Sonntag, April 23, 2006

Allgäu ist überall



Sieht fast aus wie im Allgäu, ist aber in Brasilien, im Bundesstaat Minas Gerais, der so ungefähr in der Mitte liegt. Dass da eine Ähnlichkeit mit dem Allgäu besteht, wissen einige Brasilianer seit heute auch. Im Fernsehsender "Paraná educativo", so etwas ähnliches, wie die regionalen öffentlichen Fernsehsender, aber mit dem Anspruch der Kulturerziehung, haben sie heute einen Bericht über Schwalben gebracht, über Schwalben im Allgäu. Mehlschwalben, Rauchschwalben, Uferschwalben, alle waren sie vertreten. Nur die Mauersegler, die haben gefehlt. Saftige Weiden, Bauernhöfe, Berge haben sie gezeigt. Freilich nicht nur das, stand doch die Schwalbe im Mittelpunkt der Reportage. Habe ich mir in Deutschland auf Arte und Co. früher Reportagen über Löwenäffchen in der Mata Atlantica oder Tucane im Amazonas angeschaut, war es heute eine ganz neue Erfahrung eine ähnlich aufgemachte Reportage über meine Fast-Heimat zu sehen. Immerhin, das Allgäu ist ja nicht weit weg vom Inntal oder der Münchner Schotterebene.

Lustig fand ich, wie sie die kleinbäuerliche Landwirtschaft beschrieben haben. Kühe im Stall und auf der Weide, Katzen auf dem Hof, Hasen, Hühner und ein paar Schweine. Dann der Satz, dass es nur noch wenige dieser Kleinbauern gibt. Im Vergleich zu Brasilien ist der Prozentsatz der Kleinbauern in Bayern allerdings hoch. Gehören doch zu einer bayerischen Durchschnittslandwirtschaft nur 25 Hektar Land. Eine Landwirtschaft mit 90 oder hundert Hektar ist in Brasilien indes eher winzig, angesichts der vielen großen Fazendas mit 1200 und mehr Hektar. 25 Hektar dürften da den brasilianischen Bauern mikrobenhaft erscheinen. Aber die Hektarzahl wurde nicht erwähnt. Und ein wenig stimmt es ja. Jedes Jahr geben mehr bayerische Bauern ihre Landwirtschaft auf, verschwinden die Kleinen, wachsen die etwas größen. Mindestens 50, besser 80 Hektar, so hieß es in einer Studie schon vor drei oder vier Jahren, seien notwendig, um überleben zu können. Alles im Wandel. In Europa wird alles daran gesetzt, dass die Landwirtschaftsbetriebe größer werden. In Brasilien setzt die Agrarreform darauf, riesige, aber ungenutzte oder renditelose Fazendas aufzulösen und in "kleine" Parzellen (70 bis 100 Hektar) zu stückeln, um sie in die Hände der meist mittellosen Landarbeiter zu geben. Wie Reformen das so an sich haben, ist sie aber äußerst schleppend, und so wie es aussieht, werden die brasilianischen Landarbeiter weiterhin die Statistik der Armen anführen: 96 Prozent der Landarbeiter leben unterhalb der Armutsgrenze!

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