Montag, Dezember 26, 2005

Weihnachtsfest mit Ameisenplage

Mit einem Stromausfall am 22. nachts fing es an. Das ist nichts Ungewöhnliches. Es passiert öfter einmal, dass wir für ein paar Minuten auf die Moderne verzichten, wie es Alessandro ausdrückt. Im Dunkeln taste ich mich zum Küchenschrank, um Kerzen und Streichhölzer heraus zu ziehen. Es hat etwas Romantisches, so ein Stromausfall. Bei Meeresrauschen, Grillengezirpe und Kerzenlicht sitzen wir am Küchentisch, spielen Domino und stellen fest, dass Kerzen eine tolle Falle für fliegende Ameisen sind. Zu hunderten umschwirrten sie noch kurz zuvor die Küchenlampe. Alessandro hielt eine Schüssel gefüllt mit Wasser unter die Lampe und fing so die Hälfte von ihnen auf. Einen weiteren Teil erledigte ich mit dem Besen. Den kläglichen Rest überließen wir den Geckos und, wie wir jetzt feststellten, der Kerzenflamme, in der sie ruckzuck wegschnurzeln, wenn sie ihr zu Nahe kommen. Jetzt ist es friedlich und wir geniessen die warme Sommernacht. Nach einer halben Stunde geht das Licht wieder an. Was wir sehen reißt uns aus der gerade noch gelebten Romantik. Eine Ameisenschar zieht von der Türe zum Kühlschrank. Dieses Mal sind es nicht die kleinen Ameisen, die alles bedecken, was annähernd süß ist. Es sind auch nicht die Blattschneiderameisen gegen die ich endlich ein probates Mittel entdeckt habe. Es sind etwa ein Zentimeter große Waldameisen, die unser Haus als Beutelager ausgemacht haben. Es ist nur eine Prozession der Ameisen, beruhigt mich Alessandro. Das komme im Sommer öfter vor, sagt er. Er weiß noch nicht, dass es sich um eine gigantische Prozession handelt. Das erfährt er erst, als er die Tür aufmacht, um zu sehen, woher die Prozession kommt. Tausende und abertausende dieser kleinen Tiere bevölkern unsere Terrasse. Von den weißen Fliesen ist fast nichts mehr zu sehen. Dafür wabert uns eine braun-schwarze Masse entgegen. Alessandro hüpft und läuft über sie hinweg. Wenig später taucht er mit dem Wasserschlauch auf. Nach zwei Stunden des Wässerns und Kehrens wähnen wir uns in Sicherheit. Mich juckt es am ganzen Körper. Einige der Ameisen hatten sich todesmutig auf mich gestürzt. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass es irgendwo unter dem Kleid noch krabbelt. Nach der Dusche wird es besser.

Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht. Nein, müde bin ich nicht. Nur ein wenig erschöpft vom vielen Kehren. Gegen drei Uhr schlägt Alessandro wieder Alarm. Als er auf der Toilette war, war er nicht allein. Ameisen hatten es inzwischen bis dorthin geschafft. Auch in den anderen Zimmern krabbeln sie, suchen nach Essbarem. Ich bin entnervt. Greife wieder zum Besen, um sie in Syssiphus-Arbeit aus dem Haus zu kehren. Alessandro setzt den Wasserkessel auf den Herd. Er will es dieses Mal mit kochendem Wasser versuchen. Es wird leichter sein als beim ersten Mal. An der Türe klebt eine ganze Traube, gebildet von Ameisen. Sieht aus, als hätten sie sich die Stelle zum neuen Nest auserkoren. Wieder vergehen fast zwei Stunden, bis Terrasse und Haus nahezu Ameisenfrei sind. Erschöpft fallen wir ins Bett, in der Hoffnung, dass sie nicht wiederkommen. Alessandro erzählt noch, dass eine Prozession der Ameisen im Haus bedeutet, dass jemand aus der Umgebung einem nicht wohl gesonnen ist. Wer weiß. Mir fallen dazu nur der Film mit den Ameisen ein und die biblische Plage...

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir in der Nacht keineswegs den Großteil der Ameisen erledigt haben. Es war nur ein Bruchteil dessen. Millionen Ameisen bilden auf dem Weg vor unserem Haus ein eigenes Straßennetz. Ihr Nest entdecken wir in einem Hohlraum des alten Baumes, der am Hauseck steht. Von dort aus gehen sie jetzt auf Beutezug - und auch auf uns und vor allem auf unsere Füsse los. Ihre Bisse tun ganz schön weh.

Alessandro versucht, ihr Nest auszuräuchern und steckt dabei fast den ganzen Baum in Brand. Mir wird Angst und Bange. Die nächsten Tage, jawohl Tage, verbringen wir damit, Wasser in den Hohlraum zu schütten und so das Feuer zu löschen, das bei jedem aufkommenden Wind neu entfacht. Die Ameisen gehen dabei freilich auf uns los. Von ihren Bissen, die nicht nur schmerzen, sondern auch tierisch jucken, sind meine Füsse geschwollen. Am vierten Ameisentag, dem Weihnachtsfeiertag, schaffen wir es endlich, die Tiere endgültig zu vertreiben und vor allem das Feuer endgültig zu löschen. Weihnachten, das wir so nebenbei auch noch mit Familie und Co gefeiert haben, ist vorbei und auch meine erste Ameisenplage.

Kommentare:

Vera hat gesagt…

Liebe Gabriela,
das hört sich ja furchtbar an. Da fängt es bei mir ja nur vom Lesen überall zu jucken an.
Ich wünsche dir alles Gute für das neue Jahr und aus gegebenem Anlass natürlich eine ameisenfreie Wohnung.

Alles Liebe
Vera

gabriela hat gesagt…

Liebe Vera,
es war furchtbar. Zum Glück sind sie jetzt weg, die großen Ameisen... Bin ja gespannt, was als nächstes kommt. Wünsche dir natürlich auch alles, alles Gute für 2006!!!
liebe Grüsse
Gabriela