Sonntag, Oktober 16, 2005

Geduldsprobe

Ich dachte, wenn die "Permanencia", die Aufenthaltsgenehmigung, durch ist, sei alles erledigt. Von wegen. Meine Geduld wird auch weiterhin auf die Probe gestellt. Am 9. Oktober habe ich über die Internetadresse des Justizministeriums nach der Eingabe meines Namens erfahren, dass die Permanençia am 30. August genehmigt wurde. Am Montag war dann tatsächlich auch schon ein Brief vom Justizministerium in meinem Postfach. Der hatte am 30. August das Ministerium verlassen und war dann mal eben sechs Wochen unterwegs. Am 8. September war er das erste Mal in Matinhos, dem Städtchen, in dessen Nähe ich lebe, wie ein Stempel verrät. Anstatt in meinem Postfach zu landen, wurde er aber, warum auch immer, zurück geschickt, um dann am 6. Oktober zum zweiten Mal bei der Post in Matinhos aufzutauchen. Bis er dann im Gemeindeteil Guacyara und an meinem Postfach ankam, dauerte es nochmal vier Tage. Immerhin habe ich ihn jetzt.

Ich soll mit der Policia Federal, der Bundespolizei, Kontakt aufnehmen, um mich registrieren zu lassen, heißt es in dem Schreiben. Bei der Policia Federal bekam ich dann auch gleich eine Liste mit den Papieren und Dingen, die ich benötige, um mich registrieren zu lassen. Die zwei Passfotos waren schnell im Laden um die Ecke gemacht. Ausfüllen muss ich noch ein Formular, in dem auch danach gefragt wird, wie die Nummer des Flugzeuges lautet, mit dem ich eingereist bin, und wer das Flugticket ausgestellt hat. Hoffentlich finde ich das Ticket noch. Beglaubigte Kopien vom Pass soll ich vorlegen. Das wird immer verlangt. Das war beim Antrag für unsere Hochzeit so, auch beim Antrag für die Permanençia und jetzt also noch einmal. Ich frage mich ja schon, was die mit all den Kopien von meinem Pass so machen und wo die so landen. Das Schreiben des Justizministeriums soll ich ebenso kopieren und beglaubigen lassen. Beglaubigte Papiere sind überhaupt sehr gefragt. Das deutsche Konsulat soll beglaubigen, dass ich als Deutsche in Deutschland geboren bin und wer meine Eltern sind. Bin ja gespannt, wie lange das wieder dauern wird und was das kostet. Das dumme ist, dass ich dazu extra nach Curitiba fahren darf, das etwa 120 Kilometer und eine zweistündige Busreise von hier entfernt ist. Apropo Kosten. Auch in Brasilien versteht es der Staat, sich bezahlen zu lassen. Über das Internet, erklärt die freundliche Polizistin, soll ich mir weitere Formulare ausdrucken und mit diesen dann eine Gebühr bezahlen, eine für die Registrierung im Fremdenregister und eine für einen Ausweis für Ausländer. Wenn ich dann alles habe, soll ich wieder kommen. Dann werde sie die Daten in den PC eintippen und alles in die Wege leiten. Danach werde es so ungefähr noch einmal zwei Monate dauern, bis die Registrierung durch ist und ich somit legal im Lande bin. Arbeiten darf ich damit allerdings immer noch nicht offiziell. Dazu muss ich dann erst die entsprechende Karte beantragen, noch einmal ein paar beglaubigte Papiere und Kopien vorlegen und noch einmal warten. Und weil es nicht einfach sein darf, wenn es auch kompliziert geht, muss ich die Arbeitskarte wiederum in Curitiba beantragen. Persönlich, versteht sich. Nix mit Postweg und so.

Schön, dass auch in Brasilien die Bürokratie so ausgefeilt ist. Da gibt es wenigstens immer etwas zu tun für all die Beamten und Antragsteller.

1 Kommentar:

Ursel hat gesagt…

Liebe Gabriela !

Ja, das ist schon ineressant und immer wieder spannnend :)
Wichtig finde ich nur, im Unterschied dazu FUNKTIONIERT die Bürokratie in Deutschland halt einfach, auch wenn sie nervt..
Ich mache ja grade den gleichen Prozess durch wie Du mit der permanência und frage mich immer wieder, warum in Deuschland mein Mann direkt nach unserer standesamtl. Hochzeit sein Visum bekommen hat, ohne Umschweife, klar, ein paar Fragen gab es, um sicherzustellen, dass wir uns auch wriklich kennen und es keine Greencard wird. Er bekam es direkt in den Pass geklebt ohne beglaubigte Kopien etc. Pipapo.
Erstmal für 3 Jahre und dann automatisch die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung mit Arbeitserlaubnis und allem.

Hier in Brasilien muss das alles SOO kompliziert sein und die Komunikation unter den einzelnen Behörden bzw. sogar innerhalb einer Behörde per PC funktioniert eben leider nicht immer.

Naja, ich hab's mir ja selber ausgesucht :)

Übrigens , das mit den beglaubigten Kopien, davon leben hier ja ganze Berufszweige (die "cartórios"), die sicher irgendwo noch aus der Zeit der Coronels herstammen, wo der Chef/Mächtige der Region unter alles seinen FriedrichWilhelm setzen musste, damit es gültig war.
Jaja, ein Stück gelebtes Mittelalter :))

Liebe Grüsse
Ursel