Seltsamer Ruf am Nachmittag
Das muss ich euch jetzt schnell erzählen.
Seit ein paar Tagen höre ich am späten Nachmittag immer wieder den Ruf eines Vogels. Zuerst dachte ich, es ist ein Tukan. Vor allem im Frühjahr und Sommer sehen wir bei uns immer wieder grünschnabelige Tukane (Ramphastos dicolorus). Meistens sind sie zu zweit, manchmal auch in kleinen Gruppen. Sie mögen die an Rispen wachsenden, kleinen Früchte des Umbauva-Baumes. Der grünschnabelige Tukan ist äußerst gesprächig. Sein Gezwitscher ist ein lautes Krächzen. Das lässt er erschallen, um seine Spezls zu rufen, um ihnen zu zeigen, wo es Futter gibt, wo er ist und auch, um seine künftige Geliebte zu beeindrucken.
Ein bisschen hat mich der spätnachmittägliche Ruf an den der grünschnabligen Tukane erinnert. Nur ist er nicht ganz so rauh, nicht ganz so tief und ein wenig melodischer.
Es hätte auch ein Guaxe sein können. Guaxe sind schwarze, etwa Amselgroße Vögel, die unter den Flügeln knallrot sind. In der Nähe von Seen, Bächen und Flüssen bilden sie kleine Kolonien. Dort hängen sie ihre kunstvoll geflochtenen Nester an Bäumen auf, um Nesträubern den Zugang zu erschweren.
Aber auch der Ruf des Guaxe ist ein wenig anders, als der, den ich jetzt öfters höre. Die Rufe der Guaxes sind vielfältig. Sie ahmen andere Vögel nach. Dennoch sind sie einzigartig. Sie bilden die Töne tief hinten im Kehlraum. Das erinnert mich immer wieder an schweizerische oder österreichische Dialekte, deren "ch" ebenso in den Tiefen des Kehlraums entsteht.
Alle möglichen Vogelarten sind mir eingefallen, beim Hören des spätnachmittäglichen Rufes. Ich konnte ihn trotzdem keinem Vogel zuordnen. Auch mit dem Fernglas konnte ich die Quelle des Rätsels nicht ausmachen.
Vor zwei Tagen habe ich den Ruf dann mit dem Handy aufgenommen und in die WhatsApp-Gruppe der Vogelbeobachter Paranás gestellt. Die Antwort kam ruckzuck: Schwarzschnabeliger Tukan (Ramphastos vitellinus).
Ist das nicht toll? Damit steigt die Zahl der Tukane, die ich hier bei uns im Regenwald gesehen oder gehört habe, auf drei. Neben dem Grün- und Schwarzschnabeligen Tukanen gibt es hier nähmlich auch noch den mit dem gelben Schnabel und der weißen Brust (Ramphastos toco), der, der Einem schnell einfällt, wenn die Rede von einem Tukan ist. Anders als der grünschnabelige Tukan mit der gelboragenen Brust und dem tiefroten Bauch, ist der gelbschnabelige bei uns aber eher selten zu sehen.
Jetzt hoffe ich, dass ich auch den schwarzschnabeligen Gefährten zu Gesicht bekomme. Zumindest habe ich ihn aber schon gehört.
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