ein Rätsel
Im Internet entdecke ich kleine Kurse, Einführungen, ins Javascript. Sogar mit Beispielen. Ich bin begeistert. Verstehe sogar einigermaßen die Erklärungen. Ein paar der Anleitungen lade ich mir herunter, aus dem Internet auf meinen PC. Frohgemut mache ich mich daran, die Vorlagen auszuprobieren. Als ich mir das Ergebnis ansehen will, erscheint indes nur ein: „Browser kann Javascript nicht lesen.“ Toll.

Irgendwo habe ich ein Javascriptprogramm. Da bin ich mir sicher. Nur, wo? Ich suche und suche, öffne Ordner und Unterordner, krame in Unter-Unterordnern und siehe da, finde das Programm und damit das nächste Problem. In der „Lies-mich-Datei“ steht, dass bei dem Programm kein automatischer Installierer dabei ist, und dass ich deshalb die Programme „bundlen“ muss. Was, bitteschön, ist „bundlen“? Ich lasse das Programm Programm sein und versuche etwas anderes. Vielleicht liegt es ja an den Einstellungen meines Internet-Explorers, dass das Javascript nicht funktioniert. Immerhin zeigt der Browser ja einfache Javascripts an. Ich klicke auf „Ferramentas“, „Opcões“ und versuche schlau aus dem zu werden, was sich mir da öffnet. Dass das Ganze auf portugiesisch ist, erleichtert die Sache auch nicht gerade. Ich versuche, mich auf Schlüsselbegriffe zu konzentrieren und entdecke „Javascript“. Im Kästchen davor ist ein Häkchen. Also, muss er doch das Script lesen können. Vorsichtshalber aktiviere ich alles, was sich so mit Häkchen aktivieren lässt. Zum Schluss die Frage: „Wollen Sie die Änderungen wirklich so speichern?“ Ja, zum Henker, ich will. Die tollen Animationen zeigt der Browser immer noch nicht. Dafür stürzt er jetzt ständig ab. Reumütig versuche ich, alles wieder zurückzusetzen, so wie es war. Nur, wie war es? Zum Glück gibt es die Schaltfläche „Padrão“, so etwas wie zurücksetzen. Da drücke ich drauf und beschliesse, im Internet auf den deutschen Seiten von Microsoft nach der Problembehebung zu suchen. Wie ein Bergsteiger hangle ich mich von Seite zu Seite. Indes, das Gipfelglücksgefühl bleibt aus. Der Begriffsberg ist mir unbezwingbar. Die Erklärungen hätten sie auch in chinesisch schreiben können, da hätte ich auch nicht weniger verstanden als in deutscher Sprache. Ob es auf portugiesisch besser ist? Ist es tatsächlich. Ein ewig langes Seitengeklicke bleibt mir erspart. Gleich auf der ersten Seite gibt es ein Update für den Internetexplorer. Den nehme ich. Mein Explorer ist schon upgedatet, erfahre ich, und sollte eigentlich funktionieren. Das tut er inzwischen überhaupt nicht mehr, wie ich merke, als ich bei der Suchmaschine „Javascript VM“ eingebe, die Komponente, die mir angeblich fehlt. Suchergebnisse werden zwar angezeigt. Klicke ich aber auf eins der Ergebnisse, um auf die entsprechende Seite zu gelangen, tut sich nichts mehr, außer, dass der Explorer ein „unbekanntes Problem“ feststellt und sich vorsichtshalber selbst ausschaltet. Mittlerweile ist es vier Uhr morgens und mir reichen meine Selbstversuche. Soll der Java doch mit seinen Scripts machen, was er will. Ich gehe ins Bett.


Doch der Java verfolgt mich bis unter die Bettdecke. „If value=1(0,0,0,0,0,0,!@@*): // clustNome Arrey=§§ []}}”, erscheint plötzlich in der Dunkelheit. What else, was sonst, denke ich mir. Meine Mutter steht vor der Tür. OnClick rein. Sieht sich in meinem Haus um. Fensterscheiben fehlen, dafür sind riesige rechtecke Lücken in den Wänden des zehnstöckigen Hauses. Ganz oben stehe ich und schau zu meiner Mutter herunter. „OnMouseOver“, sage ich. “Kommt nix bei raus”, sagt sie. Ein roter Porsche fährt langsam an ihr vorbei, parkt sich selbst im neunten Stockwerk. „Value (Wert)=OnDriveOn.” “Lass uns abhauen”, sagt sie und “OnClickDown” ist alles vorbei. Ich wache auf und beschliesse jetzt etwas Schöneres zu träumen.

Kommentare:

Juansi hat gesagt…

Liebe Gabriela,
eine tolle, spannende Geschichte hast Du da erlebt und beschrieben. Mich hat es zwischen Bewunderung für Dein Können und Aufregung um den Erfolg Deines Tuns hin- und hergerissen. Ich hoffe, Du hattest dann noch ein paar lieblichere Träume danach.
Der Stachelbaum ist übrigens sehr beeindruckend!
Herzliche Grüße
Juansi

gabriela hat gesagt…

Liebe Juansi,
langsam, ganz langsam, hangle ich mich voran. Mit Können hat das allerdings nicht viel zu tun. Es ist eher so, dass ich einfach blind herum versuche, bei anderen Webssites schaue und im Internet Erklärungen suche. Vieles klappt noch nicht so, wie ich es will. Aber irgendwann werde ich auch dafür Lösungen finden. Lustig ist, dass ich bei meinen Versuchen oft auf ganz andere Dinge stoße, an die ich gar nicht gedacht hatte, die aber auch nicht schlecht sind. Dann probiere ich die wieder aus und schon funktioniert wieder irgendetwas anderes nicht... Alessandro hat schon gemunkelt: "Wenn du so weiter machst, feiert dein Patenkind den 18. Geburtstag, bevor es die CD bekommt." Nichtsdestotrotz, ist es ganz schön spannend, sich an der Gestaltung von Animationen oder Websites zu versuchen. Fast ein bißchen wie Kreuzworträtseln...
Liebe Grüsse Gabriela