Sonntag, März 05, 2006

Plötzlich war sie weg, die Wasseruhr

Fast fühlte ich mich wie in Italien auf einem dieser Campingplätze, bei denen du die Dusche mit Münzen füttern musst, damit Wasser herauskommt. Von Seifenschaum umhüllt stand ich unter dem Duschkopf, aus dem es nur noch tröpfelte. Hier ein Tropfen, da ein Tropfen und ich darunter. Es wird am Carneval liegen, dachte ich. Schließlich bin ich nicht auf einem der italienischen Campingplätze, sondern in Brasilien in meinem Häuschen. Carneval und Sylvester finden Völkerwanderungen statt. Dann brechen hunderttausende Städter die Serra, einem Gebirgszug, hinunter, um an unserem Küstenabschnitt ein paar Ferientage zu verbringen. Wo sonst nur 30.000 bis 40.000 Menschen leben, teilen sich dann plötzlich über eine halbe Millionen Menschen die Naturgüter. Da kommt die Wasserversorgung nicht nach, fehlt der nötige Druck in der Leitung. Nachts, wenn alles schläft, füllen sich die Wasserbehälter aber wieder, so dass wenigstens morgens wieder ein wenig Wasser da ist. Doch das fehlte auch an diesen Morgen. Also bei den Sanepar, den Wasserwerken, angerufen. Ob denn der Haupthahn aufgedreht sei, wollte die Dame am Telefon wissen. Keine Ahnung. Ich habe ihn jedenfalls nicht zugedreht. Während die Sanepar-Dame wartete ging ich vorsichtshalber nachschauen. Der Haupthahn ist vor dem Haus, nahe dem Gartenzaun. Das ist hier so üblich. Einmal im Monat kommt ein Saneparmitarbeiter vorbei, klappt mit einem Stock den Deckel der Wasseruhr hoch, liest den Stand ab und tippt ihn in einen kleinen Apparat, der gleich daraufhin die Rechnung ausspuckt. Die Rechnung klemmt der Mitarbeiter zwischen die Latten des Gartentores und weiter geht's zum nächsten Haus. Ich lief also raus, um den Haupthahn zu überprüfen und staunte nicht schlecht. Der Haupthahn war zugedreht und dort, wo eigentlich die Wasseruhr sitzen sollte, klaffte eine Lücke. Entrüstet teilte ich den Raub der Sanepar-Dame mit. Die schien gelassen. "Nichts Ungewöhnliches", erklärte sie. Wasseruhren werden gerne geraubt, um sie auszuschlachten und das Eisen und Kupfer zu verkaufen, erfuhr ich. Das sei aber alles kein Problem. Für 50 RS (etwa 20 Euro oder zwei Tageslöhne) bekomme ich eine neue, so die Dame. Am Abend bekam ich dann auch schon die neue Wasseruhr. Nebenbei erfuhr ich noch vom Nachbarn, dass es anscheinend wirklich nichts Ungewöhnliches ist, wenn die Wasseruhr verschwindet. Seine sei jedenfalls auch schon einmal geklaut worden, die eines anderen Nachbarn ebenso.... Toll. Werde Kakteen um die Wasseruhr herum pflanzen. Sollen sie sich ihre Finger wundstechen, die Wasseruhrklauer...

1 Kommentar:

Ursel hat gesagt…

Is' ja auch nicht schlecht, auweia ! Davon hab' ich noch nicht gehört.. Naja, die hohen Zäune und Mauern sind wohl nicht umsonst hier.
So ein Schwachsinn !
Man sollte den Schrotthandel verbieten, damit die Diebe das Zeug erst garnicht loswerden !

Liebe Grüsse
Ursel