Donnerstag, November 03, 2005

Gnocchi ohne Bohnen und ohne Reis

Warum er sich wohl ausgerechnet Gnocchi zum Abendessen gewünscht hat? Sind sie doch keineswegs kommun hier in Brasilien. Diejenigen, die italienische Vorfahren haben, mögen sich unter Gnocchi vielleicht noch etwas vorstellen können. Aber der Rest? Einmal, ganz zu Anfang, als ich erst ein paar Tage in Brasilien war und in Alessandros Familie noch für Aufgeschau sorgte, da kam eine Tante zu Besuch, um zu sehen, was das für eine ist, die Deutsche, die jetzt hier bei ihnen lebte. Damit ich mich ein wenig wie zu Hause fühle, wie in Deutschland, machte sie Gnocchi für mich. Immerhin liegen die beiden Ursprungsländer, das der Gnocchis und auch das meine, in Europa, und da ist alles ganz nah zusammen und alles gleich, wie einige Brasilianer sich das so vorstellen. Und die Tante hatte ja auch noch gemeinsame Wurzeln mit mir. Ihre Ururgroßmutter stammte aus Italien. Also gab es Gnocchi mit Tomatenbrei, Reis und Bohnen. Reis und Bohnen gibt es immer, unabhängig davon, ob Pizza, Kartoffelauflauf oder Schweinsbraten serviert werden. Reis und Bohnen sind tägliche Basisnahrung in Brasilien.
Gnocchi wünscht sich Alessandro. Tausendmal habe ich sie gegessen und keine Ahnung, wie sie gemacht werden. Denn im Supermarkt um die Ecke gibt es so etwas nicht zu kaufen. Also stöbere ich im Internet nach einem Rezept und werde fündig - im "Kirchenweb.at". Mit was sich Kirchen so alles beschäftigen. Aber ja, der Josef Ratzinger, der Pabst, lebt ja im Vatikan, in Italien. Ein Bayer unter Römern. Der bekommt wahrscheinlich auch hin und wieder Gnocchis aufgetischt.
Auf meinem Tisch stapeln sich die Kartoffelschalen. 800 Gramm weichkochende Kartoffeln sollen es sein. Ich habe keine Waage. Sieben bis acht Kartoffeln müssten wohl reichen. Kochen, zerbatzen, 200 Gramm Weizenmehl dazu, ein bißchen Muskatnuss, Salz und ein Ei. Zwei Eier können auch nicht schaden, denke ich mir. Immerhin hat der Kartoffelberg eine stattliche Größe. Kneten bis eine glatte Masse entsteht, heißt es im Rezept. Mit 200 Gramm Mehl komme ich da nicht hin. Gebe mehr dazu. Zum Schluß ist das Kilopäckchen fast aufgebraucht, aber der Teig schön glatt. Ich folge der Anordnung und lasse ihn ruhen, bevor ich mich ans Würstelrollen heranmache und die Gnocchis absteche. Nach einer Stunde rolle und steche ich immer noch. Gnocchis stapeln sich auf dem Tisch, auf dem Küchenbüffet, auf den Stühlen. Bevor die ganze Küche mit Gnocchis zugekleistert ist, entscheide ich mich, den restlichen Teig in den Kühlschrank zu verfrachten und erst einmal ein paar Gnoccis im Wasser zu kochen. Eine Salbei-Tomatensoße mache ich dazu, schneide Tomaten in Streifen, zupfe Salbei im Garten, schwenke beides nur kurz in heißem Olivenöl mit klein geschnittenen Zwiebeln und Knoblauch. Fertig. "Wo ist der Reis und sind die Bohnen?", will Alessandro wissen. "Im Schrank", sage ich. Vor dem habe ich Pyramiden aus Tellern und Tassen gebastelt, um die restlichen zwei Tonnen Gnocchis zu trocknen. "Die nächsten Wochen, mein Schatz, gibt es Gnocchis soviel dein Herz begehrt - und etwas mehr...."

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Liebe Gabriela,
hatte ich heut' auch. Einen schönen Hühnertopf mit Reis "und wo sind die Bohnen ?" :))

Deine Gnocchi sind bestimmt besser als die Steine, die ich hier mal fertig gekauft habe und die mir soo schwer im Magen lagen ;)

Ich zupf grad einen Chinelo wieder auf : die Steinchen, mit denen ich angefangen habe, gibt's nicht mehr. Muss Was anderes draus machen.

Lasst Euch die Gnocchi gut schmecken !!

Und wenn Ihr sie über haben solltet, ich ess' auch gern welche :o)

Alles Liebe Ursel

gabriela hat gesagt…

Liebe Ursel,
das mit den Perlen kenne ich. Du fängst ein ganz tolles Muster an und ganz zum Schluss fehlen zwei oder drei Perlen und ausgerechnet die gibt es im Laden natürlich nicht mehr...
Waren lecker, die Gnocchis. Nach drei Gnocchi-Mahlzeiten habe ich heute aber Pizza gemacht. Voll italienisch bei uns...
Liebe Grüsse Gabriela