Montag, Oktober 24, 2005

Wahlbewertungen

Immer wieder interessant ist es, das zu beobachten, was passiert nachdem die Wahlergebnisse vorliegen. Dann gibt es ganz tolle Erklärungsversuche von allen möglichen Seiten. Das ist nicht nur in Deutschland so.
63,88 Prozent der wahlberechtigten Bürger Brasiliens haben sich in einem Referendum, einer Volksabstimmung, gegen ein Verbot des Handels von Schusswaffen und Munition ausgesprochen. Nur 36,12 Prozent waren dafür. Keineswegs ein unerwartetes Ergebnis. Umfragen, die vorab stattfanden, hatten ein solches schon ahnen lassen.
Erstaunlich finde ich indes die Erklärungen, die jetzt von Politikern und Journalisten abgegeben werden. Von den fast 64 Prozent der Befürworter eines freien Waffenhandels würden 80 Prozent nie eine Schusswaffe kaufen oder in die Hand nehmen, heißt es, glaubt man einer weiteren Umfrage. Dass sie dennoch gegen ein Verbot des Waffenhandels waren, wird mit einer Protesthaltung gegenüber der Regierung begründet. Die solle erst einmal ihre Hausaufgaben machen und für eine funktionierende Polizei sorgen, wird als Begründung für die ablehnede Haltung angegeben.
Eine andere Zahlenauswertung lässt indes eine schreckliche Schlussfolgerung zu. In Diadema (São Paulo) sollen die meisten Menschen durch Schussverletzungen sterben. Dort hat sich die Mehrheit für ein Verbot des Waffenhandels ausgesprochen. Spinnt man dies weiter, würde das bedeuten, dass sich die Bevölkerung erst dann, wenn noch mehr Menschen durch Pistolenkugeln sterben, für ein Waffenverbot aussprechen würde.

1 Kommentar:

Ursel hat gesagt…

Liebe Gabriela,

ja, wahrscheinlich müssen noch mehr Menschen persönlich ge- oder betroffen werden, damit sich etwas tut.
Auch hier waren die Argumente haarsträubend..
LG Ursel