Dienstag, November 01, 2005

Geburtstag und Allerheiligen

Es ist ein besonderer Tag heute. Nicht nur weil Allerheiligen ist, der Tag, zu dem in Bayern die Gräber festlich geschmückt werden und an dem den Toten gedacht wird. Allerheiligen ist auch der Geburtstag meines Sohnes. 13 Kerzen würden seine Geburtstagstorte zieren. 13 Jahre wäre er jetzt alt. Nicht einmal seinen ersten Geburtstag konnten wir allerdings feiern. Er kam viel zu früh auf die Welt. Winzig klein war er, gerade einmal eine Hand voll Leben, und doch wirkte er so stark. Was blickte er stolz drein, als nach einigen Wochen der Schlauch aus seiner Nase gezogen wurde und er selber schnaufen durfte, ohne die Hilfe von Maschinen. Alle paar Stunden pumpte ich meine Milch ab, die ihn schnell wachsen ließ. Etliche Hürden hatte er genommen, als er sich ansteckte und eine Lungenentzündung bekam. Dann gab er den Kampf auf. Sieben Monate war er alt, als er starb.
Manchmal stelle ich mir vor, wie er heute aussehen würde, was er so machen würde. 13, ein großer Junge mit etlichen Flausen im Kopf. Vielleicht würde er Trompete spielen oder Saxophon. Vielleicht würde er aber auch überhaupt keinen Sinn für Musik haben und stattdessen lieber mit dem Rad in der Gegend herum sausen oder mit seinen Kumpels vor dem Computer hängen.
13 Kerzen würde ich heute anzünden. Aber es ist nur eine. Eine Kerze in Gedenken an ihn, meinen kleinen Sohn, der so süß lachen konnte, der meinen Zeigefinger mit seiner kleinen Faust umschloss und nicht mehr loslassen wollte, der mir trotz all der Trauer so viel gegeben hat und immer in meinem Herzen weiter leben wird.
Ich bin so fern ab der Heimat, so weit weg von seinem Grab, in dem mittlerweile auch sein Opa, mein Vater ruht. Nein, selbst wenn ich könnte, würde ich auch heute nicht an sein Grab gehen. Es sind mir zu viele Menschen, die sich an Allerheiligen auf den Friedhöfen tummeln. Dennoch schmerzt es ein wenig, so weit weg zu sein. Aber ich weiß, die Gedanken und Gefühle sind die gleichen, egal wo ich bin. Und ich weiß, meine Mutter hat das Grab auf dem Bergfriedhof mit einem schönen Gesteck geziert und Kerzen angezündet, für George, meinen Vater und Venicia und Vinzent, Georges Geschwister, die bei ihrer viel zu frühen Geburt starben. Es schnürt mir nicht mehr das Herz zusammen, beim Gedanken an meine Lieben, wie es das früher tat. Nein, die Zeit heilt Wunden. Geblieben ist ein wenig Wehmut vermischt mit einem Gefühl der Wärme und der Dankbarkeit für mein Leben und all meine Erlebnisse.
Mein lieber George, Vinzent und Venicia, lieber Pappa, ich werde euch nie vergessen. Ich zünde eine Kerze an für euch. Wer weiß, vielleicht züngelt ihre Flamme bis zu euch und gibt euch ein bisschen von der Wärme zurück, die ihr mir gegeben habt...

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Liebe Gabriela,
Deine Geschichte, Euer Schicksal hat mich sehr angerührt. Das kann wahrscheinlich niemand nachfühlen, wie es ist, die eigenen Kinder so früh an den Tod zu verlieren, nach der ganzen Hoffnung, die Du sicher hattest in den Schwangerschaften und danach. Aber bestimmt empfindet auch kaum jemand die Dankbarkeit für alles, was gegenwärtig ist, so wie Du. Das ist ein Geschenk, das man oft erst bekommt, nachdem man in den tiefsten Löchern gesessen ist davor (zumindest meine Erfahrung)und es gibt so viele, die das nie erfahren haben, wie schön es ist, am Leben und gesund zu sein, bis dieser Zustand plötzlich ein Ende hat.
Ich gehe auch nie auf den Friedhof an diesen Gesellschaftstagen. Ich mach, wie immer, ein Feuer bei mir und werde paar Scheitl für Euch fern der Heimat mit reinlegen.
Alles Liebe,
Sam

Ursel hat gesagt…

Liebe Gabriela,

ich drück' Dich ganz fest !!

Ursel

gabriela hat gesagt…

Liebe Sam,
Liebe Ursel,
es sind so liebe und von Herzen gemeinte Zusprüche, wie auch ihr sie gemacht habt, die mir geholfen haben, wieder in das Leben zu finden und mit dem Tod meiner Lieben umzugehen. Und es tut mir auch heute noch gut, wenn ich das lese, was ihr geschrieben habt.
Danke!!!
Gabriela