Mittwoch, November 16, 2005

Es ist Sommer

Es ist Sommer und es ist der Gründungstag der Republik Brasilien. Am 15.11.1889 wurde sie offiziell ausgerufen. Jetzt, 116 Jahre später, ist das Grund genug zum Feiern. Viele Curitibaner haben sich ein verlängertes Wochenende gegönnt, haben Sonnenschirm und Badehose eingepackt und sind der Zweimillionenstadt Curitiba entflohen, die etwa 120 Kilometer von hier entfernt im Landesinneren liegt. In Bikini und Badehose ziehen sie an unserem Haus vorbei, früh morgens gen Strand, mittags gen Mittagstisch, nachmittags wieder gen Strand und abends zum Ferienhäuschen, um dort Rinderrippen und Co zu grillen. Der Duft von Sonnencreme und Grillfleisch wabert an uns vorbei, stimmt uns auf den Sommer ein. Ein paar Häuser weiter spielen einige Jugendliche Disco. Ihr Auto gleicht einer Tonanlage. Dort, wo einmal der Kofferraum war, sind jetzt riesige Boxen, hunderte Watt schwer. Ihnen kann keiner entfliehen. Auch wir nicht. Bob Marley schreit uns "No woman no cry" entgegen. Brasilianische Popmusik ertönt und wir fühlen uns, als wären wir mitten drin in der Disco. Auch spät nachts kennen die Jugendlichen kein Erbarmen. Jetzt haben sie auf House und Tecno umgestellt und unser Bett wackelt im kalten Bass und Drum-Rhythmus. Gegen vier Uhr legen sie eine Pause ein, um uns um neun mit Rio-Funk zu wecken, einer Art Rap, bei dem nichts zu verstehen ist, aber dafür Bass und Drums alles unerbittlich zuknallen, bis nur noch das Gefühl "Stellt-endlich-das-Geschrei-ab" dominiert. Sie stellen es nicht ab. Erst am Nachmittag wird es ruhiger. Irgendein Nachbar hat die Polizei gerufen.

Im Supermarkt verbringe ich Stunden. Lange Schlangen am Brotstand. Warten am Fleischstand - ja, auch wir wollen grillen, Hähnchen. Warten auf Biernachschub, das schon am Samstag ausverkauft ist. Warten an der Kasse.

Alles wiederholt sich. Bis zum Dienstag. Abreise. Hektisch werden am Abend Badehose und Sonnenschirm im Auto verstaut, bevor die Prozession beginnt. Auto an Auto, Stoßstange an Stoßstange und wir haben unseren Strand wieder nur für uns.

Verschwunden sind auch die braunen Raupen. Hinterlassen haben sie hauchdünne, pergamentartige Hüllen, die ihnen einst als Haut gedient haben. War wohl noch nicht Zeit fürs Verpuppen. Dafür krabbeln seit heute gelbe, behaarte Raupentiere an Hauswand und Terrasse herum.

1 Kommentar:

Ursel hat gesagt…

Liebe Gabriela !

Hast Du dann wenigstens Deine schönen Chinelos in' Fenster gestellt :))

LG Ursel