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Die Wiederentdeckung des Schweisstuchs

Obwohl es bewölkt ist und gleich wieder regnen wird, versammelt sich der Schweiss auf Gesicht, Dekoltee und Armen zu Tropfen und Rinnsalen. Unser Hüttlein verlasse ich nur noch mit Schweisstuch, um mich damit in unbeobachteten Momenten abzutupfen, so wie es in den alten mexikanischen Filmen, die Gangsterbosse tun. Ich bin nicht die einzige, die das tut. Gestern zog das Mädel an der Kasse im Supermarkt auch ein Schweisstüchlein hervor. Ich habe gelacht, und mit meinem in heisser Verbundenheit gewedelt. Auch wenn Luftfeuchte und Hitze mir zwischendurch zu schaffen machen, so ist dieses Wetter doch besser zum Arbeiten, als wenn es trockener wäre und die Sonne herunter klnallen würde. So muss ich wenigstens nicht wählen, ob ich mich zuerst mit dem Anti-Mückenmittel und dann mit dem Sonnenblocker (Stärke 50) einschmiere oder umgekehrt. Jetzt brauche ich nur Anti-Mückenmittel. Die Wissenschaftler könnten ruhig mal ein kombiniertes Mittel erfinden. Eins, das nicht so extrem nach Parfüm duftet...

Siesta

36 Grad im Schatten. Zu heiss zum Arbeiten. Schnell ins dunkle, kühle Lan-House geflüchtet. Die Siesta über sozusagen, bevor es wieder weiter geht. Wir sind gerade dabei, das Fundament für unseren Anbau auszuheben. Streifenfundament mit tieferen Bohrungen an einigen Stellen. Ewig harter Lehmboden, der morgens vom Tau nass Tonnenschwer an den Stiefeln kleben bleibt. Zentimeter für Zentimeter graben wir uns vorwärts. Irgendwann wird es schon werden. Der Ansporn steht schon im Schuppen: Kloschüssel, Waschbecken, Mosaik-Fliesen. Unser Bad. Es wird ein wenig grösser als die Hundeburg und es wird gemauert. Ich habe nachgegeben. Der Rest wird aus verputzten Bambuswänden bestehen. Ob die Pfosten oder Tragwerke auch aus Bambus sein werden, müssen wir noch entscheiden. Der von uns geerntete Bambus hat sich leider als untauglich heraus gestellt. Er ist schon jetzt, trotz langsamer Trocknung, an einigen Stellen aufgeplatzt. Auch der Broca, eine Art Holzwurm, hat sich an ein paar Stäben bereits ein...

Deutscher Papierkram

Jetzt muss ich erst einmal verschnaufen. Obwohl, so schlimm war es auch nicht. Gestern ist die Windschutsscheibe vom Robocop gesprungen. Das ist ganz toll, weil es für ihn hier kaum Ersatzteile gibt. Der deutsche Autohersteller mit dem O am Anfang ist hier auch gar nicht bekannt. Sie nennen den Astra hier Chevrolet, weil General Motors das Vertriebsrecht von Opels in Brasilien hat. Egal. Für Astras aus dem Jahr 1995 sind die Ersatzteile dünn gesäht. Deshalb sitze ich nun im Lan-house, um nach Alteisenwarenhändler in der grossen Stadt Curitiba zu suchen. Ich hoffe, dass da irgendwo noch ein alter Astra rumrostet und ein paar Teilchen von ihm zu erwerben sind. Das Verschnaufen hat aber mit der Polizei zu tun. In den gut fünf Jahren, in denen ich nun schon hier lebe, bin ich nur äusserst selten in eine Polizeikontrolle gekomme, so wie heute. Das war doof. Ich dachte mir, super, jetzt werden sie mir erzählen, dass ich mit einer geplatzten Windschutzscheibe nicht "zirkulieren" da...

Hundeburg und Regenloch

Das Wetter hat von ständigem Dauerregen auf zwischendurch Schüttregen umgestellt. Das hat den Vorteil, dass sich zwischen Sturm und Schütt ein wenig arbeiten lässt. Wir haben mit dem Bau eines Hundezwingers begonnen. Hässliches Wort, Zwinger. Es wird auch eher eine Burg. Die Burg wird aus einem kleinen Häuslein für die zwei Hundedamen Luma und Hanna bestehen. Davor ein vorerst nur betonierter Burghof, umgeben von einem hohen Zaun. Die Hundeburg ist notwendig, damit wir endlich mit dem Hausanbau anfangen können. Bisher dürfen die beiden ja im Haus und der eingezäunten Terrasse zwischen ihren Gassigängen weilen. Genau da soll aber der Anbau hin. Es ist eng geworden im 12 Quadratmeter Hüttlein. Labradormischling Luma hat uns mit neun neuen Weslein beglückt. Neun Welplein, die inzwischen schon stolze zwei Wochen alt sind und langsam damit anfangen, ihre Umgebung zu erkunden. Behalten können wir leider keines. Das wäre momentan doch etwas zu viel an Hunden. Ein paar Menschlein haben schon I...

Regenloch

irgendwo muss es ganz schön trocken sein. Drei Wochen lang hat es ohne Unterlass geschüttet. Mir drohten schon Kiemen zu wachsen. Drei Tage lang gab es jetzt Sonne, manchmal zwischen Wolken, aber immerhin keinen Regen. 16 T-Shirts gewaschen, 5 Hosen, 21 Unterhosen, tausende Socken. Getrocknet. Zum Glück. Es ziehen schon wieder Wolken auf. Ab morgen soll es wieder regnen heisst es in der Wettervorhersage. Jetzt heisst es also immer noch warten. So lange der Schlamm währt, können wir die Maschine nicht anheuern, die ihn beseitigen soll. Sagt zumindest der Mann vom Steinbruch. Ein paar Sonnentage vorher seien nötig, weil sonst die Maschine versumpfe. Also warten wir weiter. Derweil gehe ich zum zweitausendsten Mal über die Pläne. Die Logistik ist immer noch nicht geklärt. Das Holzhäuschen soll in den Anbau integriert werden. Da werden wir auch wohnen bleiben, bis der Anbau fertig ist. Das Dach des Anbaus ist jedoch höher als das des Hüttleins. Die Bambusbalken dafür würden deshalb das Dac...

Sterne und Steine und Zukunftsmusik

eigentlich wollten wir heute Bambus schneiden. Marcia hat sie mir angeboten. Der Mond perfekt. Abnehmend. Das Sternzeichen perfekt. Ein Wärmetag. Der fällt allerdings etwas kühl aus. Es regnet. Gar nicht gut, um 30 Meter hohen Bambus zu schneiden. Dabei hatte ich schon alles vorbereitet. Hatte eine dicke Folie gekauft, mit der ich eine Art Trockenkammer bauen wollte. Hatte schon den Abzugskamin für die feuchte Luft aus einem alten Rohr gebastelt, ihn sogar mit Dächlein versehen, damit es nicht reinregnen kann. Hatte alles im Auto verstaut, samt 15 Meter dickem Seil, Sägen, Macheten und Ziegelsteinen, auf denen der Bambus lagern sollte. Wir wollten nach und nach die Bambusstangen mit bis über 30 Zentimeter Durchmessern (!) schneiden und gleich in Stücke zersägen und sie erst einmal bei Marcia lagern, um sie dann später zu uns liefern zu lassen. Später auch deshalb, weil die Strasse immer noch nicht befahrbar ist. Inzwischen hat aber ein paar Kilometer weiter ein Steinbruch eröffnet. Rät...

Ich lebe....

ich lebe !!! mir geht es gut !!! habe meine seltsame Buschkrankheit überstanden und bin wieder kerngesund und kugelrund!!! Über sieben Monate sind es nun, dass wir am Rande des Regenwaldes leben. Es ist nach wie vor spannend. Mittlerweile haben wir einen eigenen Brunnen, einen kleinen Bauerngarten, eine neue Bananenpflanzung und einen kleinen Bambusschuppen. Der Bambusschuppen sollte uns als Werkstatt dienen. Wir werden ihn, so wie es aussieht aber in unsere Hausanbaupläne einbeziehen. Es hat ein wenig gedauert, bis wir das Grundgestell aus Bambus aufgestellt hatten. Noch länger hat es gedauert, zwischen die Bambusstangen Wände einzuziehen. Unser Boden ist leider ziemlich Tonhaltig. Nach mehreren Tests habe ich die Idee der Lehmwände dehsalb aufgegeben. Stattdessen haben wir eine Art Betonwand mit Bambusarmierung ausprobiert. Dabei wird der Bambus aufgespalten und die so entstandenen Bambusbretter werden auf einen Holzrahmen genagelt. Weil die Innenseite des Bambus für Käfer und Term...